Also.
Wie das alles so ist.

Elternabend 4. Klasse: check.
Elternsprecheramt nach drei Jahren abgeben: check.
Getränke für Elterninitiativ-Stand besorgen: check.
Ausflug Vorschuklasse: check.
Sozializing mit neuen Eltern: check.
Supply List Kitagruppe: check.
Läusevorbeugung auf allen Köpfen: check.

Und eigentlich ist das kleinste Kind ganz fröhlich und gut angekommen, verlangt nicht länger von mir ich möge, wenn ich schon die Kita verlasse, selbstverständlich, NICHT das Auto nehmen, sondern müsse, selbstverständlich, in der Nähe bleiben. Und es wolle keinesfalls zum Mittagsschlaf dort bleiben sondern müsse von mir nach dem Mittagessen, selbstverständlich, abgeholt werden. Soweit so gut. Das mit dem Schlafen kriegen wir auch noch hin. Aber dieses Kind ist entspannt.
Leider habe ich ja im selben Gebäude noch die beiden anderen und diese beiden sind sich der Tatsache wohl bewusst, dass die Mama da jetzt permanent rumhängthing. Leider führt das in der Regel nicht nur zu purer Wiedersehensfreude in den Hofpausen oder zu coolem Abklatschen auf dem Weg zum Essen, sondern es bringt auch mit sich, dass die beiden sich natürlich mit jedem Wehwehchen an MICH wenden möchten.
Der Bub hängt also jammernd im Erdgeschoss aus dem Fenster, wenn er meiner ansichtig wird, weil er keine Geburtstagseinladung von Kumpel X bekommen hat, sein bester Freund aber schon. Oder weil er der Meinung ist, er müsse jetzt auch bereits nach dem Mittagessen mit nach Hause fahren, so wie die kleine Schwester: „Mama, wenn ich dich nicht sehe, will ich gar nicht zu dir und ich vermisse dich nicht, aber wenn ich dich sehe, dann möchte ich auch bei dir sein. Und das ist voll fies (!), dass die Rosanna schon nach Hause darf und ich gar nicht!“ Voll fiese Mutter erklärt dann, dass es Rosannas Eingewöhnungszeit sei und nicht seine und dass er ja, als er in der Kita anfing, ebenfalls nicht gleich dort schlafen musste, sondern dass er genauso dann mittags mit nach Hause durfte undsoweiter. Antwort: „Trotzdem. Voll fies und gemein!“ Seufzer.
Das große Kind wiederum, seines Zeichens eigentlich coole Viertklässlerin und stolz darauf, entwickelt ebenfalls solche Rockzipfelverhaltensweisen und lauert mir in der Hofpause auf. Erwartet, ich solle um 11 auf dem Hof sein, weil ich das in den letzten Tagen natürlich immer war. Wegen ihrer kleinen Schwester! Aber das ist wohl sekundär, denn die Jungs in der Klasse haben gesagt, sie sei ein langes Luder und überhaupt sei sie „fett“, und das kann man auf einmal nicht mehr alleine regeln, sondern da soll Mama ad hoc bitteschön da sein und trösten. Man muss dazu sagen, dass das große Kind zwar wirklich lang ist, dabei aber bohnenstangendünn, dass also der Blick in den Spiegel ihr eigentlich schon sagt, dass die Jungs ein Ding an der Waffel haben und mitnichten recht. Aber auch meine kleine Rede hierzu wurde abgeschmettert: „Aber Mama, ich brauche dich, du sollst kommen und mich trösten und in der Hofpause da sein! Ich kann das den Jungs nicht sagen, dass sie das lassen sollen, ich kann sowas einfach nicht! Und es ist voll fies, wenn du mit Rosanna hier bleibst und immer kommst, wenn sie dich braucht und auf dem Handy erreichbar bist und für mich kommst du gar nicht!“

Seufz.

Also sitze ich jetzt hier, an dem ersten Vormittag seit zwei Wochen, den ich zu Hause, am Schreibtisch, in Ruhe (!) verbringen könnte, weil mein Kita-Eingewöhnungskind total cool ist und sich fröhlich von mir verabschiedet hat und kann mich nicht auf meine Arbeit konzentrieren, weil ich so gemein zu meinen anderen Kindern war. Die eigentlich vor Jahren schon eingewöhnt waren und ansonsten in ihrem Schulalltag super gut ohne mich zurecht kommen. Von denen ich eher erwartet hätte, sie könnten ihrer kleinen Schwester in deren erster Phase hilfreich zur Seite stehen, für den Fall, sie fühle sich mal nicht so sicher und ich wäre nicht da. Gepfiffen! Stattdessen also Eifersüchteleien, Regression wie aus dem Handbuch für Geschwisterkinder (so eins sollte ich mal verfassen!) und klettigstes Klettverhalten.

Aaaaah! Ich möchte das nicht. Ich will, dass diese Eingewöhnung für uns alle jetzt vorbei sein soll. Ich möchte am Morgen fröhliche Kinder losschicken und am Nachmittag fröhliche Kinder wieder abholen. Und dazwischen will ich keine sehen und hören, sondern wieder die Herrin über meine Zeit sein. Ach, was für eine schöne Vorstellung…

Bis es soweit sein wird (und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es bald soweit sein wird), muss ich in der Zwischenzeit Bolognesesauce kochen und bloggen, die Kinderbetten machen und die Kinderklamotten waschen und in die Kinderschränke räumen und bloggen, Gartenarbeit machen und einkaufen und rumräumen und bloggen. Weil ich die ganze Zeit an die traurigen großen Kinder denken muss und nicht arbeiten kann. Obwohl ich so gern möchte.

Oh Mann, das ist voll fies!

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