Früher hatte ich mal ein Gala-Abo.
Ja, ich gebe es zu: ich bedröhnte mich ab und zu gerne mit Klatsch und Tratsch. Celebrity-Wahnsinn. Paparazzi-Shots.

Einige meiner Freundinnen haben darüber gespottet, ja, ich erinnere mich gut, aber darin geblättert haben sie hier ALLE. Sogar meine Mutter, die immer die größte Verachtung für jegliche Art von Yellow Press übrig hatte, hat sich die Gala vorgenommen und durchgeschaut, immer mit ihrer typischen spöttischen Distanz.
Naja, die Gala ist ja immerhin noch nicht die Bild oder eins dieser anderen Blättchen, wie heißen sie gleich: In, inStyle, inTouch, inWatweißich.
Obwohl… die habe ich auch manchmal gekauft. Oft. (Und auch das Ok!-Magazine, shame on me.)
Wie dem auch sei, ich habe vor geraumer Zeit damit aufgehört, das Abo abbestellt und nur noch ab und zu im Netz nach den neuesten Blödheiten geschaut, wenn mal wieder irgend eine Celebrity-Welle war. Gestern aber bin ich meiner alten Gewohnheit mal wieder verfallen und habe eine In vom Einkaufen mitgebracht, um sie in Ruhe (und in 5 Minuten) durch zu blättern. Danach ist das ja ohnehin ein Fall fürs Altpapier.

Ich hatte aber die Rechnung ohne die Tatsache gemacht, dass ich inzwischen ein großes Mädchen im Hause habe, das sich durchaus für derartige Inhalte zu interessieren beginnt und hatte das Schmierblatt unachtsam in der Küche rumliegen lassen. Prompt hatte die Große es heute früh beim Wickel und begann, sich die Paparazzi-Fotos einer barbusigen Heidi Klum anzusehen, im Clinch mit ihrem neuen tätowierten Lover, ihrem Bodyguard, wie In wusste. Und los gings:

„Mama, schau mal, die hat echt einen hübschen Busen, dafür, dass sie eine Mama ist mit 4 Kindern. Glaubst du, der ist echt?“
Mir fiel kurz die Kinnlade runter und es schoss mir allerhand durch den Kopf, bevor ich schnell sagte: „Keine Ahnung, woher soll ich das wissen, ist auch egal, jetzt iss dein Müsli.“
Sie tauchte einmal den Löffel in ihre Müslischale und blätterte weiter.
„Mama, jetzt hat sie was mit ihrem Bodyguard, guck mal, der ist hier auch nackt drauf, aber ge… wie heißt das nochmal, gepixelt!“
Jetzt wurden auch die 2 Kleinen aufmerksam und der Bub griff nach der Zeitschrift. „Nackt? Zeig mal!“
Und das Minimädchen derweil: „Wenn ich groß bin, kriege ich auch einen Busen, aber einen echten, aber dann mach ich mich nicht nackt in die Zeitung, oder Mama?“
Nun reichte es mir und ich entwendete meiner protestierenden Tochter das Heftchen, um es sogleich in den Papiermüll zu bugsieren. „Schluss damit, frühstückt jetzt, sonst verpasst ihr den Bus!“
Gemaule, Gemecker, Gemeuter.

Und dann, ein letztes Mal, meine Große: „Also Mama, das finde ich echt komisch von dir. DU hast doch die Zeitschrift gekauft. Und wenn dich angeblich gar nicht interessiert, was drin steht, warum hast du sie dann gekauft? Und außerdem: du denkst wohl, ich könnte nicht unterscheiden zwischen echten Nachrichten und Paparazzi-Quatsch, was? Aber das kann ich wohl. Und den Bodyguard von Heidi, den muss man sich ja nur mal anschauen, dann weiß man genau, was der von ihr will…!“
Sprach’s und tunkte ihren Löffel wieder in ihr Müsli. Mama sprachlos. Mundoffen. Kind grinst in sich rein.

Ich beschloss, das Thema auf sich beruhen zu lassen und verwickelte stattdessen den Bub in ein Gespräch über den anstehenden Kindergeburtstag bei Kumpel Fritz. Und innerlich überschlug sich meine Fantasie bei der Überlegung, was meine Große wohl meint, was der Bodyguard von Heidi Klum von ihr wollen könnte.

Ich werde wieder zu meiner Yellow-Press-Abstinenz zurückkehren. Besser ist das. Solche Gespräche schaff‘ ich auch psychisch nicht.

1 Kommentar

  1. Wir haben herzlich gelacht -die Pubertaet ist im Anmarsch! Und die beiden juengeren sind herzerfrischend…
    Eure maja&wolfi

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