Vor kurzem haben wir für unseren Podcast KaffeeStulleGin die dreißigste Folge aufgenommen und sie der Zahl 30 gewidmet: wie war unser Leben mit 30? Was waren die Themen, die uns bewegten?

Aber mir ist heute im Zusammenhang mit der Zahl 30 noch etwas ganz anderes eingefallen, eine ganz andere Phase in meinem Leben, nämlich die, die genau jetzt, genau dieses Jahr 30 Jahre her ist.

Fünfzehn sein – Bin ich richtig?

1989. Ich bin fünfzehn, im Juli 16. Ich habe einen Freund, nicht den allerersten, sondern den zweiten, aber dafür wahrscheinlich den wichtigsten in meiner ganzen Teenagerzeit. Nicht, weil wir so lange zusammen gewesen wären; wie das so ist in diesem Alter, hielt die Beziehung nur einige Monate. Aber ich war furchtbar verknallt, ich fand alles süß, was er sagte oder tat und ich war ganz hingerissen davon, wie sehr er wiederum in mich verknallt war. Er war schon 18 und ein toller Typ, wahrscheinlich ist er auch ein toller Mann geworden, und zwar vor allem, weil er so g u t war. Ein geliebter Sohn und Bruder zweier großer Schwestern, ein Junge mit Werten, mit Respekt, mit echten Gefühlen. Kein „Player“, wie die Kids heutzutage sagen würden, sondern ein echter Typ. Lustig, liebevoll, wahnsinnig unterhaltsam, sehr beliebt, das schon. Aber eben eher für seine menschlichen Qualitäten als für seine Coolness. Keiner, vor dem sich je jemand hätte in Acht nehmen müssen, dafür einer, der sich für seine Freunde einsetzte, jemand, auf den man sich immer verlassen konnte. Wie gesagt, ich war fürchterlich verknallt. Und ich war so gern mit ihm zusammen!

Aber dann… kam der Einschlag. Ein Kuss im Frühsommer, aus dem viele Küsse wurden. Mein fünfzehnjähriges Herz zerrissen. Ich – zwischen allen Kategorien und Wahrheiten. Und die Quelle meiner Verwirrung: ein anderes Mädchen. Zwei Jahre älter als ich, in meinen Augen die Schönste, die ich je gesehen hatte. Ein bisschen verloren war sie vielleicht, aber für mich die großartigste Person in meinem Umfeld. Ich kann mich nicht erinnern, dass mich zuvor jemals eine Begegnung mit einer solchen Wucht getroffen hätte und mein fünfzehnjähriges Ich hatte der Begegnung nichts entgegenzusetzen. Das hätte ich auch gar nicht gewollt.

Was ich allerdings nun wirklich wollte, wusste ich ab jetzt nicht mehr. Alles, was vorher so klar erschien, war plötzlich mit einem Fragezeichen versehen. Ich fühlte mich, als könnte ich mit niemandem sprechen, als würde niemand mich je verstehen und wusste nur, dass ich niemanden verletzen wollte – was ich natürlich längst getan hatte und für die Dauer dieses Jahres auch weiterhin tun würde.

Mama, bist du bi?

Warum schreibe ich darüber? Wieso erzähle ich hier von diesen Erlebnissen von vor dreißig Jahren? Natürlich ist es so, wie ich anfangs schrieb und die Erinnerungen wurden von der Skiferienstimmung hier getriggert. Tatsächlich aber ist der Anlass noch ein anderer.

Mama, bist du bi | berlinmittemom.com

Letzte Woche platzte der Bub zu mir herein und sagte aus dem Nichts: „Mama, bist du bi?“ Und ich antwortete. Während wir sprachen, wurde mir klar, wie schwer und lang mein Weg gewesen ist, bis ich so eine Antwort geben konnte, wie lange ich selbst diese Frage hätte nicht beantworten können und wie viel ich unterwegs mit mir selbst und den Umständen und meinem Umfeld gerungen habe. Darum, eine Definition zu erfüllen. Darum, sagen zu dürfen, wie und wer ich eigentlich bin. Darum, den Schubladen zu entkommen, mit denen ich aufgewachsen bin und von denen nie auch nur eine gepasst hätte.

Als ich fünfzehn war, verliebte ich mich unsterblich. Zuerst in diesen Jungen, dann in dieses Mädchen. Zeitweise fand das zumindest gefühlsmäßig sogar gleichzeitig statt, und während ich mit mir kämpfte, mich fragte, wer und wie ich eigentlich wirklich bin, stellte ich fest, wie sehr 1989 die eine Beziehung abgenickt und die andere abgelehnt wurde. Selbst meine liberalen und eigentlich coolen Eltern hatten ihre Schwierigkeiten und zumindest meine Mutter unternahm auch Versuche, mich von diesem Mädchen fernzuhalten, an das ich mein Herz verloren hatte. Ich vertraute mich einer engen Freundin an – und stieß auf wenig Verständnis. Wie hätte sie auch verstehen können, was ich (mir) selbst kaum erklären konnte?

Letztlich flog diese Mädchenliebe auf. In einer kleinen Stadt, an einer kleinen Schule, wo jeder jeden kannte, blieb nichts wirklich lange unentdeckt. Und tatsächlich waren sich alle noch so unterschiedlichen Erwachsenen in meinem Umfeld einig, dass d i e s e Liebe Unsinn war, nicht sein sollte, nicht angebracht sei, eine Phase vielleicht und überhaupt – in dem Alter geht das ja schnell vorbei.

Es ging vorbei, natürlich ging es vorbei. Und ich muss sagen, dass mich diese Ablehnung und das Unverständnis in meinem Umfeld in diesem Alter dazu gebracht haben, mich zurückzuziehen. Nicht nach außen, da war ich wahrscheinlich wie immer. Aber ich hatte erfahren, dass ich so nicht sein sollte, dass diese Anna nicht in demselben Maß angenommen wurde, wie die konforme Anna – und verbarg fortan für viele Jahre jegliche ernsthafteren Gefühle für Mädchen, denen ich begegnete und die das Potential hatten, mir mein Herz zu stehlen. Ich war danach fast drei Jahre mit einem Typen zusammen, der zehn Jahre älter war als ich und den meine Familie nicht besonders mochte. Vielleicht mochte nicht mal ich ihn besonders, ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, meine Hauptmotivation für diese Beziehung war, dass ich unter allen Umständen normal sein wollte.

Ich bin ich, ich bin normal

Erst als ich Abitur hatte und zum Studieren meine Heimatstadt verließ, löste sich der Knoten. Ich verliebte mich wieder in eine Frau, aber diesmal sagte ich es sofort. Mehr oder weniger allen. Ich konfrontierte meine Familie und meine Freund*innen in der neuen Stadt – und niemand nahm mehr Anstoß. Meine Familie nicht, weil sie wohl sahen, dass das keine „Phase“ war, sondern tatsächlich etwas mit mir zu tun hatte. Und übrigens sicherlich auch, weil meine inzwischen nicht mehr kleinen Geschwister einfach anerkannten, wer ich war, ohne Wenn und Aber. Und alle in meiner neuen Umgebung, weil sie mich einfach so kennenlernten und nicht umdenken mussten von „Hetero-Anna“ auf „Bi-Anna“ oder welche Version auch immer.

Mit Kindern über Sexualität sprechen | berlinmittemom.com

Meine Kinder wachsen anders auf. Sie wissen immer schon, dass Liebe Liebe ist, zwischen welchen (erwachsenen) Menschen auch immer. Dass wir uns nicht aussuchen, wer wir sind, sondern dass wir mit etwas auf dieser Welt ankommen, was zutiefst Teil von uns und fest in uns verankert ist. Dass Familie nicht automatisch Vater-Mutter-Kind ist und dass nicht einmal Blutsverwandtschaft nötig ist, um eine Familie zu sein. Die Kleine sprach neulich davon, wie sie sich ihre Hochzeit vorstellt und sagte zu mir: „Wenn ich dann meinen zukünftigen Mann treffe – oder meine zukünftige Frau…“ und zeigte mir damit, dass in ihrem Kopf die Türen zu allen Möglichkeiten in diesem Leben offen sind und sie weiß, dass nicht das eine richtiger ist, als das andere, nur weil es häufiger vorkommt.

Bisexualität ist real

Als ich meinen Mann traf, war meine Liebe zu dieser Frau gescheitert. Oder nein, nicht die Liebe, aber die Beziehung. Wir waren vier Jahre ein Paar gewesen, hatten auch zusammengelebt, einiges gemeinsam in unserem Umfeld erstritten und dabei gelernt, wir selbst zu sein. Dennoch hatte sich wieder eine Schublade geöffnet und mich verschlungen: ich war jetzt die lesbische Anna. Schließlich ist das ja die logische Schlussfolgerung aus der Tatsache, dass ich vier Jahre eine Frau liebte und mit ihr lebte. Oder?

Ich erinnere mich an das Gefühl, von diesen Schubladen verschlungen zu werden. An das Gefühl, eingesogen und vereinnahmt zu werden: auf der einen Seite diejenigen, die mich zufrieden in die Heteroschubalde einsortiert hatten und sagten „Das ist nur eine Phase, wie damals mit diesem Mädchen in der Schule“, auf der anderen Seite die, die mich in die Lesbenschublade steckten und durch meine offen gelebte Liebe zu einer Frau glaubten zu wissen: „Jetzt hat sie sich geoutet, jetzt ist das so.“

Und ich…? Wusste wieder nicht, wer ICH nun eigentlich sein sollte. Aber ich stellte mir eindeutig die falschen Fragen.

Wer bin ich und wenn ja wieviele | berlinmittemom.com

Dann traf ich meinen Mann wieder. Tatsächlich kannten wir uns schon aus der Schule, waren zu Abizeiten auch eng befreundet gewesen, aber niemals gab es romantische oder sonstige Gefühle der Anziehung. Jetzt standen wir beide gerade vor den Scherbenhaufen unserer gescheiterten Beziehungen (bei ihm war es sogar eine Ehe) und trafen uns als zwei gebrochene Herzen, die nicht (mehr) an die Liebe glaubten – oder vielmehr: an funktionierende Partnerschaften.

Ich glaube, es war von Vorteil, dass wir uns so lange kannten. Dass wir aus der Vergangenheit alles voneinander wussten und einander nichts vormachten. Er kannte meine Ex, ich kannte seine. Wir waren über das Stadium lange hinaus, irgendwas erklären zu müssen. Wir konnten einfach wir selbst sein.

Als ich dann merkte, dass sich da zwischen uns gefühlsmäßig was anbahnte, hatte ich spontan den stärksten Fluchtreflex, an den ich mich in meinem Leben je erinnern kann. Ich war zwar innerlich nicht festgelegt, hatte es mir weder in der Hetero- noch in der Lesben-Schublade wirklich bequem gemacht, aber das war zu viel. Wo kam das jetzt her? Wieso hatte ich so starke Gefühle für diesen M a n n? Nach vier Jahren mit einer Frau?

Wer bin ich und wenn ja wieviele?

Tatsächlich habe ich in dieser Phase meines Lebens endlich lernen dürfen, dass ich ich bin, nicht trotz, sondern gerade weil ich mich offenbar in Menschen verliebte, nicht in Männer oder Frauen. Mein Herz fühlte sich sehr strapaziert an, aber nach einigen Monaten, in denen ich mich noch immer dagegen gewehrt hatte, konnte ich es irgendwann sagen: ich war hoffnungslos verliebt in diesen Menschen. Einen Mann. Sowas wie mein bester Freund. Jemand, der mich wirklich e r k a n n t e und der bereits alles Wichtige von mir wusste. Jemand, der mich genauso liebte, wie ich war. Ohne Kompromisse. Ohne Bedingungen. Was für ein Geschenk.

Ich bin in diese Beziehung hineingewachsen. Später dann in diese Ehe und die Tatsache, dass wir Eltern wurden von einem, dann zwei, dann einem dritten Kind. Ich bin in diese Version meiner selbst hineingewachsen: eine bisexuelle Frau zu sein, eine Mutter, jemand mit einer Geschichte. Das ist nichts, was ich jedem erzähle, den ich treffe. Bis jetzt. Aber es ist auch nichts, was ich verschweige oder verberge. Es gehört zu mir, zu meiner Geschichte und meiner Persönlichkeit. Meine Kinder kennen meine Geschichte, und sie kennen meine Ex und ihre Frau, liebe Freundinnen von jeher, mit denen ich den Kontakt nie verloren habe, im Gegenteil. Eine Bindung, die stärker ist als Enttäuschungen oder die gescheiterte Liebe – vielleicht sowas, wie die transformierte Art von Liebe, eine echte Freundschaft, die schon jahrzehntelang besteht. Mein Mann kennt meine Geschichte und vielleicht verstand er sogar vor mir, was es mit mir diesbezüglich auf sich hat. Und er hatte das Vertrauen in unsere Liebe, das es brauchte, damit ich mich selbst ganz darauf einlassen konnte. Heute sind wir als Paar enger denn je, gehen unseren gemeinsamen Weg seit 21 Jahren – und ein Ende ist nicht abzusehen!

Unsere Kinder, die Basis für eine andere Zeit

Warum schreibe ich darüber? Warum zum ersten Mal? Warum überhaupt? Weil mein Sohn in mein Zimmer geplatzt ist und gefragt hat: „Mama, bist du bi?“ Und ich so froh und erleichtert war, ihm einfach sagen zu können: „Ja.“ Nicht, dass er vorher nicht gewusst hätte, was meine Geschichte ist. Er hatte nur kein Wort dafür. Froh und erleichtert bin ich aber nicht nur für mich selbst, sondern vor allem darüber, dass das für keins meiner Kinder ein Problem ist. Keins meiner Kinder hantiert mit Begriffen wie „normal“ oder „unnormal“. Keins meiner Kinder findet, dass es „richtige“ oder „falsche“ Liebe gibt. Keins meiner Kinder urteilt über andere aufgrund ihrer Sexualität, ihres Geschlechts oder anderer individueller Merkmale wie Ethnie, Hautfarbe, Religion, Sprache, Kultur oder einer Behinderung. Wenn ich heutzutage fünfzehn wäre, wenn ich heutzutage mit mir kämpfen würde und mich fragen würde, wer ich eigentlich bin und ob ich eine Schublade brauche, der ich angehören und deren Kriterien ich erfüllen müsste, würde ich gerne meine Kinder treffen. Meine Kinder und ihre Freund*innen, all die Kinder und Teens, die ich kenne und die mit offenen Herzen und Köpfen durch die Welt gehen, ohne zu urteilen. Ich würde gerne mit diesen Kindern in die Schule gehen oder im selben Sportverein sein, ich wäre gerne das Nachbarskind oder würde dieselbe Kirche besuchen, denselben Chor, dieselbe Theatergruppe. Und würde wissen, dass sie mich nehmen, wie ich bin. Dass sie nicht urteilen. Vielleicht würden sie Fragen stellen, aber sie würden nicht urteilen.

Berlinmittemom & Kids | berlinmittemom.com

Und das macht mich froh und macht mein Herz leicht. Weil es viele Kinder gibt, die anders aufgewachsen sind und mit offenerem Herzen durch ihre Welt gehen, als die meisten Kinder, mit denen ich damals zu tun hatte, vor dreißig Jahren. Und weil ich hoffe und wünsche, dass wir als Eltern alle daran denken, unsere Kinder und ihre Unvoreingenommenheit nicht zu verbiegen und ihnen keine fragwürdigen Normen von „richtig“ und „falsch“ sein in die Köpfe zimmern.

Ich weiß, dass hier Mütter von Kindern mitlesen, denen es so geht, wie es mir damals ging, vor dreißig Jahren, vor fünfundzwanzig Jahren. Ich weiß, dass sie sich um ihre Kinder sorgen und hoffen, dass sie glücklich werden und herausfinden aus dem Bedürfnis, die Erwartungen anderer erfüllen zu wollen oder gar dem Gefühl, sie erfüllen zu müssen. Auch deshalb schreibe ich diesen Text. Ich hoffe, dass ihr das lest, ihr Mamas eurer einzigartigen Kinder. Ich hoffe, ihr sprecht mit euren Kindern darüber und sagt ihnen, dass sie richtig sind, genauso wie sie sind. Dass es keine Gefühle gibt, die jemals falsch sein könnten. Dass auch Liebe niemals falsch sein kann. Ich hoffe, ihr sagt euren Kindern, dass sie keine Schubladen brauchen und auch kein fremdes Urteil darüber, wer sie sind. Sondern dass sie schon als die Menschen geboren worden sind, die sie sein sollen: richtig. Niemals falsch, sondern von Anfang an richtig.

Das hier ist für euch. Von einer, die weiß, wie es ist, fünfzehn zu sein und sich danach zu sehnen, einfach „normal“ zu sein. Ihr seid es längst. Ihr seid es immer gewesen. Weil jede*r von uns normal ist, genauso wie wir sind.

Für alle Eltern und Jugendlichen, die Beratung und Hilfe suchen, weil sie mit Themen rund um die sexuellen Identität kämpfen, sei es Diskriminierung oder einfach der eigene Umgang damit, gibt es hier eine hilfreiche Linkliste mit Beratungsstellen:

Tolle Blogs und Vlogs von und über Regenbogenfamilien findet ihr hier:

31 Kommentare

  1. Was ein starker Artikel liebe Anna-ganz lieben Dank -ich glaube, dass dies Erfahrung tatsächlich viele gemacht haben ❤️Es tut gut es zu lesen
    Wir erziehen unsere Kinder auch frei und ich kann gerade erleben, dass der große Bub einen Grund hat, der zwei Mamas hat und es für ihn natürlich viele Fragen aufwarf, die wir hoffentlich gut beantworten konnten und er zeigt sich ganz „normal“ (mir fällt kein anderes Wort dazu ein) damit um

  2. Ganz starker Artikel -Danke dafür liebe Anna
    Wir versuchen unsere Kinder auch offen zu erziehen und es ist so toll zu sehen, wie der große Bub seinen neuen Freund, der zwei Mamas hat, mit der ihm bis dahin noch fremden Situation umgeht-er hatte zwar schon davon gehört, aber es aktiv zu erleben ist schon was anderes -es kamen viele Fragen, aber keine abstoßende o.ä. Reaktion -das ist so schön zu sehen ❤️

  3. Anna <3 … danke für diesen Artikel. Nicht nur wundervoll geschrieben, sondern auch offen, ehrlich und ermutigend. Ich hoffe bzw. ich wünsche mir für meine Kindern, dass es für sie, immer selbstverständlich sein wird, sich in Menschen zu verlieben und nur das zählt. Deinen Blogbeitrag werde ich auf jeden Fall allen meinen Kindern zu lesen geben. Danke … ach es ist einfach toll, dass es dich gibt und deine Texte… DANKE <3

    Fühl dich gedrückt.. Alles Liebe Emma

  4. Was für ein wundervoller Text <3

    Ich stimme dir zu, dass wahrscheinlich mehr Kinder toleranter aufwachsen als noch vor 30 Jahren, aber es ist trotzdem nur ein kleiner Bruchteil. Ich glaube auch gern, dass es in Berlin bzw. deinem Kiez und deiner Filterbubble auch wirklich so gut aussieht, hier in der ländlichen Pampa merke ich davon allerdings wenig… Hier wird "schw*l" u.ä. noch als Schimpfwort benutzt – sogar in der Grundschule!!! Wir führen fast täglich Gespräche darüber, dass Jungs und Mädchen gleichwertig sind, Rosa für alle da ist, es keine falsche Liebe gibt, man für Behinderungen/Andersein nichts kann und ich weiß, dass meine Kinder, dass auch verinnerlichen. Trotzdem müssen sie in und mit ihrer Umgebung klar kommen: Mein großer Sohn (jetzt 8) wurde im KiGa ausgelacht, weil er seinen 5. Geburtstag als "Eiskönigin" feiern wollte. Zur selben Zeit mochte er Pink auch ganz gerne und hatte auch einige Kleidungsstücke, die er mutig der Welt präsentiert hat. Er mag die Farbe immer noch ganz gerne, zieht es aber nicht mehr an, weil es ihn nervt, dass er dann damit aufgezogen und gehänselt wird. Meine Tochter (jetzt 5) wird durch ihre "Mädels"-Gang dermaßen in diese Rosa-B*rbie-Glitzer-Richtung geschoben, dass es für sie selbst total schwierig ist, für sich herauszufinden, was sie davon überhaupt mag… Und sie war letztens sehr irritiert davon, dass der Jüngste (jetzt 2) sich einen Rock aus der Kostümkiste gezogen hat. Klar nutzen wir solche Gelegenheiten für das nächste Gespräch, aber es fühlt sich an als würden wir gegen Windmühlen rennen, weil der Wind von außen sooo stark dagegen pustet :o(

    Wie gesagt, bitte nicht als Kritik an deinem zauberhaften und wichtigem Artikel verstehen, aber ich glaube auch, dass es sehr vielen 15jährigen heute nicht wesentlich besser geht als dir vor 30 Jahren – leider :o(

    Alles Liebe,
    Nadine

  5. Wow, was für ein toller Text. Danke! Ich habe noch nie verstanden, warum man sich bei Liebe für männliche oder weibliche Menschen entscheiden muss. Ich hoffe sehr, dass meine Söhne mit der Selbstverständlichkeit aufwachen, dass diese Entscheidung kein Entweder Oder braucht.

  6. Danke für diesen ehrlichen Text. Schön, dass es hier in diesem Jahr deutlich unharmonischer zugeht. Ich glaube auch, dass es sich in Berlin sehr viel leichter tolerant leben lässt als in der Provinz. Ich bin froh darüber, dass mein Kind hier in Berlin nicht nur von uns, sondern auch durch seine Umgebung erfährt, wie viele verschiedene Welten und Lebensweisen es gibt. Ich selber denke mittlerweile, dass sexuelle Orientierung sehr viel durch äußere Prägung bestimmt ist. Und dass vermutlich die allermeisten Menschen bisexuell sind, in unterschiedlicher Ausprägung. Und dass irgendwann diese Kategorien nicht mehr nötig sein werden, so dass niemand überlegen muss, wo er/sie sich meint einordnen zu müssen, weil man ja irgendwas sein muss. Wir sind immer mehr als eine/r. Jede/r hat verschiedene Rollen, verschiedene Vorlieben, und im Laufe des Lebens ändert sich das auch immer mal. Aber wir werden das sicher nicht mehr erleben und müssen bis dahin mit Schubladen jonglieren.

  7. Schöner Artikel. Same story here. Erst quasi hetero, dann verliebt in eine Frau und das große Outing hinter sich gebracht und dann kommt irgendwann ein Mann, der wieder alles auf den Kopf stellt.
    Dass man erst die 30 überschreiten muss, um diese Gelassenheit und Selbstverständlichkeit mit sich selbst und der eigenen Geschichte zu erlangen. Ich freue mich auf solche Gespräche mit meinen Kindern, auf dass die Schubladen uns allen abhanden kommen!
    Danke!

  8. ❤ heute scheint der Tag der Liebe zu sein. Danke für deinen genialen Text. Freue mich, dass du wieder aus der Versenkung hochkommst und schreibst. Deine Texte, sind einfach genial.
    Haben zufällig heute eine “klassische“ Dankeskarte einer Hochzeit bekommen… Weiss, romantisch, erst Haus dann Kinder ❤ gleichzeitig haben wir eine Einladung zu ner Gay-Wedding bekommen und ich freu mich riesig für die Zwei.
    Für unsere Kids ist das alles Normal, denn das sind Freunde von uns und gehörten schon lange vor den Kindern zu uns.
    Es lebe die Liebe ❤

  9. mädchen du machst mich fertig. mit deiner schreibe. deinen geschichten. deinen gedanken. deiner offenen ehrlichkeit. sachen beim namen nennen und sie für alle klar und verständlich darzulegen. so daß die -für viele- komplizierten dinge des lebens leicht erscheinen. danke dafür. ich liebe es, dich immer ein wenig mehr kennen zu lernen. und immer gräbst du dich tiefer in mein herz. weil du so bist wie du bist! liebe und licht!!

  10. Liebe Anna,

    Vielen Dank für Deinen ehrlichen Text und die Offenheit mit der Du mich in eine intensive Zeit des Nachdenkens begleitet hast! Ohne Deine Worte hätte ich da nie hingefunden. Ganz besonders toll und nachhaltig finde ich die Formulierung: Ich liebe diesen Menschen -nicht den Mann oder die Frau….

    Alles Gute Dir!

    Ulli

  11. Liebe Anna,

    was für ein toller, wertvoller und wichtiger Text.
    Auch ich habe lange gebraucht herauszufinden, wer ich eigentlich bin und was ich eigentlich bin und ich denke genau dasselbe wie du- ich passe in keine Schublade und möchte es auch gar nicht.
    Meine Jugend und junge Erwachsenezeit habe ich damit zugebracht den richtigen Jungen bzw Mann zu finden, was mir nicht gelungen ist, bis ich mit 25 dann eine Frau kennengelernt und mich Hals über Kopf in sie verliebt habe. Plötzlich wusste ich, welches wohl mein Weg sein würde, auch wenn ich nach gescheiterten Beziehungen auch immer wieder mal nach Männern Ausschau gehalten habe.
    Heute bin ich mit einer Frau verheiratet, wir haben eine wundervolle siebenjährige Tochter, für die ihre Familienkonstellation bis vor einigen Wochen ganz normal war. Dann kamen Kinder aus ihrer Klasse und sagten, dass es unsere Art Familie nicht gibt, was sie sehr verunsichert hat. Wir haben mit ihr darüber gesprochen und wir haben mit ihrem Klassenlehrer gesprochen, der uns versprochen hat, dass er das Thema Familie in allen Formen aufgreifen und in der Klasse besprechen wird.
    Das war das erste Mal, dass wir eine kleine Form von Gegenwind erfahren haben. Bisher wurden wir überall so akzeptiert und genommen, wie wir sind.
    Wir sind glücklicherweise heute in unserer Gesellschaft schon sehr weit gekommen, was Sexualität angeht, aber dieses Beispiel aus der Schule zeigt mir auch, dass wir noch einen kleinen Weg vor uns haben.

    Alles Liebe und Gute dir und deiner Familie!
    Melanie

    • Liebe Melanie, wie ich mich freue, dass du dein Glück gefunden hast und nicht mehr mit dir haderst. <3 Und ja, wir haben alle noch einen Weg vor uns, ganz gleich, um welche Art von Diskriminierung es geht und gegen wen sie sich richtet. Gut, dass es Menschen gibt wie dich und deine Frau und natürlich eure Tochter, die einen Unterschied machen in einer Welt, in der dennoch immer sehr gerne alles schwarz-weiß gesehen wird. Alles Liebe für euch!

  12. Anna

    Danke für diesen tiefgehenden, berührenden Text. Ich wurde an meine eigene Teenagerzeit erinnert und wie unverstanden ich mich mit allem gefühlt habe. Schon damals war mir klar das ich, wenn ich mal Menschen auf die Welt bringe, immer ein offenes Ohr haben möchte.

  13. Was für ein wunderschöner Artikel. Ich danke dir sososo sehr und glaube, dass deine Worte vielen Menschen helfen.
    Ich bin so dankbar,dass meine kleinen Kinder in einem bunten Viertel mit bunten Menschen aufwachsen. Dass auch im katholischen Kindergarten ein Junge mit zwei Mamas so normal ist, wie die Familie mit Migrationshintergrund und die Arztfamilie mit vier Söhnen. Ich bin dankbar,dass ich so hoffentlich nicht wie in meinem Beruf als Lehrerin dafür kämpfen muss, dass „bist du behindert?“- oder „Das ist so schwul“- „Spasti“- Oder “ Homo“ zu einem unreflektierten Wortschatz gehören. Dass man Kindern mühsam aufzeigen muss,dass eine bunte Welt normal ist und jeder in ihr willkommen ist. Denn es gibt leider viele viele Kinder, die nicht die Chance hatten wie deine oder meine offen und farbenfroh im Herz und Kopf aufzuwachsen. Oft sind es wohl die Kinder derer, die für das Grau in deiner kleinen Seele vor 30 Jahren gesorgt haben. Und auch für die danke ich dir für diesen Text. Ich werde ihn nun sicher ganz oft weiterempfehlen. Wie schön, dass du für Farbe sorgst!

    • Liebe Isa, wir dürfen niemals aufhören, für die Welt in bunt einzutreten und das auch genauso unseren Kindern vorzuleben. Deine Kids haben Glück – sowohl deine eigenen als auch deine Schüler*innen. Liebste Grüße!

  14. Sehr verehrte liebe Anna, Sie heißen nicht nur Luz, Sie sind eins!!! Wenn es einem schlecht geht, sollte man einen Ihrer großartigen, warmherzigen und empathischen Texte lesen, dann geht man getröstet seiner Wege. Was für ein riesengroßes Herz Sie haben. Danke.

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