Gestern Abend bin ich mit meiner lieben Freundin Imke, mit der ich seit dreieinhalb Jahren regelmäßig den Podcast „Kaffee, Stulle, Gin“ aufnehme auf Instagram live gegangen. Wir hatten vorher in unserer Community rumgefragt, zu welchem Thema wir denn am liebsten sprechen sollten. Was würde die meisten interessieren und womit könnten wir unsere Podcast-Sommerpause unterbrechen?
Es wurde dann tatsächlich viel nach unseren Teenies gefragt, da wir auch in unseren Podcastfolgen oft darüber sprechen, wie es ist, mit Teenagern zu leben. Unsere Wahl fiel also auf das Thema „Urlaub mit Teenagern“ und es war eine sehr schön verplauderte Stunde.

Was Teenager brauchen

Wie es mir allein unter Teenagern geht, habe ich ja bereits in Teil 3 meiner Morgenseiten ausführlich beschrieben. Aber nach unserem Live gestern bin ich heute früh mit der Frage aufgewacht, was eigentlich die besonderen Bedürfnisse von Teenagern sind.
Denn eigentlich unterscheidet sich das, was Teenager brauchen gar nicht so sehr davon, was auch jüngere Kinder von uns als ihren Eltern brauchen, von Anfang an. Es geht doch immer um Liebe, um Vertrauen, um Bindung, ums Angenommensein ohne Bedingungen. Das ändert sich nicht.
Und doch ist dieses Alter ein besonderes. Was brauchen Teenager wirklich von uns? Wie können wir ihre Bedürfnisse beantworten?

Zwischen Autonomiebestreben und Sehnsucht nach dem Nest

Es gibt hier einen ausführlichen Artikel dazu und übers Elternsein mit großen Kindern, den ich bereits vor zweieinhalb Jahren geschrieben habe. Darin geht es auch viel um Konflikte und ihre Lösungen bzw die Lösungsansätze. Es geht um Beziehung und Bindung und darum, dass unsere Kinder nicht plötzlich komplett andere Menschen werden, wenn sie in die Pubertät kommen.
Aber in der Beobachtung meiner eigenen Kinder, im täglichen Zusammensein mit meinen hauseigenen Teenies (und das sind ja hier immer mehr als nur die selbstgemachten), komme ich immer wieder auf diese Essenz zurück. Was sie brauchen ist die ausbalancierte Kombination aus einem sicheren Rahmen und dem vertrauensvollen Loslassen. Das Spannungsverhältnis zwischen ihrem Wunsch, aus dem Nest zu fliegen und der Befürchtung, es könnte etwas schiefgehen, ist für sie selbst das Anstrengendste Gefühl. Das löst sich früher oder später ganz von selbst, aber ich bin überzeugt, wir können als Eltern viel dafür tun, dass es sich für unsere großen Kinder leichter anfühlt. Natürlicher.
Heute morgen habe ich in mein Handy notiert, was für mich die Essenz dessen ist, was Teenager brauchen. Was unsere Kinder von uns brauchen. Ich glaube, das drucke ich mir selbst als Reminder aus.
Was Teenager brauchen - die Essenz | berlinmittemom.com

Was sie brauchen – die Essenz

Sie brauchen die Gewissheit eines sicheren Hafens in einem sich stetig wandelnden Meer aus Gefühlen und Unsicherheiten, Anfechtungen und immer neuen Fragen über sich selbst. Sie brauchen unser Vertrauen, dass sie den Weg hinaus und zurück finden werden.
Sie brauchen den Anker, den wir ihnen ausgeworfen haben, seit dem Tag ihrer Geburt. Der Anker, der ihnen einen Fixpunkt bietet, etwas zum Festhalten und ein Ort zu dem sie verlässlich zurückkehren können. Ein Ort gemacht aus bedingungsloser Liebe, Verständnis und Toleranz.
Sie brauchen den Leuchtturm, der ihnen auch von weitem den Weg weisen kann. Die Orientierung von Werten und Regeln, auf die sie sich unumstößlich berufen und verlassen können. Die Stetigkeit des Rahmens, an dem sie sich immer wieder ausrichten können.
Sie brauchen die Weite eines Ozeans, der sich mit schier unendlichen Möglichkeiten vor ihnen ausbreitet. Den Blick auf den Horizont, der ihnen alles verspricht, was sie sich für sich selbst wünschen und vorstellen.
Sie brauchen ihr eigenes Boot, das sie besteigen und wo sie ihre Segel setzen können. Ein stabiles Boot, zu Wasser gelassen mit dem Familienschiff im Rücken, aber mit eigenen Kurs, eigenem Ziel und einem ganz eigenen Namen.
Und sie brauchen den Wind in ihren Segeln, der sie auf ihren Weg bringt. Wind gemacht aus Selbstvertrauen, das sie für sich fassen, um diesen Weg zu meistern und gemacht aus unserem Zutrauen in ihr Werden. Pusten wir ihnen diesen Wind in die Segel und unter ihre Flügel, immer wieder. Geben wir ihnen die Sicherheit, dass sie alles haben, was sie brauchen: Anker, einen Hafen, einen Leuchtturm, ihr ganz eigenes Boot und den Horizont im Blick. Dorthin geht ihre Fahrt, während wir zurückbleiben und ihnen aus der Ferne zuschauen.
Für immer der Ausgangspunkt ihrer Reise, für immer die Basis all dessen, was sie sind. In Liebe.
Das ist es, was sie brauchen.

Last Updated on 9. August 2021 by Anna Luz de León

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