Seit Tagen, nein, seit Wochen denke ich übers Bloggen nach. Also nicht übers Bloggen an sich, sondern darüber, selbst zu bloggen. Eigentlich ist es ohnehin so, dass ich ständig in „posts“ denke, bei fast allem, was mir täglich so begegnet: im Alltag mit drei Kindern und allem, was dazu gehört, SchuleKitaSpielplatz, einem (großen) Haus mit (kleinem) Garten mitten in Berlin, einem beruflich sehr engagierten Mann und meinem Schreibtisch, ganz oben im Haus, der manchmal so unendlich weit weg von mir zu sein scheint und wo mein Buchprojekt auf mich wartet. Tag und Nacht. Und während ich versuche, meinem Mutter-Alltag mit meinen einfallsreichen Kindern gelassen zu meistern, schreibt es in meinem Kopf beständig.

Es gibt Tage, da erreiche ich meinen Schreibtisch gar nicht erst. Ich komme gar nicht bis oben hin im Haus, weil auf dem Weg dorthin meine Kinder wohnen. Und diese Kinder stellen mir Fallen in mannigfaltiger Form. Sie zanken oder bauen Höhlen und haben im Bad mit Wasserfarbe eine Riesensauerei angerichtet, sie haben eine alte Dose Penatencreme gefunden und damit Schminken gespielt, sie brauchen dringend Hilfe beim Schuhe binden, sie können jetzt Purzelbaum, wirklich Mama, und der muss sofort vorgeführt werden, sie machen Pipi in die Hosen und schneiden sich gegenseitig mit der Bastelschere die Haare, kurz: sie sind da. Sie wohnen bei mir, diese drolligen kleinen Menschen mit den vielen Einfällen. Und mittels dieser Einfälle zwingen sie mich permanent, mich ihnen vollständig zu widmen, egal, wie mein Plan auch immer sein mag. Zu jeder Zeit. Fallen.

Ich trage oft völlig sinnlos mein Notizbuch mit mir herum in Haus und Garten und schreibe den ganzen Tag kein einziges Wort hinein, weil es einfach keinen Moment gibt, in dem ich das tatsächlich tun könnte. Stattdessen setze ich kurze, teils sarkastische, teils komische, teils verzweifelte Facebook-Status-Updates ab, die meinen Daseinszustand als schreibende Mutter abbilden. Mein Iphone passt nämlich, im Gegensatz zu Stift und Notizbuch, in fast jede meiner Hosentaschen und erlaubt mir auf diese Weise, dem schreibenden Ich, das oft irgendwo tief in meinem Mutter-Dasein vergraben ist (unter einem Berg Dreckwäsche beispielsweise), einen Platz einzuräumen. Wenn es schon nicht am Schreibtisch ist. Zwischen Playmobil-Figuren und Schleich-Drachen. Auch wenn es nur für ein paar Sätze in Facebook ist.

Jetzt hat mein Schreiberinnen-Ich sich diesen Blog erkämpft. Mit ein bisschen mehr (Frei-)Raum, als nur für Status-Updates. Und die Mutter in mir wird das, multitaskingmäßig wie Mütter nun mal sind, mit dem verbinden, was meinen ganzen Tag bestimmt, jeden meiner Tage: mein Leben mit meinen Kindern.

6 Kommentare

  1. martina van Middelaar Antworten

    mir gefällt schon der erste Text…..ach wie beneide ich Dich um dieses Können :)

  2. Herzlichen Glückwunsch -es liest sich wunderbar! Bin ganz neugierig, wohin dich das Projekt tragen wird. Eine etwas spontanere Art der Morgenseiten ;-) liebste Grüße und viel Erfog – möge die Magie des Schreibens sich ihren Weg durchs Netz bahnen.

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