Schon wieder wochenlange Pause – Corona und dem aktuellen Irrsinn der Welt sei Dank. Aber jetzt: Freitagslieblinge. Denn Rituale helfen, daher halte ich daran fest. Die Freitagslieblinge sind ein Ritual seit Jahren.

Mein Lieblingsbuch der Woche ist auch schon fast so etwas wie ein Ritual, zu dem ich immer zurückkehre. Es ist der neunundzwanzigste Fall von Kommissar Brunetti, dem venezianischen Polizisten aus der Feder von Donna Leon, deren Krimis ich alle gelesen habe. Nicht, weil sie alle gleich gut wären, manche sind eher durchschnittlich, andere dafür brillant. Es ist eher so, dass ich es liebe, zu den altvertrauten Figuren und ihren Gewohnheiten, ihren Stärken und Schwächen und ihren persönlichen Geschichten zurückzukehren. Ich mag es, Brunetti durch Venedig zu folgen, zu wissen, wo und wie er seinen Kaffee trinken wird und mit wem er vertrauliche persönliche Gespräche führt.  Ich mag es, zu wissen, wie er denkt und fühlt, was er gerne liest und was ihm Sorgen bereitet. Insofern ist es niemals eine Frage, ob ich die jüngste Neuerscheinung von Donna Leon kaufen werde oder nicht. Es ist nur die Frage, wie schnell nach Erscheinen des Buches ich mich in den jüngsten Brunetti-Fall vertiefe.

Lieblingsbuch der Woche: Brunettis 29. Fall | berlinmittemom.com

In diesem Krimi geht es um den Unfalltod eines Mannes und die Frage, ob es wirklich ein Unfall war. Seine Witwe, die an Krebs im Endstadium leidet, ruft Brunetti an ihr Sterbebett und setzt ihn auf die Spur ihres Mannes. Sie ist überzeugt, dass sein Tod kein Unfall war. Mit den üblichen Einsichten in Brunettis Innenleben, das Leben im echten Venedig abseits des Tourismus und allerhand allgegenwärtigen Umweltverbrechen, ist auch die neunundzwanzigste Ermittlung des venezianischen Kommissars ein Muss für Fans der Reihe.

Meine Lieblingsserie der Woche ist schwer auszumachen, denn im Augenblick schaue ich Wiederholungen und bin ganz happy damit. Gleichzeitig kommt gerade eine neue Staffel nach der anderen einiger meiner Lieblingsserien heraus und es gibt einiges Neues, auf das ich mich freue. Deshalb gibt es eine kleine Liste! Ich liebe Listen. Here we go!

Ich freue mich auf…

  • die neue Staffel von The Crown
  • die neue Staffel von The Alienist
  • die neue Staffel von Plan Coeur
  • Das Damengambit
  • Dash & Lily
  • Jingle Jangle Journey

Lauter Freitagslieblinge! Dabei fällt mir ein: wie wäre es mit einer Liste unserer Lieblingsweihnachtsfilme für Große? Für die Kleinen habe ich eine solche Weihnachtsfilme-Liste ja schon mal geschrieben, aber die Liste für große Kinder und Erwachsene ist noch offen. Wir haben gerade eine geschrieben und planen, wer hier was wann mit wem schauen will bis Weihnachten und in den Weihnachtsfeiertagen. Wie gesagt, wir lieben Listen.

Mein Lieblingsmoment der Woche war – das ganze letzte Wochenende. Wir hatten der Stadt den Rücken gekehrt (obwohl hier wohl herrliches Wetter war) und sind auf den Darß gefahren. Und wie immer ist es schon bei Ankunft so, als würde mein Atem tiefer gehen, als würde mein Herz sicherer schlagen und ich ruhiger werden. Ein Herzensort und viele Lieblingsmomente in voller Herbstschönheit.

Strandreiten in Prerow | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsessen der Woche widme ich meiner lieben Onlinefreundin Gigi von Reisefreunde und Bonappetrip, der ich diese Inspiration verdanke. Vor Jahren haben wir uns mal in ihrem Lieblingsladen getroffen, dem Muse Berlin im Winskiez, der von ihren Freunden betrieben wird. Seitdem ist mir das Muse nicht mehr aus dem Kopf gegangen und gerade jetzt zu Lockdownzeiten, wo alle Restaurants und Cafés schließen mussten, ist es mir umso wichtiger, die Orte zu unterstützen, die jetzt um ihre Existenz kämpfen. Wenn ich will, dass meine Lieblingsrestaurants noch da sind, wenn die Pandemie vorbei ist, muss ich dort Essen bestellen und abholen oder liefern lassen. Gigi hat in diesem Zusammenhang das Hashtag #takeoutthursday ins Leben gerufen und teilt damit auf Instagram Fotos der Mahlzeiten, die sie in ihren Lieblingsrestaurants geordert hat. Das hier sind Burger und Fritten aus dem Muse und sie waren nicht nur köstlich, sondern auch noch hübsch, sorgfältig und nachhaltig verpackt, kamen warm hier an und haben alle froh gemacht. Außerdem hatten wir noch ein Cuban Beef Sandwich und einen veganen Burger mit Süßkartoffelwedges. Danach sind wir kugelrund und glücklich vom Stuhl gefallen.

Support Berlin Restaurants: Muse Berlin | berlinmittemom.com

Mein Lerneffekt der Woche… Ich frage mich, ob das etwas mit meinem Alter zu tun hat und ob das etwas ist, das ich mit möglicherweise gar nicht so wenigen Menschen meines Alters teile, aber meine Erdung wird fundamentaler. Die Verbindung, die ich spüre, wird dichter. Ergibt das Sinn? Wenn ich in der Natur bin, tröstet mich sogar ihr Sterben, weil ich die Gewissheit habe, dass sie wieder aufleben wird. Dass, wenn der Winter vorbei ist, alles wieder blühen und grün werden wird und die Welt mit Leben erfüllt sein wird, vom allerkleinsten Blättchen bis zum alten Stamm. Dass die Natur alles überlebt, was wir ihr „antun“, tröstet mich. Dass wir als Menschheit ihr nicht fehlen und sie uns überwinden wird, wenn wir mal nicht mehr hier sein werden, tröstet mich. Ist das Altersdemut oder schon Religiosität? Nature is my church und so? Eigentlich spielt das keine Rolle, aber es funktioniert für mich. Ich wappne mich so für den Winter.

Haus am Meer | berlinmittemom.com

FRAGESTUNDE…

Obwohl die letzten Freitagslieblinge schon so lange zurückliegen, gibt es Fragen, die ich natürlich auch gerne beantworte.

Anni fragt, ob ich einer Erwerbsarbeit nachgehe und wenn ja, mit wie vielen Stunden in der Woche. Ich habe in den letzten Jahren mit dem Blog und meinen Social Media Kanälen Geld verdient, das hat sich in den letzten eineinhalb Jahren so ausgeschlichen und ist seit Corona quasi ganz zum Erliegen gekommen. Das ist einerseits saublöd für mich, andererseits ist es tatsächlich im Moment auch eine Erleichterung. Insofern ist die Antwort heute: nein, ich arbeite zur Zeit nicht.

Sie möchte außerdem wissen, ob meine Kinder zu Hause mithelfen müssen, was ich da von ihnen erwarte und wie sie sich einbringen. Ja, natürlich müssen sie mithelfen. Ich erwarte vor allem, dass sie für bestimmte Dinge im Familienalltag die Verantwortung übernehmen und ich sie nicht jeden Tag daran erinnern muss (was ich natürlich doch oft muss). Sie machen ihre Betten, sortieren ihre Wäsche, decken den Tisch bzw. räumen ihn ab, sind zuständig für den Geschirrspüler, den Müll und das Katzenklo, füttern den Kater, bringen Altpapier und Altglas weg, saugen ihre Zimmer und halten ihr Bad sauber. Und dann fallen natürlich die Dinge an, die nicht täglich dran sind und um die ich sie bitte wie kleine Besorgungen oder Hilfe beim Kochen. Klappt alles mal besser, mal schlechter.
Sie fragt, ob ich schon Pläne für mich habe, wenn die Kinder mich tatsächlich weniger brauchen. Tatsächlich keine konkreten, so wie Reisen oder irgend etwas, was ich immer schon machen wollte oder so. Ich denke, das wird sich alles ergeben. Und ganz ehrlich, man weiß nie, wie es im Leben kommt. Ich bin seit fast 18 Jahren Mutter und fühle mich nicht weniger gebraucht, als zu Anfang dieser Zeit, nur anders.

Nature is my church | berlinmittemom.com

Und ihre letzte Frage gilt den Freiräumen: wofür ich sie nutze, ob ich sie aktiv schaffen muss oder ob andere hier im Zusammenleben sie mir bewusst zur Verfügung stellen. Ja, ich muss meine Freiräume aktiv schaffen. Wenn ich sie nicht verlange, bekomme ich sie auch nicht. Das fällt mir übrigens gar nicht immer so leicht, weil ich fast immer das Gefühl habe, mit meinen Dingen nicht „fertig“ zu sein oder noch etwas auf der täglichen To Do-Liste nicht abgehakt ist. Wenn ich mir Zeit für mich schaffe, verbringe ich sie gerne draußen (Spaziergänge, Radfahren, im Café draußen sitzen…) oder ich lese wie verrückt. Außerdem schaffe ich mir bewusst Zeit, um sie mit Freundinnen zu verbringen: gemeinsam einen schönen Abend erleben, fürs Wochenende wegfahren, ausgehen, wellnessen, mal einen Wein trinken, auf Konzerte oder ins Theater gehen… da gibt es viele Varianten. Das kommt leider dieses Jahr alles viel zu kurz und fehlt mir sehr. Aber es kommen auch wieder andere Zeiten.

Heute in 14 Tagen beantworte ich wieder eure Fragen, bis dahin könnt ihr hier in den Kommentaren neue Fragen stellen, wenn ihr möchtet. Ich freue mich drauf.

Damit ist diese Edition der Freitagslieblinge vollständig und ich hoffe, ihr seid alle noch da. Bockt grad ein bisschen, dieses Schreiben, aber ich bin dran. Da meine liebste Weihnachtszeit vor der Tür steht, kommt hier auch bald wieder Plätzchencontent und Weihnachtsbücher. Ohne diese beiden Themen kein Advent bei mir.

Passt auf euch auf!

 

6 Kommentare

  1. Da schau ich vorbei, ob ich Freitagslieblinge finde und tatsächlich sind sie da. Dankeschön.

    Eine Liste für Weihnachtsfilme für Erwachsene fände ich sehr schön.
    Für mich gehört an erster Stelle
    Tatsächlich…. Liebe

    Durch meine Fuß OP habe ich gerade auch mehr Zeit über. Damengambit steht auch auf der Liste.

    Wenn ich deine bestellten Burger sehr, wünschte ich mir, ich würde auch in der Stadt wohnen und hätte eine größere Auswahl für Essensbestellung en.

    Mich würde interessieren, wie es euch momentan mit den Einschränkungen geht
    Wärst du für härtere Massnahmen, zb fast gar keine Kontakte mehr, Schulschließungen usw
    Ich hab eine Tochter im Abschlussjahr. Am meisten stört mich eigentlich der stets überfüllte Zug und dass hier nicht gehandelt wird.
    Überhaupt habe ich oft einen richtigen Blues.

    Habt ihr Weihnachtspläne (ob man sie umsetzen kann ist ja fraglich)
    Wir feiern Heiligabend immer mit meiner Mama und den Schwiegereltern. Meine Mama ist früh Witwe geworden und ich fände es schrecklich, dieses schöne Ritual aufgeben zu müssen.

    Schönes Wochenende

    Tany

    • Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen!
      Und ja eine Weihnachtsfilmliste wäre toll! Ich hab mir dieses Jahr einen Satz richtig schöne kitschige Weihnachtsromane bestellt ;-) Mir ist so danach!
      Viele Grüße von Anni

  2. Hallo liebe Anna,
    In deinem Podcast hast du letztens gesagt, dass deine Große nun schon bald 18 wird. Wie geht es dir damit, bald ein erwachsenes Kind zu haben? Ich hab zwar nur noch 4 Jahre bei der großen und kann mir im Moment nicht vorstellen, dass sie in ein paar Jahren schon „erwachsen“ sein soll..wie waren die Jahre zwischen 14 und 18 mit dem ganzen Pubertätsgedöns? Gab es Momente wo du Angst um sie hattest? Wo sie Grenzen überschritten hat, im Verhalten oder Tun (Sich abgeschottet, nicht für dich erreichbar war oder sonst wie schwierig? ) Und wie hast du reagiert? Wie sind die beiden Jüngeren so, am Anfang der Pubertät?

    Deine Listen interessieren mich. Ich mag Listen auch. Was hast du so für Listen? Wie dokumentiert du sie? Digital am Handy oder hängen überall Zettel am Kühlschrank? Wo dokumentierst du alles was bezüglich der Familie getan werden muss? Geschenke, Klamotten, Schulsachen, Erledigungen etc…

    Und: dein Mann ist ja jetzt viel im Homeoffice hast du gesagt. Habt ihr jetzt eine andere Aufteilung bei der Hausarbeit und allen Erledigungen? Leidiges Thema ich weiß..ich arbeite jetzt z.B. 5 Stunden mehr (20), während mein Mann 5 Stunden reduziert hat (35). Leider bleibt alles beim Alten..wenn er zwei Nachmittage die Kinder hütet (hab noch drei Kleine), dann macht er natürlich nicht wie erhofft einen Teil der Hausarbeit nebenbei. Wie geht’s dir damit, dass du hauptsächlich für den Haushalt und Kinder zuständig bist? Hast du es dir immer so vorgestellt?
    Ich hadere damit, dass es einfach nicht gleichberechtigter wird und das traditionelle sich automatisch etabliert hat. Trotz meinem Beruf ausserhalb.
    Alles Liebe für dich und deine Familie aus Bayern

  3. Hallo, ich finde das immer total irre, wie viele Serien Du so guckst. Ich sitz den ganzen Tag vorm Computer und abends hab ich dann einfach keine Lust mehr auf flimmernde Bildschirme. Ich halte selten überhaupt mal einen Film durch. Aber wir haben auch keinen dieser ganzen Streaming-Anbieter, da denkt man dann vielleicht auch gar nicht so viel an Serien und so was.
    Wir schauen Weihnachten immer den kleinen Lord und die Haselnüsse für Aschenputtel und mir reicht das an Weihnachtsfilmen. Insofern fände ich eine Liste interessant, vielleicht brech ich mal mit Routinen und schau was Neues.
    Mich würde aber was ganz anderes interessieren: Du erwähnst ja manchmal en passant den Sport im Park und den machst Du jetzt ja auch schon eine ganze Zeit. Hat sich für Dich dadurch was verändert? Also, dass Du Dir körperlich mehr zutraust? Überhaupt mehr Lust auf Bewegung hast? Hat das positive körperliche Auswirkungen (sicher!) und wenn ja, wo merkst Du das besonders?
    Ich hasse Laufen, aber tue es dreimal pro Woche, seit alles andere zu hat. Und ich bin jedes Mal froh, wenn ich mich überwunden habe und draußen war. Im Sommer geh ich lieber schwimmen und verliere dann immer ein bisschen die Lauf-Kondition- jetzt kommt sie gerade wieder und ich finde das ein tolles Gefühl. Was macht das mit Dir?

  4. Huhu Anna,
    wie schön mal wieder die Freitagslieblinge zu lesen! Dankeschön

    Meine „Erwachsenen-Weihnachtsfilme“ sind:
    – Die Gremlins Teil 1
    – Stirb Langsam Teil 1
    und natürlich die etwas familienfreundlicheren Filme:
    – Schöne Bescherung (mit dem großartigen Chevy Chase)
    – Kevin allein zu Haus Teil 1 und 2

    Das sind quasi Filme meiner Jugend und ich schaue sie immer wieder gern!

    Relativ neu und auch richtig toll ist noch
    – Last Christmas (mit Emilia Clarke)

    Und Netflix hat inzwischen ja auch sehr schöne Weihnachtsproduktionen.

  5. Liebe Anna!

    Als ich in dieser Woche in der Dämmerung nach Hause radelte, sah ich den Mond am Himmel stehen. Er war riesengroß und sichelförmig. Die Sichel strahlte sehr hell. Den Rest der Kugel konnte man auch erahnen. Das war wieder so ein besonderer Moment, den ich, wie Du, als sehr tröstlich empfand.

    Die Natur war schon immer da und wird immer da sein. In ihrer ganz eigenen Form. Wir sind für einen winzigen Bruchteil von Zeit Gast auf dieser Erde. Das macht mich sentimental. Und manchmal auch traurig.

    Sollten wir dann nicht die Zeit bestmöglich nutzen? Hilfsbereit sein und freundlich zueinander? Uns die Zeit, die wir gemeinsam auf diesem Planeten verbringen, schön machen? Stattdessen, ach… Du kennst ja die Herausforderungen im Großen wie im Kleinen. Gerade im Moment habe ich damit zu kämpfen, die Hoffnung nicht zu verlieren.

    Und dann weiß ich, da sind Menschen wie Du, die ein Licht für alle in ihrem Umfeld sind und freue mich, Dich zu kennen. Ich umarme Dich aus der Ferne. Und ja, das ist eine Liebeserklärung :-)

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