Die Woche ist wie in einem Wimpernschlag verflogen und ehrlich gesagt war sie nicht eine meiner Lieblingswochen. Aber ich habe dennoch schöne Dinge gesammelt, eine liebe Gewohnheit, die ich mit der Kategorie der Freitagslieblinge hier für den Blog ritualisiert habe. Schön, dass die gesammelten Lieblinge der Woche hier immer so gerne gelesen werden.

Mein Lieblingsbuch der Woche „Mein kleines dummes Herz“ (Amazon Partnerlink) ist von Xavier-Laurent Petit und wir haben es vor kurzem geschenkt bekommen. Darin geht es um die herzkranke Sisanda, die mit Mutter und Großmutter in einer kleinen Hütte lebt und all die Dinge nicht tun kann, die Neunjährige üblicherweise so tun, weil ihr schwaches Herz es ihr nicht erlaubt. Eigentlich bräuchte sie eine teure Herzoperation, aber die ist für ihre Familie nicht finanzierbar. Im Gegensatz zu Sisanda, die einen geringen Bewegungsradius hat, ist ihre Mutter Maswala ständig in Bewegung und läuft lange Strecken. Als sie erfährt, dass ein großer Marathon veranstaltet wird, bei dem der Gewinner*in ein hohes Preisgeld winkt, meldet sie sich an, um das Leben ihrer Tochter zu retten, den Sisandas Zustand verschlechtert sich zusehends…

Wir haben noch nicht angefangen, tiefer in die Geschichte einzutauchen, aber wir sind sehr gespannt!

Mein kleines dummes Herz | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsessen der Woche habe ich vorgestern gemacht, eins unserer liebsten Pastagerichte mit gebratenen Auberginen, Tomatensugo und Mozzarella. Das Rezept findet ihr hier, weitere Lieblingspastarezepte habe ich hier zusammengefasst. Es war köstlich!

Mein Lieblingsmoment der Woche ist heute mal wieder dabei, die alte neue Lieblingskategorie für die Freitagslieblinge, die ich persönlich immer besonders mochte. Wir waren am Wochenende seit langem wieder auf dem Darß, nachdem wir monatelang wegen Corona ja nicht hin konnten. Das war einfach….! Ohne Worte.

Sonnenuntergang Darß | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche ist ein Video, das Shary Reeves gemeinsam mit Carolin Kebekus gemacht hat, ein Brennpunkt zum Thema Rassismus. Zu Wort kommen unter anderem Alice Hasters, Journalistin und Autorin des Buches „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen – aber wissen sollten“ (Amazon Partnerlink), Tyron Ricketts, Patrick Owomoyela, Aminata Touré, Marius Jung, Thelma Buabeng und einige andere, die über ihre eigenen Rassismuserfahrungen in Deutschland sprechen.

Besser als die Betroffenen selbst kann es niemand ausdrücken. Schaut einfach hin, hört zu, erkennt an, was berichtet wird und lernt. Das sollten wir alle immer wieder tun.

Carolin Kebekus: Brennpunkt Rassismus | berlinmittemom.com

 Mein Lerneffekt der Woche… Ich weiß es nicht. Oder vielleicht weiß ich, dass ich nichts weiß. Und das gilt gerade für so viele Bereiche in meinem Leben, in unser aller Leben. Corona, die Lockerungen, die Sorglosigkeit der Menschen um mich her, die in pure Egozentrik übergeht, die Proteste in den USA, der schlimmste Präsident auf dem Planeten, der sich aufführt, wie ein Sonnenkönig mit Hofberichterstattung und Waffengewalt zur Durchsetzung der Inszenierungen seiner Macht, das Leben der schwarzen und braunen Menschen, das mit Füßen getreten wird, die Ignoranz, Dummheit und Bosheit der Menschen, die immer wieder die Existenz von Rassismus leugnen… Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Mein Kopf steht nicht still und dennoch komme ich zu keinem Schluss. Wie muss es den Menschen gehen, die direkt und schonungslos von all dem betroffen sind? Wie muss es sein, um sein Leben zu fürchten aufgrund der Hautfarbe? Wie muss es sein, den eigenen Kindern zu erklären, dass ihr Leben gefährdet ist aufgrund ihrer Hautfarbe? Ich weiß es nicht. Ich weiß, dass ich nichts weiß. Aber ich versuche weiter und weiter, zuzuhören und hinzuschauen und nicht still zu sein. Niemals still zu sein.

FRAGESTUNDE…

Steffi freut sich mit mir über unser Haus auf dem Darß – danke dir von Herzen! Und sie möchte wissen, wie wir das Grundstück gefunden haben. Ich werde tatsächlich darüber noch ausführlicher hier berichten, aber so viel sei gesagt: es war ein absoluter Glücksfall und Zufall – obschon ich eigentlich nicht an Zufälle glaube… Aber dazu bald mehr hier!

Paula fragt, welche Ängste mich umtreiben bezüglich Corona und ob die Stimmung im Kiez sich verändert hat. Ich finde, das ist sehr unterschiedlich. Zwischen den Menschen, die sich ohnehin nahe sind, die direkten Nachbarn, die Frau im Bäckerwagen, zu dem wir immer gehen, die Apothekerin unseres Vertrauens ist die Stimmung wie immer. Man redet offen und tauscht sich über Eindrücke aus. Ansonsten sehe ich, dass unter völlig Fremden tatsächlich mehr Abstand gehalten wird, was mich persönlich beruhigt und freut. Im Park wird mit Abstand gepicknickt, die Menschen machen einander mehr Platz beim Spazierengehen als früher und auch auf dem Samstagsmarkt hatte ich zuletzt den Eindruck, dass man vorsichtig ist. Freundlich aber vorsichtig.

Was mir Sorgen macht, ist die Hast, mit der gelockert wird. Ich habe das Gefühl, wir sind im Versuchsmodus und keiner weiß eigentlich, was richtig ist. Wie auch? Aber gerade deshalb würde ich mir wünschen, dass die Dinge mit mehr Bedacht vorangetrieben würden. Dass wir besser und bewusster miteinander umgehen, dass wir uns nicht von unseren individuellen Bedürfnissen leiten lassen, sondern weiterhin von der Rücksicht aufeinander. Wenn ich die Schlauchbootraver auf dem Landwehrkanal sehe, die letztes Wochenende ohne Beachtung von Abstandsregeln und Maskenpflicht wie die Bescheuerten gefeiert haben, fällt mir echt nichts mehr ein. Dasselbe gilt für viele andere Bereiche, in denen die Menschen einfach so tun, als sei das alles jetzt vorbei. Ich fürchte mich vor einer zweiten Welle und davor, dass alles noch mal viel schlimmer wird und Menschen schwer erkranken oder gar sterben, weil andere keinen Bock haben, Maske zu tragen oder Abstand zu halten. Mich lässt das ehrlich gesagt mitunter verzweifeln.

Mutter Tochter Selfie 2020 | berlinmittemom.com

Anni berichtet von der beginnenden Pubertät ihrer Tochter und fragt, wie das denn bei uns so war/ist. Was soll ich sagen? Wild! Diese Lebensphase ist für alle Beteiligten eine herausfordernde Zeit und ich kann nur sagen, dass ich diese Zeit wesentlich anstrengender finde, als die schlaflosen Nächte der Baby-  und Kleinkindphasen. Erstens bekomme ich teilweise ähnlich wenig Nachtschlaf. Und zweitens ist die Zeit vorbei, in der wir als Eltern einfach alles wieder ins Lot bringen können, in dem wir unsere Kinder auf den Schoß nehmen, in unseren Armen wiegen oder sie mit Zuwendung und gemeinsamen Unternehmungen von ihrem aktuellen Weltschmerz ablenken können. Wenn die Pubertät losgeht, sind viele dieser Maßnahmen wirkungslos oder funktionieren nur noch eingeschränkt. Das empfinde ich vor allem in den Situationen als schwierig, in denen die großen Kinder eigentlich Trost und Zuspruch brauchen – den sie aber nicht (mehr) in erster Linie von ihren Eltern möchten. Ich versuche, dranzubleiben, mich nicht an „Kleinigkeiten“ aufzuhängen, sie sein zu lassen, wer sie sind oder gerade werden wollen. Sie zu lassen und doch in ihrer Nähe zu sein und zu signalisieren, dass ich da bin, Arme und Herz immer weit offen. Finde ich oft nicht leicht und immer herausfordernd… Ich glaube, darüber muss ich noch mal ausführlich schreiben.

Ab heute sammele ich für die nächsten vierzehn Tage wieder eure neuen Fragen. Ich freu mich immer, von euch zu lesen!

Damit sind die Freitagslieblinge heute fast Samstagslieblinge. Habt ein gutes Wochenende, tankt auf und passt auf euch auf!

2 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    ich freue mich schon sehr über den baldigen Bericht zu Eurem Häuschen an der Ostsee!!
    Liebe Grüße nach Berlin, Steffi

  2. Das hast Du sehr schön gesagt mit den hastigen Lockerungen. Mir geht es genau so. Einerseits werden wir ständig darauf hingewiesen, dass das alles noch lange nicht vorbei ist. Andererseits tun Politiker – mir scheint fast, oft gleichzeitig – so, als müsste jetzt aber alles ganz ganz schnell wieder normal werden. Schulöffnungen für alle wie vor Corona zum Beispiel. Aber auch große Demonstrationen. Mein Sohn kam vom Alexanderplatz zurück nach der Anti-Rassismus-Demo und meinte, er habe das nur kurz ausgehalten, es seien so viele Leute dagewesen „und ich dachte, hier wäre so eine Pandemie“. Ich finde es absolut irre, wie weltweit demonstriert wird. Aber es macht mir auch Angst. Denn ob es nun Raver auf dem Landwehrkanal oder Antirassisten auf dem Alex sind – es sind halt immer sehr viele Menschen sehr eng zusammen. Schwierig alles.
    Und ständig geht es um den Urlaub, den wir jetzt im Ausland verbringen sollen, weil es z.B. Griechenland nur so wenige Corona-Fälle gibt. Und dann denke ich: die sollen doch froh sein, dass sie das nicht haben, und sich jetzt nicht scharenweise die Leute aus dem am stärksten betroffenen Regionen Europas ins Land holen. So, als ob wir gar nicht das Problem sind.

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