Zum zweiundzwanzigsten Mal schreibe ich die Morgenseiten, heute sogar endlich mal wieder wie es gedacht ist, nämlich früh, bevor irgend etwas anderes passiert. Außer Kaffee.

Herr Morgen aka der Berlinmittedad ist für zwei Tage in Berlin, aus Jobgründen und aus Freundschaftsgründen, denn er begleitet einen langjährigen Freund am Beerdigungstag seiner Frau. Während er also heute und morgen keinen schönen Tagen entgegensieht, bin ich im Haus am Meer und hüte die Brut, inklusive dem kleinen Hund. Und weil kleine Hunde nunmal so was wie Babys sind, müssen sie früh aufstehen und Pipi machen gehen. Zum Glück meldet unser Percy das sehr zuverlässig, nur eben auch sehr früh. Meine Nacht endete punktgenau um 6h morgens.

Morgenseiten – ein Ferienprojekt?

Und so sitze ich hier in meinem Sessel, sehe der Sonne zu, wie sie zum die Ecke kommt und schreibe Morgenseiten. Viele von euch haben mir dazu geschrieben, sowohl hier als auch per Mail und drüben auf Instagram. Wie sehr sie die Texte mögen, diese Rückkehr zum Schreiben ohne Kompromisse und ohne Korsett, und ich kann mich gar nicht genug darüber freuen und mich fragen, warum zur Hölle ich so etwas nicht viel früher gemacht habe? Und was ich mit dieser Idee anfange, wenn die 34 Tage voll sind. 34 Tage Morgenseiten, 34 Tage Ferien im Haus am Meer, 34 Tage tägliches Schreiben um des Schreibens Willen.

Meine Tage zurück in Berlin werden anders sein. Ich bin mir nicht sicher, dass ich darin so konsequent denselben Platz fürs Schreiben werde schaffen können, wie ich es in den letzten 22 Tagen getan habe. Auch wenn ich weiß, dass es mir guttun würde. Mir, dem Blog, dem Schreiben ansich.

Zurück in Berlin wird das Leben wieder anders sein. Es wird weniger Luft und weniger Licht darin sein und natürlich weniger Wald und weniger Meer. Weniger Morgenseiten? Keine Eiche in meinem Garten mit einer Schaukel und Lampions darin, die mir jeden Tag allein mit ihrem puren Dasein das Herz leichter macht. Nicht, dass es notwendigerweise schwer wäre. Aber mein Prerowherz ist schon immer ein bisschen leichter als mein Berlinherz.

Morgenseiten: Unter der Eiche | berlinmittemomm.com

Berlinherz vs Prerowherz und Respekt vor dem Winter

Zurück in Berlin wartet ein anderes Leben auf mich. Eins mit Schulkindern und ihren Herausforderungen. Aber es ist mehr als das. Normalerweise sehe ich jeden Sommer mit einigermaßen frohem Herzen, wie die Ferienzeit die Kinder hat wachsen lassen. Wie die freien Tage, die viele Sonne und das viele Draußensein sie quasi in ihrer Entwicklung beflügelt und sie für ein neues Schuljahr vorbereitet haben. Sie kommen auf eine Art gestärkt, neu gewappnet und bereit zurück in ihren Alltag. Dieses Jahr fühlt es sich anders an.

Noch mehr als letzten Sommer haben wir alle dieses Feriengefühl gebraucht. Wir alle haben einen harten Winter hinter uns, die lange Zeit des Lockdowns, in der ich hier kaum etwas zu schreiben wusste, als Corona Alltagschecks. Vor allem die Kinder gingen zwischen Quarantänen, Distanzunterricht und Wechselunterricht hin und her. Was sie geleistet haben im letzten Schuljahr ist unglaublich, und die Aussicht auf einen Sommer hier war für uns die ganze Zeit über der Lichtblick.

Jetzt ist der Sommer vorbei. Ein Blick auf die Zahlen weltweit lässt uns ahnen, dass auch der kommende Winter wieder sehr von der Pandemie geprägt sein wird. Schon jetzt gehen die Inzidenzen hoch, während die Deltavariante auf dem Vormarsch ist. Selbst unter Geimpften macht diese Virusvariante die Runde. Und selbst wenn die Verläufe durch die Impfung nach wie vor mild sind, wird doch deutlich, dass wir alles andere als „durch“ sind mit dem Thema Corona.

Ich gehe davon aus, dass wir wieder Quarantänen erleben werden. Dass Maskenpflicht und Testungen zu unserem Alltag gehören werden und dass durch die halbherzigen Maßnahmen in Schulen und Kitas mal wieder die Kinder es sein werden, die es am härtesten trifft. Das macht mir jetzt schon das Herz schwer, auch wenn ich weiß, ich sollte mich an diesen hellen Tagen freuen, so lange es geht. Immerhin haben wir noch über eine Woche Zeit hier vor uns. Ich bin mir bewusst, wie gut es uns dabei geht.

Realitätscheck  und Vorausschau

Es ist längst nicht nur die Frage nach den Morgenseiten oder wie irgend eins meiner Schreibprojekte weitergehen wird. Oder ob die Kinder in der Stadt und in ihrem Schulalltag genügend Luft zum Atmen haben. Für mich ist der Blick in unsere nahe Zukunft gerade vor allem als Realitätscheck schwierig, weil ich erneut schwere Zeiten auf uns alle zukommen sehe. Während mir hier gerade noch der freie Sommerwind um die Nase weht und wir den Kindern und uns selbst so viele Freiheiten erlauben können, wie lange davor nicht, wissen wir bereits jetzt, dass der Coronawinter hart werden wird.

Vielleicht nicht so schlimm wie letztes Jahr, vielleicht mit weniger Einschränkungen dank Impfungen, Testmöglichkeiten und hoffentlich mehr Vernunft aller Verantwortlichen und Selbstverantwortlichen. Aber dennoch.

Ob es die Morgenseiten oder ein ähnliches Projekt hier geben wird, ist dann schon fast nachrangig. Ich weiß, wir hatten auch in Coronazeiten bisher als Familie sehr viel Glück. Keiner ist erkrankt, wir sind gut durchgekommen, wir hatten viele Möglichkeiten, uns gegenseitig durch diese Zeit zu helfen. Aber es war dennoch nicht leicht. Und wie alle anderen schauen wir mit skeptischen Blicken auf den Herbst und den Winter, die vor uns liegen.

Ich bin Team „Glas halbvoll“, immer. Ich vertraue auch jetzt darauf, dass wir als Familie durchkommen werden, so wie wir gemeinsam durch alle Krisen gehen. Das wird gut werden, so oder so. Aber es ist kein bisschen Vorfreude in mir, was Herbst und Winter angeht.

Stattdessen heute sogar eine leise Wehmut, wenn ich darauf schaue, was wir am Ende unserer Zeit hier im Haus am Meer werden loslassen müssen. Die Unbeschwertheit. Das Gefühl von Grenzenlosigkeit, das unsere Tage bestimmt. Und ich persönlich – die Morgenseiten.

2 Kommentare

  1. Ich finde es schön, dass du back to the roots gehst, das macht so ein Blog wahrhaftiger. Es gibt ja noch dein Lieblingszimmer, von dem du dann und wann berichtest, vielleicht kann das Inspiration und Anker für die Morgenseiten werden.
    Du hast mal erwähnt, dass du keine Carbs mehr isst, falls du mal darüber berichten möchtest, wie es dir bekommt und wie die Umstellung war…. das würde mich sehr interessieren.
    Viele Grüße !

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