We’re back at it. Woche zwei. Nicht, dass es jemals wirklich weg gewesen wäre – Homeschooling in einer weltweiten Pandemie, Homeschooling in Zeiten von Corona. Ein Nebeneffekt von Covid19, der auf nicht unerhebliche Art und Weise unser Leben beeinflusst, nein, es eigentlich auf den Kopf stellt. Schon im Frühjahr habe ich ein bisschen beschrieben, wie das Homeschooling hier so läuft, seitdem konntet ihr in meinen unregelmäßigen Updates, den Corona-Alltagschecks nachlesen, wie wir so mit der Pandemie umgehen. Doch jetzt, im taufrischen Jahr 2021, haben sich die Dinge wiederum zugespitzt.

Homeschooling in Zeiten von Corona: Alle zurück auf Start!

Es gibt viele Dinge, die sich nicht geändert haben. Die Kultusministerkonferenz ist beispielsweise nach wie vor das bräsigste Gremium, das unser politisches System so zu bieten hat. Die Ministerpräsident*innen profilieren sich noch immer zugunsten ihrer politischen Karrieren und im Sinne eines vermeintlichen Machterhalts – und im Zweifel eben zu Lasten der Gesundheit der Bevölkerung. Außerdem kann von einheitlichen Regelungen auf Bundesebene nicht die Rede sein, egal, um was es geht.

Homeschooling in Zeiten von Corona | berlinmittemom.com

Distance Learning: Was hat sich verändert seit März?

Und was sich ebenfalls nicht geändert hat: die Verantwortung für die Beschulung der Kinder liegt offenbar nach wie vor voll bei uns, den Eltern. Ich will mich darüber gar nicht beschweren, wir kommen damit hier ganz gut klar. Aber wir haben einige strukturelle Vorteile, die uns auch jetzt das Leben leichter machen, als anderen.

Wir haben Platz, jedes Kind hat inzwischen – genauer gesagt, seit der ersten Periode unerwarteter Heimbeschulung im März 2020 – ein eigenes Endgerät (wir konnten abgelegte Firmennotebooks für die Minions recyclen, die Große hatte bereits ihr eigenes Laptop), jedes Kind hat ein eigenes Zimmer, wo es ungestört arbeiten kann und umgekehrt ebenfalls niemanden beim Arbeiten stört. Der Mann kann Homeoffice machen und konnte alle Reisetätigkeit bereits im März komplett einstellen. Meine Tätigkeiten finden ohnehin zu Hause statt. Die Schule der Minions ist, was digitalen Unterricht angeht, blitzschnell am Start gewesen und hat inzwischen ein reibungslos funktionierendes System für Online-Unterricht aufgesetzt. Dort sind die Lehrer*innen motiviert, zugewandt und kreativ. Und was bei der Großen auf der Technikseite nicht gut läuft oder wo es bei den Lehrkräften an Innovationswillen mangelt, macht sie durch selbständiges Arbeiten wett, sowohl für sich als auch gut vernetzt mit Freund*innen im engen virtuellen Austausch. Wir haben also Glück.

Homeschooling in Zeiten von Corona | berlinmittemom.com

Dennoch sind die Herausforderungen vielfältig. Der Unterschied zum ersten Versuch des Homeschooling in Zeiten von Corona im März, ist nicht nur in einer gewissen Isolationsmüdigkeit bei uns allen zu spüren; es fehlt auch der aufkeimende Frühling, die Sonne, das viele Licht und die dadurch größere Lust, nach draußen zu gehen und uns zu bewegen. Die Kinder sind da gerade sehr schwer zu motivieren. Und die Tatsache, dass sich auf politischer Ebene nichts getan hat, dass wirklich so gut wie niemand neue Konzepte für Hybridbeschulung umsetzt oder wenigstens testet, dass außer „Maske auf und Lüften“ keine Maßnahmen für die Sicherheit in Schulen ergriffen werden – all das hebt nicht gerade die Moral.

Außerdem ist uns die Lust abhanden gekommen, irgend etwas zusätzlich zu m a c h e n. Wo wir im Frühling zwischen den Lernblöcken neue Draußenspiele ausprobiert haben und jede Woche ein neues Rezept gebacken wurde, ist jetzt der Anteil der am Bildschirm verbrachte Freizeit hochgeschnellt. Es wird viel Netflix konsumiert, der Sohn zockt viel mehr als im Frühjahr online und mit Kumpels, die Kleine chattet unfassbar viel mehr mit ihren Freundinnen – und wer könnte es ihnen verdenken?

Homeschooling und Heimkino | berlinmittemom.com

Ich versuche dennoch, mir Dinge einfallen zu lassen und immer wieder auszuprobieren, was uns allen hilft, uns nicht allzu sehr auf den Zeiger zu gehen und gut durch diese Zeit zu kommen. Homeschooling in Zeiten von Corona betrifft ja nicht nur das Distance Learning der Kinder, bei dem wir Eltern oft als Tröster*innen, Hilfslehrer*innen und Motivator*innen gefragt sind. Es geht ja auch darum, was wir drumherum tun können, um das Familienleben sich leichter anfühlen zu lassen. Denn „Homeschooling“ ist ja nicht Homeschooling, wie es in Ländern ohne Präsenzschulpflicht schon immer praktiziert wird. Es beschreibt vielmehr die Situation, dass alle zu Hause arbeiten, lernen, ihre Freizeit dort verbringen und ansonsten die sozialen Kontakte massiv eingeschränkt sind.

Was uns hilft, den Kopf über Wasser zu behalten

Routinen retten uns

Immer gleiche Abläufe geben uns Sicherheit. Insofern hilft es tatsächlich, dass die Online Sessions der Kinder immerhin in festen Wochenplänen verfügbar sind. Die Schule schickt sie durch, wir drucken sie aus und orientieren uns alle daran. So haben wir zwar andere Aufstehzeiten als normalerweise, aber sie sind jeden Tag gleich.

Der Mann steht um 6:30h auf, macht Sport und meditiert, mein Wecker und der der Kinder klingelt um 7:15h. Dann bummeln alle hintereinander durchs Bad, um 8h gibt’s Frühstück für die Jüngeren. Noch schnell Zähneputzen, jede*r macht sein/ihr Bett, und um 8:30h sitzen sie in ihren Zimmern am Schreibtisch für das erste Login in ihren virtuellen Klassenzimmern. Normalerweise hat der Mann schon seit spätestens um 8h den Knopf im Ohr und telefonkonferenzt sich durch den Tag. Die Große hat nicht so festgelegte Zeiten, aber auch sie sitzt spätestens um 9h vor ihren Aufgaben.

Etwa um 10h machen die Minions eine kurze Pause, dann stromern sie in die Küche und snacken ein bisschen Obst oder Joghurt mit Haferflocken oder Müsli, spätestens 10:30h geht es weiter. Für die Große und mich gibt’s dann einen zweiten Kaffee oder Tee, dann arbeiten alle nochmal bis 12h oder 12:30h.

Nach der Mittagspause, wo wir alle zusammen essen, geht der Online-Unterricht weiter. Der Bub hat bis 15h Schule, das Goldkind bis 15:30 – dafür ist ihre Mittagspause eine halbe Stunde länger. Die Große macht manchmal noch Aufgaben darüber hinaus. Nach 16h versuche ich, die Minions nach draußen zu scheuchen, ihnen Basketballspielen oder das Trampolin schmackhaft zu machen. Bei der aktuellen Wetterlage ist das allerdings allzu oft nicht von Erfolg gekrönt. Verständlicherweise.

Am Abend essen wir wieder alle zusammen. Ich versuche, es uns schön zu machen. Wir planen und kochen leckere Dinge, decken den Tisch sorgfältig, machen Fußbodenpicknicke, Themenessen und tun Eiswürfel in unsere Gläser.

Lockerlassen, Mama

Es fällt mir schwer, aber ich versuche, an ganz vielen Stellen locker zu lassen. Es gibt hier also gerade zwar Routinen und auch feste Regeln im Miteinander, dafür versuche ich bewusst, außerhalb von Homeschooling den Dingen einfach mehr ihren Lauf zu lassen.

Fußbodenpicknick á la Berlinmittemom | berlinmittemom.com

Die Kinder schlafen beispielsweise zur Zeit wild durcheinander, soll heißen, immer zu mehreren und abwechselnd in verschiedene Zimmern. Eigentlich wird alle paar Tage hier woanders ein Matratzenlager aufgeschlagen, das ist ein bisschen wie Klassenfahrt. Und ja, es nervt mich immer mal und es bedeutet Unordnung und Unruhe. Aber es macht sie glücklich, also was soll sein? Ich lasse sie machen, Onlineschule hin oder her.

Außerdem sage ich gerade fast immer „ja“ zu den Wünschen nach Nachtisch oder gezuckerten Getränken, was es hier sonst einfach so nicht gibt. Ich mache bereitwillig Bananenmilch und Smoothies mit Eis drin, obwohl ich das sonst nicht einfach so mache. Es gibt Waffelbacksessions mit dem Goldkind mitten in der Woche und auch an zwei Tagen hintereinander. Weil es die Stimmung hebt und allein der Geruch nach frischgebackenen Waffeln alle fröhlich macht.

Ich lasse die Kids abends länger lesen, sie haben mehr Zockzeit auf der Spielkonsole, jeder einzeln und alle zusammen. Sie schauen auch in der Mittagspause gemeinsam eine Folge ihrer Serie und dürfen währenddessen essen, was hier überhaupt nicht der Norm entspricht. Wir machen Fußbodenpicknick und versuchen, es uns bei diesen kleinen Alltagsdingen schön und anders zu machen, als sonst.

Wenn ich jetzt zu so vielen anderen Dingen „nein“ sagen muss, versuche ich an anderen Stellen, bewusst lockerer zu sein.

Kleine Dankbarkeitspraxis für alle

We’re in this together, das liest und hört man allenthalben. Wir sind aber nun gerade n i c h t zusammen mit anderen, wir sind vielmehr aufeinander zurückgeworfen. Wir sind lediglich als Familie „in this together“ – das birgt Schönes wie Schweres in einem. Denn natürlich fehlt uns allen der Außenkontakt, der Input durch Freund*innen, Kolleg*innen und Klassenkamerad*innen und Lehrer*innen. Uns fehlt die Bewegungsfreiheit und die Spontaneität. Aber ganz ehrlich – wenn es das nur ist, dann halten wir das noch eine Weile aus. Denn wir haben einander.

Homeschooling in Zeiten von Corona | berlinmittemom.com

Tatsächlich „übe“ ich selbst und auch in Gesprächen mit den Kindern und dem Mann gemeinsam – Dankbarkeit. Wir sind gesund (bisher), wir haben nach wie vor keine existentiellen Sorgen durch Corona. Wir sind zusammen. Wir können uns gegenseitig ziemlich gut leiden und gut miteinander reden. Und auch wenn nicht jede*r mit jeder*m hier zu jedem Zeitpunkt immer gut auskommt, mit irgendeiner*m können wir immer sprechen. Wir haben einen ähnlichen irren Humor, wir lachen viel, es wird viel getanzt, es werden Höhlen gebaut, mit dem Kater geschmust und laut über die Tagespolitik diskutiert.

Wir stellen jeden Tag wieder fest, dass es für uns alle viele Gründe gibt, um dankbar zu sein. Das tut gut und rückt alles irgendwie wieder ins Verhältnis.

Und am nächsten Tag machen wir dann weiter mit Homeschooling in Zeiten von Corona. Und mit Homeoffice. Homekantine. Homemusikschule und Homesporthalle. Homezirkus auch. Alles at home.

Wie geht es euch damit?

3 Kommentare

  1. Pingback: Remember all the days gone by | Freitagslieblinge am 15. Januar 2021 | berlinmittemom

  2. Ihr braucht nen Hund, der scheucht euch von alleine raus ;o)
    Spaß beiseite, wir haben uns wirklich angewöhnt, eine halbe Stunde Spaziergang mit in die tägliche Routine aufzunehmen, damit wirklich alle mal rauskommen. Kann von den Kids hier auch durch eine halbe Stunde Garten getauscht werden…
    Wenn du zu vielem „Ja“ sagst, lässt sich das mit deinen Kids vielleicht auch verhandeln, dass es im Gegenzug mind. 30 Minuten „Bewegung an der frischen Luft“ gibt :o)

  3. Das klingt ziemlich routiniert und mit System. Ich bin beeindruckt. Es wird mehr gezockt und mehr Süß und Kram gegessen. Bei uns auch. Aber so ein konzentriertes Arbeiten mit festen Pausenzeiten, das ist klasse.
    Wir leben im Ländle, die Kinder sind noch klein, erste und dritte Klasse, und weil die Politik nicht weiß, soll sie oder soll sie nicht, und wenn ja, wie soll sie, und wer ist schuld, wenn´s nicht ankommt, und weil die Kinder ausserdem zwischen Papa und Mama hin und her pendeln, ist oft nicht ganz klar, wie es bei uns wo läuft.
    Jede Woche ist ein neues Abenteuer, und oft bin ich froh, wir kommen alle einigermapen unbeschadet durch. :)
    Bis jetzt hat´s geklappt.
    https://www.rottweil-ist-ueberall.de/magazin/topthema.php?conid=100&p=1

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