Unser Sohn schläft unkompliziert ein und durch. Schon immer. Und auch egal wo: zu Hause, bei einem Freund, auf Reisen – ganz gleich, was es ist, nichts bringt ihn so aus der Ruhe, dass er nicht schlafen könnte. (Nicht so seine Schwestern…) Er liebt es, woanders zu übernachten und war da schon in relativ zartem Alter sehr entspannt und so gut wie angstfrei. Ich glaube, das hat mit seiner grundsätzlichen Unbekümmertheit zu tun, die er in diesen Dingen hat: weil er abends einschläft, als hätte man ihm den Stecker gezogen und nachts niemals aufwacht, hat er offensichtlich auch keine Angst davor, in fremder Umgebung zu schlafen. Schlafen ist sein Bereich, da ist er quasi Profi, da macht ihm niemand was vor.
Das ist eine große Gabe, wie wir finden. Er allerdings schließt von sich auf andere und lädt permanent kleine Menschen ein, bei uns, bei ihm zu übernachten.

Das bringt natürlich nicht nur die Situationen mit sich, dass die eingeladenen Kinder die Nacht nicht durchhalten und zwischendurch von den Eltern abgeholt werden müssen oder schlicht ablehnen, hier zu schlafen. Es beschert uns allen auch immer Einblicke in die Schlaf-, Ess- und überhaupt Lebensgewohnheiten anderer Menschen. Zuletzt kam der Bub vom Sleepover bei seinem Herzensfreund Liam, bei dem er sehr gerne und regelmäßig übernachtet und berichtete nicht nur begeistert, dass sie beide mit dem großen Bruder von Liam gemeinsam auf einem Matratzenlager genächtigt und außerdem vom Hochbett „Arschbombe“ in dieses improvisierte Bett gemacht hätten. Nein, es wurde offensichtlich auch nackt geschlafen. „Liam hatte die Idee und wir fanden das gut!“ Alles klar. Wenn man ein kleiner Junge von 5 Jahren ist und am liebsten den ganzen Tag wie Al Bundy mit der Hand in der Hose herumlaufen würde (oder eben nackt), dann ist das natürlich eine wahnsinnig amüsante Geschichte, komplett textilfrei zu schlafen. Er hat seitdem hier auch Vorstöße in diese Richtung gemacht, ist aber bei seinen Schwestern auf wenig Begeisterung gestoßen.

Gestern hatte er nun seinen Freund Lio zum Übernachten eingeladen. Lio und Marius kennen sich seit ihrer Geburt, sie sind genau gleich alt und haben bisher so gut wie jeden Geburtstag miteinander gefeiert. Die Freundschaft der beiden schwankt zwischen großer Liebe und völligem Desinteresse. Es ist wirklich lustig zu sehen, wie diese Phasen kommen und gehen, ohne, dass man von außen irgendwelche Parameter feststellen könnte, die das bestimmen würden.
Im Moment ist wieder eine heiße „On“-Phase und so wurde der Plan gefasst, Lio solle hier schlafen. Bettsachen wurden herbei geschleppt, Schlafanzüge angezogen, Schlafhöhlen gebaut und der abendliche Film wurde ausgewählt: Disney’s Robin Hood. Dann ging es ums Essen und die zwei erschienen, flankiert von den beiden Mädchen, bei mir in der Küche, um das Menü abzufragen: „Hühnchenschnitzel vom Blech, Kartoffel-Möhren-Stampf und Salat“, lautete meine Ansage. Darauf Lio, sich ein wenig windend aber ausgesucht höflich: „Also, das tut mir jetzt ja ein bisschen leid, aber ich bin eigentlich Vegetarier. Kannst du mir das auch ohne Fleisch machen?“ Ich war, zugegebenermaßen, sehr verblüfft – nicht so sehr von Lios Vegetariertum, weiß ich doch, dass seine Eltern fleischlos essen – als von der goßen Selbstsicherheit, mit der er das verkündete.  Marius, offensichtlich ebenfalls sehr beeindruckt, rief schnell: „Ich bin heute auch Vegetarier, Mama!“ Ich änderte also kurzerhand den Essensplan in Spaghetti mit Tomatensoße und alle waren’s zufrieden.

Lio hat die Nacht hier übrigens nicht geschafft, sondern wollte irgendwann doch lieber wieder nach Hause. Ich habe dafür allergrößtes Verständnis, habe ich doch auch noch so ein Kind, das immer am liebsten zu Hause schläft. Marius war schon im Stecker-raus-Modus und kriegte Lios Abtransport ins heimische Bett gar nicht mehr richtig mit. Aber heute morgen meinte er: „Ich kann schon verstehen, dass der Lio lieber bei seiner Mama schlafen will. Weißt du, bei mir ist das eigentlich so: ich kann überall da schlafen, wo es eine Mutter gibt. Und wo es keine Mutter gibt, da schlafe ich auch nicht. Du bist die liebste Mutter, da schlaf ich am liebsten. Aber andere Mütter sind auch ok!“

Mein Vegetarier-für-einen-Abend hat dann heute den halben Tag wieder bei Lio rumgehangen, dort gespielt und dessen Mama wahrscheinlich ok gefunden. Bevor er dann nach Hause kam, sich in meine Arme schmiss, mich knutschte und mir wieder mal verkündete, er wolle mich heiraten. „Dann schlaf ich immer bei dir, Mama! Das wird toll. Und der Papa kann mein Zimmer haben. Da isses schließlich auch ganz schön.“

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