Die zweite Welle ist da. Der zweite Lockdown ist da. Und wir? Was machen wir? Nachdem ich es im Oktober knapp versäumt habe,  wird es umso mehr Zeit für einen weiteren Corona Alltagscheck. Und wie die Situation sich entwickelt hat, muss man leider sagen, es wird wohl noch lange nicht der letzte sein.

Der Sommer war gut zu uns. Die meisten von uns haben ihn ausgekostet, draußen und mit Abstand Menschen getroffen, Urlaub gemacht, schöne Dinge erlebt. Wir auch. Und obwohl ich mich angesichts der explodierenden Zahlen fragen muss, ob das alles richtig so war, bin ich vor allem dankbar, dass wir diese Möglichkeit hatten. Denn davon müssen wir jetzt zehren. Der Winter kommt und er wird hart.

Corona Alltagscheck: Zweite Welle | berlinmittemom.com

Corona Alltagscheck: Wie läuft es eigentlich bei euch mit…

…der Schule?

Nach dem ersten Ausbruch an der Schule der Minions, die für das Goldkind eine häusliche Quarantäne mit sich brachte, gab es dort bereits eine Maskenpflicht im Klassenraum – sehr zu unserer Erleichterung, muss ich sagen. Sind doch die Maske und das Lüften die einzigen Schutzmaßnahmen in der Schule, da der Abstand nicht eingehalten werden kann, solange in voller Klassenstärke unterrichtet wird. Ein weiterer Krankheitsfall im Lehrerkollegium zog dann tatsächlich keine weiteren Ansteckungen in der Schule nach sich; wenn das bereits die Wirkung der Masken im Klassenraum widerspiegelt, bin ich beruhigter. Wirklich wissen können wir es nicht.

Beim Bub in der Klasse hatten sich die Kinder schon vorher darauf geeinigt, freiwillig grundsätzlich Maske im Unterricht zu tragen und bei der Großen ist es jetzt nach den Herbstferien auch der Fall: in Berlin müssen Oberstufenschüler*innen jetzt ebenfalls Maske im Klassenraum tragen, das ist den hohen Fallzahlen geschuldet.

Die Kinder tolerieren das alle sehr gut, auch wenn es Situationen gibt, wo es natürlich einfach nur nervt. Das ist keine Überraschung.

Corona Alltagscheck: mit Kindern durch den zweiten Lockdown | berlinmittemom.com

Sport findet inzwischen nur noch draußen statt, sinnvollerweise. Die HipHop-Klasse vom Goldkind hat jetzt einmal mit Mund-Nase-Schutz stattgefunden, inzwischen ist sie wieder ganz gecancelt. Das macht sie natürlich traurig und nimmt ihr einen wichtigen Faktor für die Alltagsbalance weg, nämlich Bewegung aus Freude, nicht aus Pflicht. Wir haben dann jetzt doch ein großes, wetterfestes Trampolin für den Garten angeschafft, obwohl ich das nie wollte. Aber schon nach drei Tagen ist das Ding ein Quell der puren Freude für die Kinder, insofern bin ich vollkommen ausgesöhnt mit seiner Existenz.

In den Schulen läuft es, was die Toleranz der Maßnahmen angeht, durchaus unterschiedlich. Von Kindern, die gar nicht mehr in die Schule kommen möchten, um Ansteckung zu vermeiden, bis hin zu solchen, deren Eltern die Maßnahmen ablehnen, ist natürlich alles dabei. Das wird sicher noch spannend, wie das weitergehen kann in den nächsten Wochen und Monaten. Und ich bin mir auch noch nicht so ganz im Klaren, wie lange die Schulen überhaupt im Präsenzbetrieb werden offenbleiben können. Das hängt wohl davon ab, wie sich das Infektionsgeschehen dort entwickelt. Ich beobachte das mit sehr gemischten Gefühlen.

Einerseits bin ich froh, dass die Schulen offen sind, denn für die Kinder ist es wichtig und richtig, dort mit anderen Gleichaltrigen zu lernen, ihre Freund*innen zu sehen, einfach ein bisschen Normalität zu haben. Andererseits ist das jetzt der wahrscheinlichste Infektionsherd für uns als Familie, da der Mann weiterhin im Homeoffice ist und seit Corona nicht mehr reist (juhu!) und ich ohnehin zu Hause bin. Dass ich das nicht kontrollieren kann und mich darauf verlassen muss, dass alle anderen sich genau wie wir an die Maßnahmen halten, beunruhigt mich. Denn ich sehe immer noch zu viele Menschen sorglos ohne Maske in größeren Gruppen durch die Gegend laufen und sich um nichts scheren. Ich finde es zunehmend schwer, damit umzugehen. Ruhig zu bleiben, mich nicht aufbringen zu lassen.

Herbst im Park | berlinmittemom.com

… mit den sozialen Kontakten?

Wir sind gerade dabei, alles neu zu denken, denn so wie im Sommer können wir es nicht mehr machen: vereinzelt Freunde treffen, aber nur draußen und mit Abstand. Wir werden wohl wieder bewusster zu unseren „virtual GnTs“ mit Freunden zurückkehren, statt sie tatsächlich zu treffen und ansonsten den sehr ausgesuchten Kreis von Nachbarn auf der Terrasse sehen, mit dicken Jacken und Kissen unterm Hintern. Aber für die Kinder braucht es andere Regeln. Letzte Woche kam ein Schulfreund vom Bub nach dem Unterricht mit, der von sich aus die ganze Zeit die Maske aufbehielt, obwohl die beiden fast nur draußen waren. Übernachtungen gab es hier seit Februar keine mehr und das wird auch so bleiben, doch da das draußen Spielen oder Radfahren, Waveboarden, Tischtennis etc. wegen des Wetters in den nächsten Wochen nur eingeschränkt möglich sein wird, brauchen wir eine Regelung für Drinnen. Spielen mit Maske, Abstand und Lüften? Ich bin mir noch nicht im Klaren, wie das gehen wird und denke mit Schaudern daran, dass auch einige unserer Adventstraditionen wie das Backen mit Freundinnen wohl nicht werden stattfinden können. Das haben sich die Kinder noch gar nicht klargemacht.

Was den ganzen Umgang zusätzlich erschwert, ist immer die Frage danach, wie andere mit den Maßnahmen umgehen. Halten sie Abstand? Reduzieren sie ihre Kontakte? Wenn ich das sicher wüsste, wäre mir auch wohler dabei, die Kontakte der Kinder zu gestalten. Es ist ja ohnehin immer nur ein anderes Kind gestattet, da ja nur zwei Haushalte sich treffen dürfen. Wir müssen also gut planen, welches Kind unter welchen Bedingungen welchen Besuch haben darf. Die Spontaneität geht dabei definitiv flöten. Zum Glück haben wir selbst mehr als ein Kind, wenigstens haben sich hier die Geschwister gegenseitig.

… der Gefühlslage?

Dass sich das alles nicht gut anfühlt, brauche ich wohl nicht extra zu schreiben. Ich denke, die Erfahrung machen wir gerade fast alle. Ich merke an mir selber, dass ich dünnhäutig und empfindlich bin (noch empfindlicher als sonst) und dass ich schnell hochgehe. Wenn ich aufs Handy schaue und die Newsfeeds sehe, könnte ich gleich verzweifeln, egal, ob es um die US-Wahl, Moria, die Lage in Weißrussland und Polen, die aktuellen Terroranschläge in Frankreich und Österreich, Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA, den Anschlag auf die Universität in Kabul, den Klimawandel und und und… oder eben die stündlichen Corona-Updates geht – es macht mich alles verrückt. Nicht nur die News an sich, sondern die irren Kommentare dazu, die vielen Menschen, die sich in die Position der Leugner*innen und Verharmloser*innen begeben, egal, um was es geht. Diese Schwarz-Weiß-Sicht auf die Welt macht mich verrückt. Das Elend der Welt macht mich verrückt. Meine eigene Hilflosigkeit macht mich verrückt. Die Unsicherheit macht mich auch verrückt. Und dennoch versuche ich, im Kleinen gegenzuhalten, schöne Momente bewusst zu spüren und auch zu schaffen und damit nicht nur mich, sondern auch meine Familie quasi mit dem Kopf über Wasser zu halten. Das ist wahnsinnig anstrengend.

Corona Alltagscheck: Schule in der zweiten Welle | berlinmittemom.com

Wir reden viel. Wir verbringen Zeit zusammen. Wir spielen, wir schauen Filme, wir kuscheln und lesen. Wir lieben den Kater wie verrückt und erfreuen uns an ihm. Wir schreiben und telefonieren und schicken Fotos mit der Familie im Rheinland hin und her, die wir schmerzlich vermissen. Wir denken uns Dinge aus, um einander und den Liebsten in der Ferne eine Freude zu machen. Wir kümmern uns umeinander und irgendwie ist das das Einzige, das weiterhin wirklich G U T ist. Wenn ich darüber nachdenke, ist mir klar, dass das ganz schön viel ist. Das hilft mir dann wieder, den nächsten Schritt zu machen. Und dann den nächsten. Und dann den nächsten. Ein Schritt, ein Besenstrich, wie Beppo Straßenfeger aus Momo.

Die Kinder halten sich tapfer. Zur Schule zu gehen gibt Halt und Struktur und auch das Gefühl von Normalität. Dass diese Normalität allerdings so trügerisch und zerbrechlich ist und jederzeit in den nächsten Quarantänemodus kippen kann, hilft nicht gerade. Aber immerhin. Normalität. Dass die Kinder übrigens ständig Maske tragen müssen in der Schule und auch auf dem Weg dorthin im Bus/der Bahn, ist für sie das geringste Problem. Ich glaube, das sehen sie nicht mal als große Einschränkung an. Das ist jetzt eben so, sie verstehen, was der Sinn dahinter ist und damit ist es gut.

Mit Kindern im zweiten Lockdown | berlinmittemom.com

Was nehme ich mir aktuell vor?

Ich stelle jedes Mal beim Corona Alltagscheck fest, dass ich zwar die Faktenlage wiedergebe, aber keine konkreten Ideen oder Pläne teile, wie wir hier weiter mit allem umgehen. Das ändere ich ab heute. Ab jetzt in jedem folgenden Corona Alltagscheck wird es diesen Teil geben und die Frage: wie kommen wir weiter gut durch die Corona-Krise? Was hilft uns gegen den Corona-Blues? Was nehmen wir uns vor? Meine Antworten für heute sehen so aus:

  • Weniger Social Media/Internetkonsum. Ich bemerke den negativen Effekt auf mich gerade unwahrscheinlich stark, daher ist das die logische Konsequenz: Handy bewusster weglegen bzw ausschalten, nicht nur am Abend, sondern auch tagsüber. Ein gutes Beispiel ist mir da meine große Tochter, die seit Anfang des Schuljahres konsequent um 21h ihr Handy ausschaltet, den Laptop zuklappt und auch den Fernseher nicht mehr anschaltet. 21h ist ihr „digital sunset“, danach liest sie noch oder wir quatschen oder sie hört Musik, aber alle Bildschirme bleiben dunkel. Da habe ich mich quasi rangehängt und merke immer wieder, wie gut mir das tut.
  • Mehr Bewegung an der frischen Luft. Online-Yogakurse o.ä. sind ja schön und gut, aber nichts macht den Kopf so gut frei, wie ein Lauf im Park oder auch nur ein Spaziergang oder eine Runde mit dem Rad. Gerade jetzt, wo die letzten Goldreste des Oktobers noch überall so prächtig zu sehen sind und es noch nicht wirklich kalt ist, erfreut das mein Herz und bringt die Gedanken zur Ruhe. Das ist quasi der Trampolin-Effekt bei den Kindern.
  • Mehr Blick aufs Kleine. Ich kann die Welt nicht ändern, ich kann nur im Kleinen versuchen, meine Welt, meine Umgebung, zu einem besseren Ort zu machen. Gut zu mir zu sein, gut zu meiner Familie zu sein, aber dann auch zu meinen Freund*innen und meinen Nachbar*innen, zu den Menschen, für die ich wirklich hilfreich sein kann. Spenden, unterstützen, sichtbar machen, aussprechen, da sein, zuhören und im übertragenen Sinn meine Hand anbieten und den Platz an meinem (virtuellen) Feuer.
  • Bewusster atmen. Wirklich tief Luft holen. Die Füße fest auf die Erde stellen und den Atem ruhig und tief kommen lassen. Das beruhigt mich, wenn der Kopf verrückt spielt und die exponentiell explodierenden Infektionszahlen immer wieder durchgeht.

Und wie geht es euch?  Wie laufen Schule, Kita und Job aktuell? Was tut ihr, um weiter so gut wie möglich durch diese Zeiten zu kommen?

3 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    ich muss unbedingt auf deinen Blogeintrag reagieren, weil du es geschafft hast,meine wirren Gefühle in Worte und Form zu gießen. Gleichzeitig rührt es mich zu tiefst, dass es dir ebenso geht wie mir. Dass noch jemand in der Ambivalenz der Pandemie lebt. Ich fühle mich seltsamerweise in deinem Beitrag gespiegelt, als auch auf meine Gefühle hingewiesen, die ich täglich vergraben muss unter der Last des familiären „Normalbetriebs“. Der Alltag meiner zwei Schulkinder ( erste und siebte Klasse) bereitet mir Erleichterung und Sorge zur zugleich. Ich freue mich, wenn sie fröhlich spielen können, wenn sie außer Haus sind und mit einer gewissen Leichtigkeit nach Hause kommen können. Und wenn sie den Fuß über die Schwelle setzen, dann beginnt mein Verstand zu rasen, ich wäge ab, rechne die Wahrscheinlichkeit aus und hoffe inständig, dass wir auf der richtigen Seite der Rechnung stehen. Jede Alltagsentscheidung ist von maßgeblicher Tragweite. Mir fehlt die Leichtigkeit meine Kinder lachen zu sehen, ohne mein Stochastikwissen anzuwenden.
    So wie du, versuche ich Geborgenheit im Kleinen zu finden. Es kostet viel Kraft.

    Liebe Grüße aus Charlottenburg,
    Stephanie

  2. Wie es uns geht? Hmm. Wir sind gesund, aber gut ist anders. Ich lebe im Mittleren Westen der USA. Meine Kinder haben seit Mitte März keine Schule mehr von innen gesehen, sie werden online (älteres Kind) bzw. von uns Eltern (jüngeres Kind) beschult und waren seitdem auch in keinerlei Fremdbetreuung mehr. Gespielt wird mit denselben paar Kindern und nur im Freien und mittlerweile angesichts rapide steigender Infektionszahlen auch dies nur noch mit Masken. Es gibt schon seit dem Frühjahr kaum Freizeitangebote für Kinder mehr, außer über Zoom und zoomen tun wir schon genug.

    Wir gehen eigentlich nirgends mehr hin außer raus in die Natur bzw. einmal die Woche einkaufen. Und es wird noch sehr lange dauern, bis wir uns in Restaurants, Cafes, Museen oder Kinos wieder wohlfühlen werden oder Freunde zu uns nach Hause einzuladen werden – das letzte Mal war das im Februar der Fall. Der Mann und der Freundeskreis ist auf unbestimmte Zeit im Home Office, die lokale Uni unterrichtet bis zum Sommer online und damit, dass die öffentlichen Schulen hier in diesem Schuljahr nochmal Präsenzunterricht anbieten werden, rechnet eigentlich niemand mehr. Vielmehr richtet sich alle Hoffnung im Bekanntenkreis darauf, dass die Kinder im kommenden Herbst (!) wieder in die Schule gehen können.

    Und trotz all dieser Einschränkungen und Anstrengungen ist das Virus ist im Moment auch hier außer Kontrolle, was v.a. daran liegt, dass andere auf ihrer vermeintlichen Freiheit beharren und das Tragen von Mund-Nasen-Schutz als individuelle Wahl propagieren, statt den Kampf gegen das Virus als gemeingesellschaftliche Aufgabe zu begreifen. Anweisungen von staatlicher Seite werden bekämpft (erfolgreich eingeklagt) und so fühlt man sich wie auf einem Schiff ohne Kapitän im Sturm auf hoher See, da es keine gemeinsame, offizielle Strategie gibt, das Virus zu bekämpfen und auch keinerlei Konsens. In unserer Stadt werden durchwegs Masken getragen, andernorts, nicht weit von uns, wird das allerdings nicht so ernst genommen, tendenziell in eher republikanisch regierten Gegenden und Bundesstaaten.

    Es ist anstrengend, seit mittlerweile fast ACHT Monaten nicht nur rund um die Uhr mit der Familie zusammenzusein, sondern auch für das Wohlbefinden und die Beschulung der Kinder und den eigenen Job Verantwortung zu tragen. Ich bin etwa 20-30 Stunden pro Woche erwerbstätig, kann mir die Zeit aber oft flexibel einteilen. Und dennoch, viel belastender als das Virus ist die derzeitige politische Situation.

    Was mir hilft? Einen Schritt nach dem anderen zu tun. Sich freuen über jeden bewältigten Tag. Ehrlich gesagt sind wir oft so platt durch Job, Kinderbetreuung, -beschulung und Alltag, dass schlichtweg nicht mehr viel Zeit und Energie bleibt für anderes. Es tröstet mich zu sehen, dass es den Kindern eigentlich trotz allem recht gut zu gehen scheint. Wir genießen die großzügige Natur in unserer Umgebung. Und während ich dies tippe, denke ich, dass wir eigentlich stolz sein können auf die Kräfte, die wir entwickelt haben in den letzten Monaten, darauf, dass wir schon knapp acht Monate eigentlich ganz gut hinter uns gebracht haben. Oder, um meinen lebenserfahrenen Nachbarn zu zitieren, “Every day brings us a day closer to this being over.”

  3. Mir geht es in vielem ähnlich wie Dir: ich merke, dass ich immer empfindlicher werde. Wenn ich nur eine Spur Kratzen im Hals habe, sehe ich mich schon an Beatmungsgeräten. Dabei habe ich wirklich noch nie im Leben mit Krankheiten groß gehadert, sondern sie genommen, wie sie kamen. Ich schimpfe auf mich selbst und versuche, darüber nicht zu sprechen, um meine Familie und andere (also die wenigen, die man so trifft) nicht nervös zu machen. Jeden Abend schreibe ich meine Kontakte auf (Vorgabe der Arbeitsstelle).
    Ich finde es gut, dass mein Sohn durch die Schule Struktur hat. Und habe jeden Tag Angst, dass er als Asthmatier dort hin muss. Ich versuche, ein Attest für ihn zu bekommen und ärgere mich über die Arztpraxis, die mir schreibt, er nähme ja keine Medikamente und es gäbe ja eine Schulpflicht. Dass sie ihn seit letztem Winter gar nicht mehr gesehen haben und gar nichts wissen: geschenkt. Telefonisch kommt man nicht durch. Man soll möglichst nur in Notfällen in die Praxis kommen. Nun ja.
    Ich arbeite in einer Nachrichtenredaktion und habe den ganzen Tag mit Attentaten, Trump, Belarus, und und und zu tun. Insofern ist abschalten schwierig. Mein Mann ist schon wieder in Kurzarbeit und den ganzen Tag zu Hause. Da ist mal zur Ruhe kommen auch an freien Tagen schwierig. Ich wünschte, ich hätte einen Rückzugsraum und müsste mich mal eine Woche um nichts kümmern.
    Aber Schule fordert Eltern: erst war Probe-Homeschooling drei Tage, dann mussten wir das auswerten – wie man das wohl macht bei Teenagern als berufstätige Eltern. Jetzt ist Elternsprechtag. Per Telefon. Dann kommt Probebetrieb Schicht-Unterricht. Mein Kind hat absolut keinen Bock mehr auf diese Schule und ich rede und mache und motiviere und habe selbst absolut keinen Nerv mehr auf all die blöden Aufgaben, die dummen Arbeitsblätter, die vielen geistig unflexiblen Lehrer und wünsche mir ein anderes Schulsystem ohne diese starren Regeln, dieses „alle Kinder müssen alle zur gleichen Zeit die gleichen Antworten geben und nur eine Antwort ist die richtige“:
    Und ich vermisse Kultur. Mir reicht es nicht, zu Hause Filme zu schauen. Seit Februar war ich weder im Kino noch im Theater, in keinem Museum, keiner Ausstellung, keiner Lesung, keinem Konzert. I miss it!
    Dafür kümmere ich mich früher um den Adventskalender, die Weihnachtsgeschenke und lese viel. Und draußen sein kann man zum Glück ja auch ab und zu.
    Trotzdem: arbeiten und Schule und Haushalt und immer die gleichen Leute – ich bin es so leid. Und jeden Tag die „Corona-Zahlen“ im Radio tun ihr übriges.

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