Gute Vorsätze fürs neue Jahr? Da bin ich raus. Ich habe mit dem Älterwerden Jahr für Jahr festgestellt, dass mich Neujahrsvorsätze eher belasten als beflügeln.

Stattdessen hat sich für mich in den letzten Jahren eine andere Jahreswechseltradition ergeben, eine mit Blick zurück statt in die Zukunft. Eine, mit der ich mir mehr Raum lasse für Entwicklung und auch für ein individuelles Tempo dabei, statt mich an einer weiteren To Do-Liste zu orientieren. Das macht mir Druck und lässt mir schnell die Luft raus.

Was mache ich also, statt Neujahrsvorsätze zu fassen?

Es ist der Blick zurück, den ich bewusst praktiziere. Ich fokussiere mich auf das Jahr, das ich verlasse und belade weniger das neue Jahr mit neuen Aufgaben, die ich mir stelle. Ich bemühe mich, mit Dankbarkeit und Selbstreflexion auf das vergangene Jahr zu blicken. Was mochte ich? Was hatte ich zu geben? Was hat mir gut getan? Was habe ich gut geschafft? Bin ich gewachsen? Woran? Wofür bin ich dankbar? Was war meine stärkste Kraft?

All diese Fragen helfen mir dabei, das alte Jahr gut loszulassen. Wenn es geht: ein Abschied in Liebe, ohne Bitterkeit und Zorn. Wenn ich das hinkriege, öffnet sich mein Herz und mein Kopf für ein neues Jahr mit all den Herausforderungen und Aufgaben, die es mir ohnehin bringen wird. Weil das Leben nun mal so ist. Es würfelt uns immer neue Anforderungen und Aufgaben vor die Füße, ob wir nun danach fragen, oder nicht. Ganz ohne, dass wir uns dafür eine Liste mit Vorsätzen schreiben.

Natürlich gibt es dennoch wiederkehrende Themen, für die ich immer aufs Neue Energie und Aufmerksamkeit brauche. Die bringen sich ganz von selbst fortwährend zur Geltung. Aber ich erwarte nicht (mehr) von mir selbst, dass ich diese Themen auf magische Weise per Neujahrsvorsatz lösen werde. Ich bin gütiger zu mir selbst, ich geißele mich nicht mehr für mein “Versagen”, wenn ich feststelle, dass ich immer wieder mit denselben Aspekten zu kämpfen habe in meinem Leben, egal, welches Jahr gerade ist.

Das versuche ich auch, meinen Kindern zu vermitteln. Dass sie die Gött*innen ihres eigenen Schicksals sind. Dass es dort nichts zu gewinnen oder zu verlieren gibt, weil es nämlich um ihr persönliches Glück geht. Und das ist für jeden etwas anderes. Es ist individuell und kommt in verschiedenen Formen und Größen. Es hängt nicht davon ab, ob sie es im neuen Jahr schaffen, Sport XY durchzuziehen oder Notendurchschnitt YZ zu erreichen oder was auch immer sie sich als Maßstab setzen wollen. Sondern davon, ob sie am Ende eines Jahres zurückblicken und sagen können: ja, das war in Ordnung. Das habe ich gut gemacht. Ich war gut zu mir und zu anderen. Ich hatte Freude bei vielem, was ich gemacht habe. Ich konnte dankbar sein und großzügig und liebevoll, nicht nur zu anderen, sondern auch zu mir selbst. Ich bin okay. Ich war es dieses Jahr und letztes Jahr und werde es im neuen Jahr wieder sein.

Genau auf diese Weise lassen wir das Alte los und winken ihm hinterher, in Dankbarkeit und Liebe. Und wenden uns einem neuen zu, in der Hoffnung, dass wir es gut machen werden.

Mit dieser kleinen eigenen Tradition verabschiede ich den Blog und euch in ein neues Jahr. Und wünsche euch Geduld und Großzügigkeit mit euch selbst, mit anderen Menschen, mit der Welt. Vergessen wir nicht, dass wir nur einmal dieses Leben leben und unsere Welt gestalten können. Passen wir aufeinander und auf uns selbst gut auf.

Bye 2021. Hello, 2022.

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