Die Freitagslieblinge sind da, nachdem der Freitag gefühlt in Rekordtempo gekommen ist mit Wind und kalten Temperaturen. Die Woche war kurz und entspannt – es fühlt sich erstaunlich an, das so aufzuschreiben, aber es war tatsächlich eine recht smoothe Woche mit wenig familiärem Stress und relativ viel Luft zwischen Terminen und Verpflichtungen.

Mein Lieblingsbuch der Woche für diese Ausgabe der Freitagslieblinge ist ein Bildband, den ein ehemaliger Nachbar und Freund hier in Berlin fotografiert hat – Olaf Heine. Rwandan Daughters* ist ein Buch, das einen mitnimmt. Die Bilder sind so eindringlich wie die Geschichte hinter ihnen: Olaf Heine hat nicht nur Überlebende des Völkermords an den Tutsi 1994 in Ruanda fotografiert, er hat die überlebenden Frauen fotografiert, Opfer von Vergewaltigungen durch die Hutu-Milizen, die 1994 von April bis Juli 800.000 bis 1.000.000 Tutsi in Ruanda ermordeten. Er fotografiert sie zusammen mit ihren Töchtern aus den erlittenen Vergewaltigungen, dort, wo die Vergewaltigungen damals stattfanden. Entstanden sind Portraits von mutigen Frauen in all ihrer Verletzlichkeit, Müttern wie Töchtern, die kraftvoll ihre erlittenen Traumata bearbeitet oder sogar überwunden haben. Sie sind nicht nur Überlebende, sie erobern sich ihre Gegenwart zurück, überwinden die Vergangenheit und fordern eine selbstbestimmte Zukunft. In Zusammenarbeit mit der Ora Kinderhilfe ist hier ein wichtiges und bewegendes Buch entstanden, die Geschichte dieser Frauen erzählt, die Geschichte eines Landes, die Geschichte eines Völkermords und der Frage, wie man danach weiterleben kann.

Freitagslieblinge Buchtipp: Rwandan Daughters | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsessen der Woche ist seit langem mal wieder eine Lunchbox fürs Goldkind. Ich habe wieder damit angefangen, die Boxen sorgfältiger vorzubereiten und mit den Kids zusammen zu füllen. Die Große nimmt ja schon länger gar keine mehr mit und mit den beiden „Kleinen“ bin ich jetzt dazu übergegangen, sie beim Befüllen nur noch zu beraten, während sie sich selbst aussuchen, was sie mitnehmen möchten. Als ich in dieser Woche das Bild der Yumbox auf meinem Instaprofil  zeigte, stellte sich schnell heraus, dass nach wie vor großes Interesse an Lunchboxinspiration besteht und so werde ich mir jetzt mal eine schöne kleine Serie über die aktuellen (und gegenüber früher erwachsener gewordenen) Lunchboxen bzw. Brotdosen ausdenken.

Freitagslieblinge: Lunchboxliebe | berlinmittemom.com

Mein Lerneffekt der Woche hängt heute auch ein bisschen mit dem Ziel der Woche zusammen. Ich hatte mir mehr Geduld vorgenommen, eigentlich mehr Geduld für die Kinder und ihre Lernprozesse, vor allem in Bezug auf die Pflichten im Haushalt. Stichwort: Wäsche! Stattdessen habe ich festgestellt, wieviel Geduld ich vor allem mit mir selber haben muss. Im Moment laufe ich nicht wie gewohnt auf 100%, irgendwie sind meine Maschinen verlangsamt und ich finde nicht in meinen üblichen Flow. Ist das eine Blogkrise? Vielleicht. Aber statt mich selbst weiter unter Druck zu setzen und dabei immer mehr das Gefühl zu kriege, dass ich die selbstgesteckten Ziele auf keinen Fall erreichen kann, habe ich diese Woche mehr Geduld mit mir gehabt. Ich habe mich gütiger betrachtet, mit mehr Nachsicht und mehr Liebe für mich selbst und meine Schwächen. Ich habe zweimal nachmittags bewusst 20 Minuten geschlafen, sobald ich gemerkt habe, dass ich müde werde, statt wie sonst einen Espresso in mich reinzukippen und das Fenster aufzureißen, um die Müdigkeit zu vertreiben. Das hat unfassbar gut getan. Mein Lerneffekt der Woche ist also: mehr Geduld mit mir und mehr Selbstfürsorge fühlt sich gut und richtig an. Viel besser, als wenn ich über mir selbst die Dompteurspeitsche schwinge und mir ständig sage, dass ich das alles nicht schaffe, was zu erledigen ich mir vorgenommen habe.

Freitagslieblinge: Efeuhecke | berlinmittemom.com

Meinem Ziel der letzten Woche, mit den Kindern geduldiger zu sein, bin ich tatsächlich auch ein Stück näher gekommen. Wir sind im Alltag alle oft unter Druck: Zeitdruck, Leistungsdruck, unter dem Druck, funktionieren zu müssen usw. Uns selbst oder gegenseitig noch mehr Druck zu machen, führt zu nichts außer zu noch mehr schlechter Stimmung. Mehr Geduld und mehr Nachsicht ist daher definitiv der entspanntere und liebevollere Weg für alle Beteiligten. Das gelingt nur leider nicht immer, weil wir alle Druck spüren, den wir immer wieder ab- und auslassen – gerne und oft eben aneinander. Diese Woche lief alles ziemlich soft und ruhig hier zu Hause, das hat uns allen gut getan. Meine eigene Haltung trägt viel dazu bei, weil ich spüre, wie die Kinder diese Stimmung aufnehmen und auch meinen Umgang mit den Dingen nachahmen. Mein Ziel für die neue Woche ist also, das nach wie vor weiter zu üben, beizubehalten, zu vertiefen. Und ganz konkret: das Einbeziehen der Kinder in die Wochenaufgaben schriftlich festzuhalten. Nächsten Freitag zeige ich euch also hoffentlich einen neuen Plan für mehr Selbstverantwortung.

Magnolienblüte | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche für die Freitagslieblinge habe ich (nicht erst diese Woche) bei meiner Kollegin Sabine von Mum and still me gefunden. Sie hat zusammen mit #parentsforfuture eine Petition für ein Klimaschutzgesetz auf den Weg gebracht, bei der noch bis zum 06. Mai mitgezeichnet werden kann. Hier erfahrt ihr mehr über die Petition Klimaschutzgesetz und hier könnt ihr euch über die Parents for Future-Bewegung informieren. Für eine Anhörung vor dem Bundestag braucht die Petition 50.000 Stimmen, also zeichnet mit und verschafft dieser so wichtigen Klimabewegung Gehör. Unsere Kinder brauchen unsere Stimme – für ihre Zukunft.

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Einmal Gänsehaut zum Frühstück… Bitte teilt und verbreitet das großartige @parents4future Video, das @stelladeborahtraub für uns erstellt hat. Heute haben wir 20.000 Menschen erreicht, die ein Klimaschutzgesetz fordern. Eine kleine Stadt. Ich komme aus so einer Stadt, stelle mir vor wie sie geschlossen aufsteht und für Klimagerechtigkeit einsteht. Aber um eine öffentliche Anhörung im Bundestag zu erreichen müssen wir mehr werden. 50.000. Mit eurer Hilfe kriegen wir das hin. 🙏🏻 Danke schon jetzt an euch alle. Auf in die letzten 7 Tage! . . . #klimaschutzjetzt #klimaschutzgesetzjetzt #parents4future #parentsunited #actnowforfuture #climatejustice #klimaschutz #umweltschutz #naturschutz #wirhabendieerdevonunserenkindernnurgeborgt #petition #climatechange #fff #fridaysforfuture #togetherwearestrong

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Fragt mich was: die Antworten aus der letzten Woche

Diese Woche gab es nur eine Frage von Karolin in den Kommentaren. Sie möchte wissen, wie ich rückblickend die Kleinkindphase meiner Kinder sehe und ob ich damals gestresster war, als heute oder ob ich mich manchmal nach der Zeit als Kleinkindmutter zurücksehne.

Das ist einerseits sehr leicht zu beantworten: nein, ich war damals auf keinen Fall gestresster als heute und ja, ich sehne mich immer mal wieder nach der Zeit als Kleinkindmutter zurück, wenn auch nur in Aspekten. Beschrieben habe ich das schon mal in diesem Artikel: Ich wünsch mir die Kinder nochmal klein. Andererseits versuche ich wirklich, immer alles genau so anzunehmen, wie es ist, wenn es da ist. Das gelingt mir bei weitem nicht immer, aber ich finde doch oft den positiven und liebevollen Blick auf den Moment mit den Kindern, ohne mich nostalgisch nach früher zu sehnen oder eine vermeintlich bessere Zukunft herbei zu fantasieren.

Berlinmittekids in Mini | berlinmittemom.com

Würdest du rückblickend etwas anders machen in Bezug auf das Großziehen deiner Kinder?

Da ich da noch mittendrin stecke, ist das nicht so eindeutig zu beantworten. Ich weiß allerdings, dass meine Werte und Prioritäten sich nicht geändert haben und ich was das angeht garantiert nichts anders machen würde: meine Kinder sind das Beste, Schönste und Wichtigste in meinem Leben. Ich behandele sie als vollwertige Personen und versuche immer, sie wirklich zu s e h e n. Ich sage ihnen, dass ich sie liebe, jeden Tag. Und ich versuche, ihnen Werte wie Toleranz, Empathie, Respekt, Wertschätzung, Dankbarkeit, Weltoffenheit und Vertrauen mitzugeben bzw vorzuleben. Was ich anders machen würde? Ich glaube, man kann alles immer nur so gut oder richtig machen, wie man es selbst begreift, das heißt, was ich beim ersten Kind noch nicht wusste, beim dritten aber schon, hätte ich niemals wissen können, bevor ich es erfahren habe. Was ich damit sagen will: wir können nicht mit dem Wissen von heute vor zehn oder fünfzehn oder zwanzig Jahren wieder anfangen. Weil: wenn wir anfangen, sind wir nun mal Anfänger und müssen Erfahrungen machen und daraus lernen. Anders geht es nicht. Ergibt das Sinn?

Lieblingsbub in mini | berlinmittemom.com

Puh, ich merke, das die Freitagslieblinge in ihrer neuen Ausrichtung wesentlich mehr „Arbeit“ machen, als ich so dachte, denn ich muss mich ganz anders mit den Dingen befassen und in mich gehen. „Nur“ ein Buch oder ein Rezept zu posten ist durchaus was anderes, als sich selbst zu reflektieren und das in Worte zu fassen. Aber ich mag die neuen Freitagslieblinge. Wie seht ihr das?

Damit sind sie dann aber jetzt auch endlich komplett, die Freitagslieblinge von dieser Woche. Ihr könnt neue Fragen stellen, mir neue Inspiration da lassen, Kritik äußern und Anregungen geben. Ich freu mich drauf!

Habt ein schönes Wochenende!

10 Kommentare

  1. Liebe Anna, vielen Dank für Deine Fotos, Berichte, Statements, Inspirationen, Buchempfehlungen, Rezepte….. Durch Deine Arbeit bereicherst Du meinen Alltag.

  2. Liebe Anna,
    ich finde die neuen Freitagslieblinge toll, danke für deine Mühe damit! Auf deine Worte freue ich mich die ganze Woche über!
    Vielleicht magst du mal etwas darüber schreiben, wie deine (nun älteren) Kinder deinen Blog und deine Texte wahrnehmen und mit welchen Reaktionen von außen sie umzugehen haben. Ich frage mich oft, ob man euch in Berlin (oder woanders) anspricht und ob in Schule oder anderswo deine öffentliche Arbeit Thema ist.
    Mach weiter so, von Herzen alles Liebe!
    Maren

  3. Liebe Anna.
    Ich schließe mich den Worten von Maren herzlich gern an.
    Eine andere Blogmama, der ich schon lange auch gebannt folge, macht auch ganz tolle Brotdosen für ihre Kinder. http://WWW.daily-Pia.de
    Sie hat auch auf Twitter unter #brotdosenparade schon einiges gesammelt und vereint. Vielleicht lässt sich da ja auch was verknüpfen?
    Liebe Grüße aus dem Schwarzwald , Stefanie

  4. Ich liebe deine Freitagslieblinge, habesie vor einigen Monaten in mein Bullet Journal übernommen und merke, dass es mir sehr gut tut darauf zu schauen, was in der Woche schön war, mich bereichert hat, was ich geschafft habe, mir gut getan hat, wofür ich dankbar bin.
    Die neue Form finde ich auch spannend, aber ein wenig strengt sie mich – für dich – an! Statt eines positiven Wochenrückblicks hast du dir neue Aufgaben gesetzt… ich lese das sehr gern und finde dein Gedanken spannend! Aber es ist nicht mehr der entspannte Blick zurück, der würdigt, was du geschafft und erlebt hast, sondern wieder etwas, was du schaffen musst, oder? Die beiden neuen Kategorien sind toll, du könntest jedoch auch jeweils einen eigenen Blogbeitrag daraus machen… den würde ich auch gern lesen (ohne dass du etwas hinzufügen müsstest). Und für mich dürftest du gern wieder zu der alten Form zurückkehren, ich habe mich immer unglaublich gern von dir inspirieren lassen, einen wertschätzenden Blick auf den Alltag zu werfen.
    Herzlich,
    Rose
    P.S.: Die Bilder sind traumhaft!

    • Liebe Rose, danke dir für deine lieben Worte. Du siehst das genau richtig, es i s t anstrengender, die Freitagslieblinge so zu gestalten, auf der anderen Seite kriege ich so auch mal Themen angerissen und untergebracht, ohne gleich einen ganzen Blogbeitrag zu verfassen – was nämlich ebenfalls sehr viel Arbeit ist. Ich merke, dass mir das für den Blog guttut, so offen zu reflektieren oder quasi laut nachzudenken. Das befreit mich von dem (selbstauferlegten) Zwang, immer nur das aufzuschreiben, was gut ist, was reibungslos läuft oder was perfekt zu Ende gedacht ist. Dafür mag ich die neuen Kategorien. Aber ich denke weiter darauf herum, ob und wie ich das vielleicht ein bisschen entzerre. Danke dir fürs Hiersein und Lesen! Liebste Grüße, Anna

  5. Liebe Anna, vielen Dank für deine sehr persönliche Einschätzung, wie du versuchst du gut für dich selbst zu sorgen. Das finde ich toll! Das ist ja generell für Mamis ein sehr wichtiges Thema…
    An welchen Stellen siehst du bei deinen Kindern, dass sie deine neue Haltung versuchen zu übernehmen? Gibt es Dinge, die du bewusst ihnen sagst oder vorlebst?
    Viele Grüße Sophie

  6. Ich lese hier so gerne, finde so viele Inspirationen und möchte so vieles genauso gut machen wie du: Ich lese aus deinen Zeilen so viel Geborgenheit, Familie und Herzenswärme, dass mir jedes Mal selbst sehr warm ums Herz wird. Und so viel habe ich schon in meinen Alltag und in mich übernommen- ich rede nicht nur von Fächerkartoffeln und Zimtwecken. Danke für deine Arbeit und deine Inspirationen. Woher nimmst du die Ideen für deine Rezepte? Hast du noch Reiseziele auf der Agenda, die du unbedingt sehen möchtest? Dein Teenie wird ja auch langsam erwachsen, hat sie schon Berufswünsche oder Ideen was nach dem Abschluss kommen könnte?

  7. Ich mag beide Formen der Freitagsliebling! Vielleicht machst du auch nur 3feste und 3variable Positionen.

    Tatsächlich habe ich aber auch noch eine Frage: hattest du bei deinen Kindern auch mal die Situation, dass sie in der Entwicklung schon weiter waren als ihre Freunde
    (z.B.dein Kind haut nicht mehr, um zu kommunizieren und der Spielkamerad haut immer wieder bis dein Kind sich wehrt)?
    Liebe Grüße

  8. Ingrid Tiemann Antworten

    Liebe Anna, vielen Dank für diesen Beitrag und überhaupt für die Mühe die Du Dir mit den Freitagslieblingen machst! Da steckt so viel Liebe und Arbeit drin, man kann das spüren. Ein Geschenk für die Leser*innen!

    Du schreibst, „… was ich beim ersten Kind noch nicht wusste, beim dritten aber schon, hätte ich niemals wissen können, bevor ich es erfahren habe. “ Das liest sich so schlicht und ist doch so sehr wahr. Es tröstet mich, denn ich hadere manchmal doch mit meinem 14 Jahre jüngeren Ich, dass damals beim ersten Kind Dinge ganz anders angepackt hat, als ich das jetzt beim Dritten tue. Danke dafür!

    • Liebe Ingrid, das kann ich gut verstehen. Auch wenn bei meinen Kindern der Abstand nicht so gewaltig ist und ich noch sehr gut weiß, warum ich Dinge beim ersten Kind noch anders gemacht habe, kenne ich das Gefühl, mit sich zu hadern. Ich versuche das immer unter dem Label „dazugelernt“ abzulegen. Wir sind auch nur Menschen, wir machen es, so gut wir können und so gut wir es wissen, aber darüber hinaus ist es für uns eben auch wichtig, uns weiterentwickeln zu dürfen. Das gilt auch für den Bereich der Kindererziehung. Es ist doch super, dass wir dazulernen! Ganz liebe Grüße, Anna

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