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„im spiel wärst du jetzt mal, meine mutter, okay mama?“

Jetzt weiß ich es. Ich weiß wieder ganz genau, warum ich überhaupt angefangen habe, zu bloggen. Es ist nicht nur die Idee gewesen, ein paar Alltagsbeobachtungen und Dinge aus meinem Leben (mit) zu teilen. Nein, es war vielmehr auch die Verzweiflung. Der Wunsch danach, ein Ventil zu haben, mich schreibend der Dinge zu entledigen, die mich am Schreiben hindern: all die kleinen, schönen und schrecklichen Fallen, die mich davon abhalten, konzentriert an Dingen zu arbeiten.

So wie jetzt. Ich sitze seit mehr oder weniger zwei Stunden auf dem Balkon und habe mein Macbook vor mir. Aufgeklappt. Word-Datei offen. Auftrag völlig klar. Schreiben. Der Brunnen geht um 13h aus, es ist also ruhig, das kleinste Kind ist im Bett, die Große turnt an der Reckstange und der Bub ist in ein Comic vertieft. Soweit so gut. Aber dann gehts los: die Große bringt mir ihren Rucksack, ich möchte doch bitte kontrollieren, ob sie alles fürs Schwimmen eingepackt hätte, denn um 14h müsste sie bei Freundin Greta sein und dann ginge es los. Okay, mach ich. Dann steht sie wieder da: es könne doch ganz sinnvoll sein, noch etwas zu essen, bevor es zum Schwimmen ginge, dann habe sie mehr Kraft. Auch okay, also macht sie sich, assistiert von mir, einen Teller mit Resten vom Grillen zurecht und setzt sich – auf den Balkon. Mein Laptop stört und wird kurzerhand beiseite geschoben. Der Bub erspäht den gefüllten Teller seiner Schwester und es fällt ihm natürlich ein, dass er auch sofort Hunger habe. Allerdings nicht auf Grillreste und Nudelsalat, nein, ein Joghurt soll es sein. Und wenn man nur 1,09m lang ist, kann man den nicht alleine aus dem Kühlschrank holen. Also bin ich wieder unterwegs. Inzwischen hat mein Laptop keinen Saft mehr, ich räume meine Sachen vom Balkontisch und hänge den Rechner an den Strom. Mann und großes Kind brechen auf gen Freundin Greta und Schwimmausflug. Der Bub kriegt Abschiedsschmerz und muss auf den Schoß. Mit Joghurtschnute. Dann fällt ihm ein, er würde einen Besuch bei den Mädchen gegenüber machen und zieht los. Inzwischen ist es 14h und ich muss die Kleinste aus dem Bett pellen, wenn ich nicht möchte, dass sie abends gar nicht mehr einschlafen kann. Wie immer ist sie kuschelig und verschlafen, und bis ich sie geweckt und angezogen habe, ist es 14:20. Sie hat natürlich auch Hunger. Also sitzen wir wieder auf dem Balkon, sie isst das Joghurt ihres Bruders und dazu Grillreste. Lecker. Der Vater der Kinder tut es ihr gleich. Kein Platz mehr für meine Sachen, alles wandert in meinen „Schreibkorb“, in dem ich Notizen und Bücher und Hefte sammele, damit ich alles schnell überall hin mitnehmen und  überall schreiben kann. Theoretisch. Nagut. Ich esse auch etwas und räume alles wieder weg. Spülmaschine an, Kaffeemaschine an. Der Vater der Kinder setzt sich mit den Worten nach drinnen, er habe zu arbeiten (!) und kabelt mein Macbook vom Strom ab. Das einzige Stromkabel in Reichweite ist jetzt also auch weg. Nun denn, da das kleinste Kind mich jetzt in ein philosophisches Gespräch verwickelt („Mama, wir wollen doch leben, oder? Wir wollen nicht sterben! Aber das Leben gehört zum Tod, oder?“ Uff!), bin ich ohnehin nicht in der Verfassung, mich auf mein Exposé zu konzentrieren. Nachdem wir das kurz abgehandelt haben, zieht sie ebenfalls nach gegenüber los, um ihren „lieben Bruder “ zu finden, und ich streife durchs Haus auf der Suche nach einem zweiten Stromkabel. Optimistisch packe ich meine Tasche wieder aus und kabele das Macbook wieder an: auf dem Balkon. Kaum sitze ich und habe drei Sätze getippt (die ich hinterher wieder löschen werde), tauchen Brüderchen und Schwesterchen wieder auf mit dem Ansinnen, auf dem Spielhäuschen ein Picknick machen zu wollen. Mit Schokoladenkuchen. Detektivkuchen von Samstag, Mama! Und mit ihren zwei gleichen Trinkbechern. Und was zu lesen. Allet klar. Wir bereiten also gemeinsam ein Picknick vor, ich beklatsche die Kletterkünste vom Sohn und helfe dem Kleinchen die Leiter hinauf. Zurück auf den Balkon, kurzes Verharren und verliebtes Betrachten der picknickenden Kinder. Word-Dokument wieder auf, drei Sätze getippt… „Mama, hilfst du mir wieder runter? Ich habe meine Sonnenbrille bei Romy vergessen…!“ Die Spülmaschine ist fertig und piept. Die Kaffeemaschine schaltet sich lautstark wieder aus. Ohne, dass ich einen Kaffee getrunken hätte. Küchengeräteterror. So. Und so wird es weitergehen, so ist es immer, immer. Ich kann einfach immer nur stoisch dieselben Dinge wiederholen, meine eigenen und die der Kinder.

Gerade nähert sich mein Sohn  mit seinem neuen Schnitzmesser und ruft mir zu, ich wäre „im Spiel jetzt mal kurz seine Mutter, okay?“ Und mein Spielsohn will ein zweites Schnitzmesser. Das seiner großen Schwester. Er braucht dringend mal beide. Für ein Experiment, Mama. Das Einzige, was ich schreibend tun kann, um mich darüber hinweg zu trösten, dass ich nicht zum SCHREIBEN komme, ist bloggen. Ich habe alles andere schon versucht: Regeln aufstellen, erklären, Kinder von weitem ermahnen und zur Selbständigkeit anhalten, um Verständnis für mich werben (ha!), ausflippen und rumschreien, völlig sinnlose Sachen von mir geben, in der Hoffnung, irgend einem käme das mal merkwürdig vor…. Es hilft nix. Ich muss also bloggen, um zu verkraften, dass ich mein Exposé immer noch nicht fertig habe. Und auch nicht fertig kriege, solange ich zwischendurch Pflaster auf Wunden kleben , Kaugummi aus Zöpfen polken, Schuhe an- und ausziehen, Frischkäse auf Brote schmieren und Sand aus Unterhosen schütteln muss. Eines Tages krieg ich auch mal alles durcheinander. Vielleicht merken meine Kinder was, wenn ich anfange Frischkäse auf Zöpfe zu schmieren oder Kaugummis auf aufgeschürfte Knie zu kleben.

Wahrscheinlich sollte ich es einfach machen, wie die Kids:  ab und zu mal ein Picknick auf dem Spielhäuschen, mit Detektivkuchen, Lieblingsbecher und Ducktales-Comic. Und wenn mich einer ruft, sage ich, ich komme alleine nicht mehr runter.

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