Die Woche war kurz. Und irgendwie… hart. Ich bringe zur Zeit kaum einen Filter zwischen die Welt und mich. Das macht es  mir zur Zeit schwer, gut und produktiv zu arbeiten. Aber ein bisschen was geht immer, so wie die Freitagslieblinge.

Mein Lieblingsessen der Woche war ein Erbsenrisotto mit Minze. Sommerlich, leicht, einfach zu machen. Das Rezept liefere ich euch morgen hier nach, dann könnt ihr es gleich am Wochenende ausprobieren, wenn ihr mögt.

Grünes Risotto mit Erbsen und Minze | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsbuch der Woche hat mich gleich mit den ersten Seiten gepackt, weil das Thema einfach hochspannend und das Buch wunderbar geschrieben ist. „Sprache und Sein(Amazon Partnerlink) von Kübra Gümüşay steht schon ewig auf meiner Leseliste, jetzt habe ich es mir endlich gegönnt und bin bereits im ersten Drittel gefesselt von der Thematik und auch vom Schreibstil der Autorin. Wenn ich sage, es geht in ihrem Buch darum, wie Sprache nicht nur unser Denken bestimmt, sondern auch unser Wertesystem, wie Sprache der Schlüssel dazu ist, wie ganze Kohorten fühlen, denken und interpretieren, dann greift das viel zu kurz. Im Grunde geht es in diesem Buch auch um den Wunsch, dass Sprache etwas sein soll, das verbindet und nicht trennt. Die Sehnsucht nach einem Ort, an dem wir uns ausdrücken können und gesehen, verstanden und angenommen werden. Ich bin sehr angetan und freue mich auf jede weitere Seite.

Freitagslieblinge: Sprache und Sein | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsmoment der Woche ist ehrlich gesagt  schwer auszumachen. Nicht, dass es keine schönen Momente gab, aber irgendwie war ich diese Woche in meinem Kopf  so beschäftigt, dass ich viele kleine Augenblicke gar nicht so bewusst wahrgenommen habe, fürchte ich. Sport im Park nach dem Regen hat gut getan. Podcasten mit Immi für KaffeeStulleGin hat gut getan. Und mit den Kindern Coco schauen, Gummibärchen essen und ein bisschen dabei heulen hat gut getan. Davon gibt es sogar ein Bild.

Filmeschauen mit den Kids | berlinmittemom.com

Meinen Inspiration der Woche habe ich beim Podcasthören gefunden bzw bestätigt. Ich habe in den letzten Wochen viele (für mich) neue Podcasts gehört und auch Artikel und Posts gelesen, die sich mit (post)migrantischem Leben in Deutschland befassen. Dabei geht es im Alltäglichen sowohl um Banales wie um Bedeutungsvolles, um Poetisches wie Politisches und da ist alles dabei. Vieles hat mich beeindruckt, zu einigem fand ich nicht so leicht den Zugang und bei manchen habe ich wie verrückt nickend da gesessen und mich nicht nur „abgeholt“ gefühlt, sondern auch Gedanken in Worte gefasst gehört, die ich in meinem eigenen Kopf noch nicht habe so gesammelt ausdrücken können. Zur letzten Kategorie gehört der Podcast „Kanackische Welle“ von Malcolm Ohanwe und Marcel Aburakia. In den letzten zwei Tagen, in denen ich dank des fiesen Bisses (eigentlich sind es vier Bisse!) einer Kriebelmücke dazu verdammt war, herumzusitzen, den Knönchel ständig zu kühlen und den Fuß hochzulegen und mit diversen Tinkturen und Salben zu behandeln, habe ich viele Stunden Kanackische Welle gehört und kann nur sagen: zieht es euch rein, hier teilen zwei kluge junge Männer ihre differenzierte, durchdachte, oft emotionale und deshalb nicht minder richtige Sicht auf die Frage nach Identität im Einwanderungsland Deutschland.

Kanackische Welle | berlinmittemom.com

Mein Lerneffekt der Woche ist mir erneut nicht ganz klar. Manchmal glaube ich, ich bin zu soft. Die Dinge treffen mich zu tief, beschäftigen mich zu sehr, treffen zu schmerzlich. Dann denke ich, ich müsste mir ein dickeres Fell zulegen, um mich besser zu schützen. Vielleicht muss ich das auch, in gewisser Hinsicht. Andererseits ist die Welt schon so hart. Die Menschen sind hart, zu sich selbst und zueinander. Muss ich da wirklich mitmachen? Oder ist es auf eine spezielle Weise radikal richtig, soft zu bleiben? Schmerz zuzulassen, ihn zu benennen und zu adressieren? Ich brauche definitiv eine bessere Balance, was das angeht. So viel ist mir klar. Aber ich fürchte, meine Softness lässt sich nicht abtrainieren, im Gegenteil. Vielleicht muss ich sie nicht überwinden sondern mit schützen, so wie den Rest von mir.

Anna Luz de León | berlinmittemom.com

FRAGESTUNDE…

Paula fragt unter anderem, ob ich auch deutsche Krimis mag: ehrlich gesagt hat mich nur Fitzek mal seeehr gefesselt hat, allerdings fand ich den dann auch teilweise zu triggernd und zu krass. Bei allen anderen deutschsprachigen Krimis hat mich noch keiner so richtig gepackt. Allerdings habe ich auch noch nicht viele „ausprobiert“… Irgendwelche Tipps?

Über das gehäufte Auftauchen von Masken in Zeichnungen für Kinderrätselhefte und -zeitschriften kann ich nicht wirklich etwas sagen, da ich das noch nicht beobachtet habe, vor allem weil meine Kinder  aus  dem Kinderräteselheftalter lange raus  sind. Die Darstellung von Masken als Selbstverständlichkeit finde ich, glaube ich, unproblematisch. Wenn die Darstellung allerdings edukativen Charakter hat, muss sie schon richtig gut gemacht sein, damit nicht eine nicht unproblematische „Normalität“ manifestiert wird á la „Alleinsein und Masektragen ist gut“  „Mit anderen spielen und singen ist böse“. Das fände ich persönlich schwierig.

Außerdem fragt sie nach dem Rezept für die Garnelenpasta von letzter Woche. Reiche ich nach!

Tanja fragt, ob unser Haus Auri schon Besucher hat. Ja!  Seit dem 08.08. ist es immerzu an Feriengäste vermietet, das macht uns ganz froh und wir hoffen, alle fühlen sich wohl.

Sie fragt außerdem, wie es sich anfühlt, in der Stadt zu leben, in der tausende von „Corona-Ignoranten“ herumspaziert sind letztes Wochenende. Ehrliche Antwort: für mich sehr schwierig. Nicht nur die konkrete Situation mit massenhaften Maskenverweigerern in den öffentlichen Verkehrsmitteln ab Freitag bis Sonntag, denen man nicht entgehen konnte, wenn man die Bahn oder den Bus nehmen musste. Oder das andauernde Kreisen der Hubschrauber über der  Stadt. Die Sorge um die Berliner*innen, die aus Angst vor Rechten in der Stadt das ganze Wochenende kaum aus ihren Wohnungen gingen, weil  sie entweder PoC sind oder jüdisch oder weil sie aus religiösen Gründen Kopfbedeckung oder Kopftuch tragen, weil sie LGTBQ sind oder eine Behinderung haben oder oder oder… Ich habe auf Instagram darüber geschrieben und werde hier auch noch etwas nachreichen. Einstweilen verlinke ich euch das hier mal:

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

R A N T ☆ Die ganze Woche habe ich nicht gebloggt. Nur gestern habe ich die #freitagslieblinge zusammengestellt und die Woche Revue passieren lassen. Was hat mich stumm gemacht? Die Welt. Die Menschen und wie sie sich verhalten. Auch heute bin ich sprachlos in den Tag gestartet ob der Ereignisse in Berlin an diesem Wochenende, den geifernden Massen von selbsternannten „Coronarebellen“, die in der Verkleidung von Demokraten, die ihr Recht auf Meinungsfreiheit einfordern, zu tausenden in die Stadt strömen und hier ohne Schutz, ohne Masken, ohne Abstand durch die Gegend laufen. Nicht zivilisiert, nicht leise, nicht friedlich, wie einige immer wieder behaupten, sondern rücksichtslos und hemmungslos. Inzwischen hat mich die Wut gepackt, das kann man in meinen Storys sehen. Ich kann das nicht ignorieren, kann nicht so tun, als wäre das hier heute n i c h t eine Veranstaltung von Rechten, Holocaustleugnern und Nazis. Und als würden nicht tausende von Menschen, die mit ihnen laufen, genau das ignorieren. Als würden sie nicht mit ihrem Aufmarsch unter dem Namen „Sturm auf Berlin“ (die Nazirhetorik ist krass, vgl „Marsch auf Berlin“ 1923) heute dafür sorgen, dass zB viele PoC sich in ihrer eigenen Stadt nicht sicher fühlen. Als würden sie nicht überall in den Öffis sitzen, ohne Maske&Abstand und andere dadurch gefährden. Es ist eben KEINE Entscheidung, die jede*r nur für sich trifft. Es ist NICHT wie der Fahrradhelm, den ich nur zum eigenen Schutz trage oder der Sicherheitsgurt, den ich nur für mich anlege. Es ist wie beim Rauchen: steck ich mir in Gesellschaft eine an, schädige ich nicht nur meine Lunge sondern die der anderen gleich mit. Und wenn es heute wirklich darum ginge, eine politische Botschaft hörbar zu machen, wenn es wirklich darum ginge, in Dialog zu treten mit „denen da oben“, dann hätten doch bitte alle verdammt noch mal die Maske aufgesetzt, damit die Demo nicht aufgelöst wird. So aber zeigt sich deutlich, worum es geht: ums Spalten, ums Aufwiegeln und darum, sich zu Opfern zu stilisieren. Und den nächsten, der mir mit so einem gelben Stern auf dem Shirt entgegenkommt, auf dem Impfgegner steht, dem rotz ich vor die Füße. 12/30 #30tageinstatagebuch

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Almut fragt, wie man am besten damit umgeht, wenn der durch Corona und seine Folgen verursachte Bruch in der Gesellschaft als Riss durch den eigenen Freundeskreis oder gar die Familie geht. Ich habe auf diese schmerzliche Frage keine gute Antwort, einerseits weil es mich persönlich nicht (be)trifft und ich daher diesbezüglich keine Erfahrung habe. Andererseits weil ich keine Spezialistin in Kommunikation bin oder gar Erfahrung hätte, wie man mit Menschen umgeht, die in Extreme abdriften, was Meinungen und Glauben angeht. Aber ich empfehle euch die kluge Dana Buchzik, die sich damit ausführlich befasst. Auf ihrem Insta-Profil @herzkater  könnt ihr einiges dazu finden. Außerdem hilfreich vielleicht folgender Link zur Amadeu Antonio Stiftung: in diesem Post werden 8 Tipps zum Umgang mit Verschwörungserzählungen im privaten Umfeld gegeben. Ich hoffe, das hilft, liebe Almut!

Und die letzte in der Fragerunde ist Katja, die wissen möchte, wie und wieso wir uns als Familie auf Corona haben testen lassen. Wir lassen uns über die Schule der Kinder testen, die in Zusammenarbeit mit einem Labor freiwillige Selbsttests vermittelt, die auch selbst gezahlt werden. In der Hoffnung, dass sich viele Familien uns Lehrer*innen in der Community regelmäßig testen lassen und so das gemeinsame Lernen möglichst sicher ist. Wir haben das Angebot wahrgenommen.

Ab jetzt sammele ich wieder Fragen, in 14 Tagen gibt es dann wieder Antworten.

Damit sind die Freitagslieblinge für diese Woche komplett. Morgen gibt’s das Rezept fürs Erbsenrisotto und nächste Woche sehen wir mal weiter.

Passt auf euch auf!

7 Kommentare

  1. Die Freitagslieblinge sind einfach immer ein toller Start fürs Wochenende, vielen Dank!
    Falls es nicht zu privat ist, würde ich gerne wissen, wie es eurer Familie in Mittelamerika geht? Habt ihr in der Coronazeit jetzt Kontakt?
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende, Caroline

  2. Hallo,
    schön, dass Du trotz der vielen Widrigkeiten momentan regelmäßig Beiträge einstellst und uns teilhaben lässt. Danke Dir dafür!
    Ich warte dann auch auf das Garnelen-Rezept!
    Und meine Frage wäre, über wen das Ferienhaus vermietet wird? Ich glaube, Du hast mal angekündigt, Bescheid zu geben. Aber da bei mir der Newsletter für neue Beiträge irgendwie nicht klappt hab ich das leider nicht mitbekommen.
    Ganz liebe Grüße aus Niederbayern und ein schönes Wochenende.
    Sabine

    • Dorothee Pagonis Antworten

      Hallo Anna Luz,
      ich mag Deinen Blog und die vielen interessanten und nachdenklichen Beiträge sehr. Vielen Dank dafür.
      Eigentlich bin ich gar kein Krimi-Fan aber was deutschsprachige Krimis angeht, möchte ich Dir die „Dengler ermittelt“-Reihe von Wolfgang Schorlau wirklich ans Herz legen. Es geht immer um aktuelle Themen wie Massentierhaltung, wirtschaftliche Ungleichheit, Rechtsextremismus, etc. und ist unglaublich spannend und gut recherchiert (und damit oft augenöffnend) geschrieben.
      Das war eine wirkliche Entdeckung für mich. Viele liebe Grüße und alles Gute,
      Dorothee

  3. Ich fühle mich genau wie du, was die mangelnde Distanz zur Welt und den unfassbaren Geschehnissen der letzten Zeit betrifft. Zudem habe ich das Gefühl, dass es keinen einzigen Tweet oder Insta Post mehr gibt, unter dem kein hasserfüllter Kommentar erscheint. Egal, welches Thema. Das lässt mich an den Menschen und unserer Gesellschaft (ver) zweifeln. Und ich habe das Gefühl, im anonymen Internet lohnt es sich nicht, mit Menschen zu diskutieren, deren Ziel nicht Austausch von Meinungen ist, sondern nur Angriff, Verletzung, Bedrohung, Hetze. Aber im Alltag, im Real Life, da sollte man Menschen nicht verloren geben. Daher mein aktueller Buchtipp: „Sag was – Radikal höflich gegen Rechtspopulismus argumentieren“. Ich habe es gerade erst angefangen, finde den Ansatz aber schonmal super. Lässt sich bestimmt auch auf andere Themen übertragen.

    • Du hast vollkommen recht, im Internet in Kommentarspalten oder Foren zu diskutieren, bringt überhaupt nichts. Danke dir für den Lesetipp, sowas finde ich immer sehr hilfreich. Liebe Grüße!

  4. Wenn du das mit den (post)-migrantischen Erfahrungen und dem Krimi verbinden willst: „Die Schwarze Madonna“ von Noah Sow ist ein Krimi mit einer Schwarzen deutschen Kommissarin, die in einem bayrischen Kaff ermitteln muss. Ich habs schon ein paar Mal verschenkt und bisher mochten es alle. :)

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