Der Freitag ist da und die Freitagslieblinge sind nach einer Woche Pause zurück. Tatsächlich habe ich es letzte Woche aus Reallifegründen nicht geschafft, zu posten. Und wisst ihr, was das Schöne daran ist? Es macht mir gar nichts aus. Ja, es sind Freitagslieblinge und ja, sie sollen freitags erscheinen, aber da es keine Mitmachaktion für andere Blogger*innen ist, die sich darauf verlassen, um sich zu verlinken, habe ich die Freiheit, sie so fertigzustellen, wie es bei mir ins Leben 1.0 passt. Und das ist herrlich!

Heute also spät-späte Freitagslieblinge. Weil in den letzten Tagen so viel Wichtiges (und Schönes) war, unter anderem der 12. Geburtstag vom Lieblingsbub.

Mein Lieblingsbuch der Woche habe ich schon vor einiger Zeit ausgelesen und obwohl ich es sehr mochte, bisher gezögert, es zu empfehlen. Es geht um das Buch Elly von der von mir sehr geschätzten Maike Wetzel* (ich empfehle für Kurzgeschichtenliebhaberinnen auch ihren Band mit Erzählungen „Lange Tage„*) – und in diesem Buch geht es um das Verschwinden eines Kindes. Es ist der Alptraum aller Eltern, dass einem mit dem eigenen Kind so etwas passiert: dass es auf dem Weg zum Training, zur Freundin, zur Schule, einfach verschwindet. Und genau damit befasst sich „Elly“ und erzählt aus verschiedenen Perspektiven (die der Schwester, der Mutter, des Vaters etc) von diesem Verschwinden und seinen Konsequenzen und Effekten auf die restlichen Familienmitglieder. Es ist wunderbar geschrieben und sehr eindringlich, dabei aber kein bisschen laut oder reißerisch, kein bisschen wehleidig oder exhibitionistisch; es tut weh beim Lesen und hat doch eine Sogwirkung, allein durch die großartige Sprache. Leseempfehlung trotz schwierigem Thema von mir.

Freitagslieblinge: Elly | berlinmittemom.ccom

Mein Lieblingsessen der Woche hat das Goldkind gekocht. Zum Geburtstag gab es nämlich für sie das Kinderkochbuch An den Herd und losgekocht, und daraus hat sie Hühnchen mit grünen Bohnen und Reis gekocht. Unterstützt von Klein-I wurde hier geschnippelt, gekocht, gerührt und gewürzt und was soll ich sagen – es war köstlich.

Asiatisch kochen mit Kindern | berlinmittemom.com

Man braucht für 6 hungrige Familienmitglieder oder Freund*innen

  • 750-800g grüne Bohnen
  • 650g Hähnchenbrustfilet
  • 500g Basmati
  • 1 frische Knoblauchzehe
  • Salz, schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • dunkle Sojasauce
  • wer mag: geröstete Cashewkerne als Topping
  • geschmacksneutrales Öl zum Braten, z.B. Rapsöl

Bohnen putzen und in kleine Stücke schneiden, Hähnchen abspülen, trockentupfen und in mundgerechte Stücke schneiden. Knoblauch schälen und in feine Würfel schneiden oder zerdrücken. Reis kochen. Das Fleisch in ca. 4-6 EL Sojasauce kurz marinieren. Dann im Wok das Öl erhitzen und das Hähnchenfleisch mit dem Knoblauch anbraten, bis es rundherum schön gebräunt ist. 4-6 EL Sojasauce und die Bohnen dazugeben und alles mit Pfeffer würzen. Jetzt wird gebraten, bis die Bohnen die gewünschte Garstufe erreicht haben. Dann Reis und Fleisch mit Bohnen auf geeignete Schälchen oder Teller verteilen und nach Wunsch mit gehackten, geröstete Cashews bestreuen. Perfekt einfach und echt köstlich.

Mein Lerneffekt der Woche ist kein einzelnes großes WOW-Erlebnis, sondern besteht aus vielen kleinen Aspekten, die ich euch heute mal in Listenform präsentiere. Und vielleicht ist das das zukünftige Format für diese Kategorie, weil es nicht so viele klug formulierte fertige Sätze braucht, sondern mit Gedankenschnipseln auskommt. Here we go:

  • Es geht mir so viel besser, wenn die Sonne scheint. Ich bin quasi ein besserer Mensch!
  • Freundinnenzeit macht mich ebenfalls zu einer besseren Version meiner selbst. Danke, Kat und Immi, ihr habt mir in den letzten 14 Tagen kostbare Me Time geschenkt. Es tut einfach gut, zusammen zu sein und zu reden.
  • Teenager sind so viel besser als ihr Ruf! Ich habe das schon oft geschrieben, aber mein großes Mädchen beweist mir mit ihrer schieren Existenz in diesem Jugendlichendasein, wie cool und toll und schlau und weitsichtig und kritisch und liebevoll und großzügig diese „Spezies“ tatsächlich ist: Teens.
  • Neue Nachbarn sind was Tolles. Überhaupt ist es schön, wenn sich in althergebrachten Strukturen mal ab und zu was ändert. Ich freu mich über den frischen Wind und die lieben Menschen.
  • Mein Sohn ist 12 und ich bin alt und das ist schön und beängstigend und wunderbar und gruselig. Aber er – er ist einfach nur mein toller, einzigartiger Sohn, immer noch und immer wieder und das macht mich so dankbar und froh.
  • Manchmal ist es gut, Dinge loszulassen und sich getrost etwas anderem zuzuwenden. Macht das Herz leicht und befreit den Kopf von ewigem Zweifeln und langem Hin und Her.

Freitagslieblinge: Ranunkeln | berlinmittemom.com

Meinem Ziel der Woche bin ich tatsächlich nähergekommen, wenn man es unter dem Aspekt „Haushaltspflichten besser abgeben/auf alle verteilen“ sieht, allerdings nicht bezüglich der Wäsche (irgendwie ist das ein hartnäckiges Thema…), aber bezogen aufs Kochen. Das Goldkind hat nämlich mit seinem Wunsch, für die ganze Familie (plus Gäste) zu kochen, eine Diskussion über das tägliche Kochen angestoßen und jetzt ist der neue Plan der Kinder, dass jede Woche ein anderes Kind für einen Tag das Kochen übernimmt. Nächste Woche ist die Große dran. Und ich werde berichten, wie es weitergeht. Statt konkretem verschriftlichten Plan, wie die Wäschewascherei und -falterei besser verteilt werden soll, machen wir uns also ans Mealplanning. Soll mir recht sein! Ich find’s toll.

Aufgaben im Haushalt verteilen | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche habe ich für diese Edition der Freitagslieblinge bei der wunderbaren Nic von Luziapimpinella gefunden, die sich in ihrem aktuellsten Blogpost mit dem wichtigen Thema der Europawahl befasst. Sie nennt nicht nur ihre persönlichen Gründe, selbst wählen zu gehen, sondern erklärt auch genau, wieso die Europawahl für uns so kritisch und so wichtig ist. Für mich ihr wichtigster Punkt:

Für manche mag das vielleicht ganz selbstverständlich zu sein, wählen zu können. Ist es in dieser Welt aber nicht überall. Ich bin dankbar, dass ich in einer Demokratie lebe, in der ich frei wählen kann. In einer Gesellschaft, in der die Wahl demokratisch und korrekt abläuft und in dem die Gewinner nicht von vorn herein feststellen, weil das Ganze sowieso nur eine autokratische Farce ist. Wählen ist für mich ein Privileg, aber eben auch eine demokratische Bürgerpflicht. Nicht zu wählen heißt auch, denen freie Bahn zu geben, die man nicht in Entscheidungspositionen sehen möchte.

Europawahl 2019

Danke, liebe Nic, für deinen wichtigen Text und deinen Versuch, zumindest deine Leser*innen zum Gang zur Wahlurne zu motivieren.

Fragt mich was! Die Antworten aus der letzten Runde Freitagslieblinge-Fragestunde

1. Maren hat in den Kommentaren der letzten Freitagslieblinge gefragt, wie meine Kinder meinen Blog und meine Texte wahrnehmen und mit welchen Reaktionen von außen sie umgehen müssen. Sie wollte wissen, ob man uns erkennt und/oder anspricht oder ob meine öffentliche Arbeit in der Schule oder anderswo Thema ist.

Interessanterweise werden wir sehr selten angesprochen, ich glaube, die Kinder noch nie. Mich erkennen relativ oft andere Leute auf der Straße oder beim Einkaufen, meistens kriege ich dann aber im Nachgang eine Nachricht über Social Media („Ich hab dich bei Edeka gesehen!“) und nur sehr selten spricht mich jemand wirklich an. Neulich war das der Fall, als ich in Hamburg auf dem Geburtstag eines Freundes war, das hat mich dann persönlich sehr gefreut, dass sich jemand dann ein Herz gefasst und mir gesagt hat, dass sie meinen Blog liest und mag.

Die Kinder nehmen den Blog ganz unterschiedlich wahr. Die Große liest das sehr oft und wir reden darüber, die Kleinen gucken eher mal in Social Media. Sie finden es egal bis gut, was ich mache und es gab erst einmal eine etwas anstrengendere Reaktion, als ein Mädchen aus der Schule einen Blogpost etwas spöttisch kommentiert hat. Aber da wissen meine Kinder sich zu wehren. Sie haben übrigens vor ganz kurzem auf der Kinderseite der Zeit ein Interview dazu gegeben mit dem Titel „Das hat Mama uns eingebloggt!“

2. Sophie hat gefragt, woran ich sehe, dass meine Kinder versuchen, meine Haltung zu übernehmen und ob es Dinge gibt, die ich ihnen bewusst vorlebe oder sage.

Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass die Kinder viel mehr durchs Abschauen und Nachahmen von uns lernen, als durch das, was wir ihnen ständig vorbeten. Es gibt Rituale in der Familie, die sich im Idealfall verselbständigen und für sich stehen, wie z.B. Händewaschen vor dem Essen und Zähneputzen oder Anschnallen im Auto. Andere Dinge schauen sie sich anders ab, weil sie mich genau beobachten: bin ich ungeduldig mit mir? Bin ich selbstkritisch? Kann ich gut „Entschuldigung“ sagen? Kann ich Fehler zugeben? Kann ich großzügig sein zu anderen und zu mir selbst? undsoweiter. Die Liste ist natürlich lang. Was ich sagen will: ich spüre, dass ich, wenn ich mir bewusster mache, was ich warum und wie tue und mich um einen guten Umgang mit mir selbst bemühe, auch meine Kinder damit positiv beeinflusse. Es ist ein Unterschied, ob ich mich morgens fröhlich anziehe und mit den Kindern rede oder ob ich vor dem Spiegel stehe und darüber meckere, dass ich mich zu dick fühle. Es ist ein Unterschied, ob ich sage „Puh, ich bin müde, lass uns mal ein bisschen in Ruhe hier auf dem Sofa liegen“ oder ob ich sage „Ich schaff das alles nicht, ich bin so gestresst, geh mir aus dem Weg, ich kann das jetzt nicht…“ oder was auch immer. Der besonnenere und behutsamere Umgang mit mir und ihnen überträgt sich im positiven Sinn auf sie. Sie greifen das auf und sind selbst entspannter miteinander und mit sich selbst, zumindest für den Moment.

Freitagslieblinge: Geschwisterstreit, Geschwisterliebe | berlinmittemom.com

3. Theresa fragt nach meinen Ideen für Rezepte, nach Reisezielen auf der Agenda und danach, ob meine Große schon Ideen hat, was sie nach dem Abschluss machen möchte.

Ich bin ein Kochbuchjunkie. Ich kaufe wie eine Süchtige neue, schöne Kochbücher, durchforste sie nach alltagstauglichen Rezepten und probiere vieles aus. Aber ich suche auch online nach schönen Rezepten und Ideen und folge einigen Foodblogs wie zum Beispiel Our Foodstories, NYT Cooking oder Nadia Lim. Da lasse ich mich inspirieren und schaue, was ich vereinfachen und fürs Familienkochen anpassen kann.

Balkonpicknick | berlinmittemom.com

Reiseziele haben wir tatsächlich noch einige, auch wenn einige davon sicher für immer ein Traum bleiben werden. Patagonien ist so ein Ziel, aber ich träume auch schon immer von Hawaii, Südafrika und Peru. Die Kinder haben ebenfalls Traumziele, die sich nicht unbedingt mit unseren decken. Und es gibt noch eine Städtereiseliste, die wir ja mit Paris, London oder Lissabon schon angefangen haben. Da gibt es noch einiges, das wir noch gemeinsam vorhaben.

Die Große hat noch keine Pläne. Erstmal muss sie ja noch zwei Jahre zur Schule gehen, das ist Zeit genug, um sich was zu überlegen. Oder auch nicht. Ich denke, sie wird erstmal reisen, aber wer weiß…?

4. Paula möchte wissen, ob ich mit meinen Kindern mal die Situation hatte, dass sie in ihrer Entwicklung anderen Kindern im Freundeskreis voraus waren.

Wenn ich die Frage richtig verstehe, ist damit gemeint, ob ich im Umgang der Kinder untereinander diesbezüglich Unterschiede festgestellt habe und wie sich das ausgewirkt hat. Ich bin mir nicht sicher, ob die Unterschiede, die ich da natürlich schon oft gesehen habe (manche Kinder können besser Streit schlichten oder sich besser entschuldigen, manche sind empathischer als andere usw), wirklich etwas mit dem jeweiligen Entwicklungsstand zu tun hatten oder ob es nicht vielleicht auch an der individuellen Persönlichkeit der beteiligten Kinder lag, dass sie unterschiedlich mit bestimmten Situationen umgingen. Ich erinnere mich an so einfach festzustellende Dinge wie die Tatsache, dass meine Große wesentlich früher sprach als die gleichaltrigen Kinder um uns herum oder dass die Kleine wesentlich früher laufen konnte als ihre Geschwister oder Nachbarskinder im selben Alter. Aber das sind Meilensteine der Entwicklung, die alle gesunden Kinder ohne besondere Einschränkungen in der Regel irgendwann erreichen. Was das Sozialverhalten angeht, finde ich das wesentlich schwieriger zu beantworten, auch weil ich glaube, dass (m)eine subjektive Einschätzung nicht unbedingt objektiv richtig sein muss. Und es kommt ja auch auf das Alter der Kinder an, wie genau man das von außen betrachtet beurteilen kann. Ich glaube, die Unterschiede liegen doch auch sehr in der Art und Weise, wie mit den Kindern in der Familie und der Tagesbetreuung umgegangen wird, was sie an Sozialverhalten um sich herum sehen und wie sie das für sich übersetzen. Da sind die Voraussetzungen eben doch oft sehr verschieden und beim Zusammentreffen auf dem Spielplatz stehen sich dann auf einmal Welten gegenüber.

Damit sind die Freitagslieblinge komplett und ich stelle fest, ich mag die Liste beim Lerneffekt der Woche. Ich glaube, das lass ich erstmal so. Habt ihr neue Fragen? Oder wisst ihr jetzt alles, was euch so interessiert?

Ich wünsch euch ein schönes Wochenende – und geht wählen am Sonntag. Unbedingt.

3 Kommentare

  1. Liebe Anna! Wollte Dir mal eben sagen, dass ich die neuen Freitagslieblinge viel stimmiger und irgendwie unstressiger finde. Und inspirierend dazu! Danke für Deine Mühe!!! Ein schönes Wochenende!

    • Liebe Miriam, danke dir für dein Feedback – das freut mich total! Und ich mag die neue Freitagslieblinge auch lieber als die alten. Es war einfach Zeit für eine Veränderung. Ganz liebe Grüße und dir auch ein schönes Wochenende!

  2. Ich finde deine neuen Freitagslieblinge auch sehr stimmig und ich nehme jedes Mal etwas für mich davon mit.
    Was mich interessieren würde, weil ich es von Dir nicht weiß: Wie haben dein Mann und du das mit der Erwerbsarbeit geregelt? Gehst du auch einer bezahlten Arbeit nach? (Bitte nicht falsch verstehen, ich selbst bin Familienmanagerin und finde es einfach spannend, wie andere das lösen).
    Lieben Gruß und einen schönen Wochenstart. Steffi

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