Fast zwei Tage zu spät kommt hier der dritte Titel aus einer laaaangen Lieblingsliste mit Büchern für die virtuelle Lesehöhle, heute wieder ein Bilderbuch und diesmal eins, was eigentlich von der Thematik und der Aufmachung her nahelegt, es sei ein Jungsbuch. Eigentlich. Denn obwohl es sich um ein Piratenbuch handelt, ist die Helden in Mädchen. Molly. Und was für eine Heldin sie ist….!

Die Rede ist von Cornelia Funkes grandioser Geschichte von „Käptn Knitterbart und seiner Bande“.

Cover

Das Buch ist eigentlich schon ein Klassiker, jedenfalls bei uns zu Hause. Ich habe es angeschafft als meine große Tochter 4 war, wir besitzen es also seit 5 Jahren und drei Kindern und es ist immer noch der Hit. Die Geschichte von der kleinen Molly, die vom fiesen Käpten Knitterbart und seiner Bande (bestehend aus so wunderbaren Figuren wie Harald, die Holzhand und dem Kahlen Knud) auf sein Piratenschiff, die Stinkende Sardine, entführt wird, ist alles andere als ein gewöhnliches Piratenabenteuer. Nicht nur ist Molly furchtlos und frech und lässt sich nicht einschüchtern oder dazu bewegen, Namen und Adresse ihrer Eltern preiszugeben. Auch ist die wunderbare Wendung am Ende der Geschichte einfach fabelhaft: nachdem Molly standhaft geschwiegen hat und zur Strafe grässliche Arbeiten für die Piraten verrichten musste, erscheint eines Tages am Horizont ein rotes Segel und alle Piraten werden blass, als sie erkennen, wer da auf sie zukommt. Es ist die berüchtigte Piratin, die Wilde Berta. Und die ist niemand anders als Mollys Mutter. Mollys Rache wird also grandios und die Strafe für die Piraten von der Stinkenden Sardine ist gerecht.

Mir hat schon immer gefallen, wie hier die Rollen vertauscht und die Mädchen- und Frauenfiguren dargestellt werden. Das gibt den kleinen (und größeren) Mädchen mal die Möglichkeit, sich mit einer anderen Art Figur zu identifizieren, als immer nur mit Lillifees und anderem rosa Plüschkram. Solche gibt es zur Genüge. Hier dagegen gibt es ein mutiges, selbständiges Mädchen mit einer ebensolchen Mutter, die spielend ohne Prinzen und Retter klarkommen, sogar besser als der wildeste Pirat. Bei Cornelia Funke findet man zum Glück mehr solche Mädchenfiguren, mit einer der Gründe, warum ich sie als Kinderbuchautorin so schätze. Und, trotz aller mutigen und gefährlichen Mädchen- und Frauenfiguren: mein Sohn hat das Buch nicht weniger geliebt, als seine Schwestern.

Von Käptn Knitterbart gibt es übrigens auch einen zweiten Band, der hier genauso geliebt wird, wie der erste, Käptn Knitterbart auf der Schatzinsel. Und eine CD, auf der die Geschichten aufgesprochen sind, ebenfalls sehr gelungen.

Was ich an diesem Buch außerdem so mag, sind die großartigen Illustrationen von Kerstin Meyer. Obwohl sie zum Teil comicartig sind, was mir auf den ersten Blick gar nicht so gefallen hat, entfalten sie eine große Ausdruckskraft. Manches erinnert mich an den wunderbaren Tomi Ungerer. Es gibt noch mehrere Bilderbücher, die Funke und Meyer gemeinsam gemacht haben und sie sind allesamt mehr als geglückt.  Ich glaube, das hier wird nicht das letzte in meiner Lesehöhle sein.

Käptn Knitterbart eignet sich für Jungs wie Mädchen, für Kinder ab ca. 3 aber auch sehr gut für Ältere und es lässt sich ganz wunderbar vorlesen. Von mir die volle Punktzahl!

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