Die Freitagslieblinge sind dran. Draußen ist der Herbst gekommen, die Tage beginnen mit Nebel und enden mit einem frühen Sonnenuntergang. Ich muss sagen, je älter ich werde, umso schwerer fällt es mir, mich vom Sommer und vom scheidenden Licht zu verabschieden. Die Vorstellung, dass wir nur noch ca. sechs Wochen von dem Moment entfernt sind, wo es schon um 16h dunkel sein wird, bedrückt mich. Aber noch ist das Licht nicht weg, noch kann ich rausgehen, im Park zuschauen, wie der Morgennebel sich lichtet und die Herbstsonne durchdringt. Wunderschön ist das.

Mein Lieblingsrezept der Woche für die Freitagslieblinge sind heute diese blitzschnellen Spaghetti Carbonara in der Veggie Edition. Erstmalig ausprobiert und für großartig befunden. Rezept gibt es nächste Woche, wollte euch nur schon mal heiß machen.

Veggie Carbonara mit Zucchini | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsbuch oder Buchtipp der Woche ist der New York Times Bestseller von Robin Diangelo: Wir müssen über Rassismus sprechen (Amazon Partnerlink). Das auf deutsch im Juli erschienene Buch heißt im Original „White Fragility“ und befasst sich damit, was es in dieser Gesellschaft bedeutet, Weiß zu sein. Oder eben im Umkehrschluss, was es bedeutet, es nicht zu sein. Die Rassismusforscherin Robin Diangelo befasst sich mit dem Phänomen der Empfindlichkeit von Weißen, wenn die  Sprache auf Alltagsrassismus kommt, denn Rassismus findet nicht nur dort statt, wo sich offen Rechte zusammenfinden. Vielmehr gibt es ihn als Bestandteil unseres gesellschaftlichen Systems überall. Und wenn wir das ändern wollen, müssen wir alle bei uns selbst anfangen.

Wir müssen über Rassismus sprechen | berlinmittemom.com

Meine Lieblingsserie der Woche ist heute The Good Fight. Als langjähriger Fan von The Good Wife hätte ich das Spin Off längst sehen müssen, zumal ich vor allem ein Fan der Figur der Diane Lockhart bin – und die ist einer der Dreh- und Angelpunkte in The Good Fight. Mit dem Herzensmädchen habe ich letzte Woche die erste Staffel angefangen und wir sind beide schon mittendrin im intriganten Ränkespiel der Chicagoer Anwaltsszene. Wunderbar!

The Good Fight

Mein Lieblingsmoment der Woche war am Dienstagmorgen der Augenblick als alle das Hau verlassen hatten und wir wirklich in eine „normale“ Woche gestartet waren, ohne Quarantäne, ohne Homeschooling, sondern stattdessen mit einem Tag aus der Familienroutine. Frühstück, Schule, Lunchboxen, Arbeit. Das fühlte  sich gut an.

Townhouseliving | berlinmittemom.com

Meinen Lerneffekt der Woche habe ich  auf Insta in einem meiner Tagebuchposts schon beschrieben. Es geht um Labels und das hier ist mein Gedankengang dazu:

L A B E L ☆ Gestern sprach ich ausführlich mit einem meinem Herzen nahen Menschen über Labels. Eigentlich sprachen wir über alles, über Moria, über Corona, über die Rechten und Nazis in unserer Gesellschaft bzw deren Agenda, über die Kinder und ihren Stellenwert und eben darüber, wie wir uns selbst in all dem verorten. Wo stehen wir? Wer sind wir? Was tun wir und warum? Wir beide sind sehr verschieden, von außen betrachtet. Es gibt einen Altersunterschied, es gibt einen Unterschied in unserer jeweiligen Sozialisation, der Lebenssituation und in vielen Dingen mehr. Unsere Labels, die von außen sichtbaren, könnten möglicherweise kaum gegensätzlicher sein. Die Labels, die uns bestimmten Gruppen zuordnen, die den gängigen Standards entsprechen und qua Geschlecht, Sexualität, Hautfarbe, Alter, Bildungsstand, Glauben, Beziehungsstatus usw. bestimmen, wer wir zu sein scheinen. Aber das ist ganz oft nicht richtig. Oder zeigt nicht das ganze Bild. Wir sprachen darüber, dass Labels uns einengen können und die Welt irgendwie kleiner machen, dass sie uns aber auch Schutz und ein Gefühl der Zugehörigkeit geben können. Ich dachte kurz, wie schön eine Welt ohne Labels wäre. Eine, in der wir sie nicht bräuchten und uns gegenseitig so sehen könnten, wie wir wirklich sind. Und mein Gegenüber sagte, ja, aber es würde uns auch viel fehlen, was zu unserer Identität beiträgt. Was schön war in diesem Gespräch: wir sehen einander in die Herzen. Wir sehen über die Labels hinaus, die wir über die Jahre so angesammelt haben. Da sind unsere Stimmen, wir hören einander zu und finden so viel Schönes, Wahres, Verbindendes – jenseits dieser Welt, in der wir uns erstaunlicherweise gefunden haben, obwohl uns eigentlich so viel unterscheidet und trennen müsste. Wenn da nur die Labels wären…

FRAGESTUNDE…

Tanja fragt, wie ich bezüglich des Themas Selbstliebe bzw Pflichtbewusstsein und dem inneren Zwang produktiv zu sein, an mir arbeite. Tja, ehrlich gesagt hat es vor allem immer etwas damit zu tun, wie sehr ich dazu komme, mir das bewusst zu machen. In manchen Phasen gelingt das besser, in anderen schlechter. Ich muss mich immer wieder damit beschäftigen, mir immer wieder anschauen, wo ich stehe und auch immer wieder überprüfen, ob ich eigentlich gerade gut genug auf mich achte. Oft ist das nicht der Fall, dann muss ich wieder besser achtgeben auf mich. Es ist ein Prozess.

Gaby hat mich danach gefragt, was Ceviche ist, das habe ich aber in den Kommentaren schon beantwortet. :-)

Christina möchte wissen, warum ich damals (2012!) angefangen habe mit dem Bloggen und wieso ich es heute tue. Das ist eine interessante Frage. Als ich anfing wusste ich ziemlich wenig über Blogs. Ich las kaum selbst welche. Aber ich hatte eine wachsende Gruppe von Menschen, die meinen Facebookstatus lasen und der wurde immer länger. Ich schrieb über die Kinder, die damals noch klein waren und darüber, wie dieses Mamasein so ist. Und die Plattform wurde zu klein, also ging ich mit dieser ungenauen Idee eines Mamablogs auf einen WordPressblog und – Berlinmittemom war geboren. Seitdem hat sich viel verändert, sowohl in der Elternbloggerszene, die es damals noch kaum gab, als auch durch das Entstehen von „Influencertum“ in Social Media. Heute habe ich oft das Gefühl, ich bin eine Art Dinosaurier. Ich empfinde mich nicht als Influencerin, ich bin Bloggerin: jemand, der einen Blog schreibt und nicht nur Minischnipsel von irgendwas als Caption zu einem Bild teilt. Ich bin mir aber nicht wirklich sicher, wie und ob Blogs wie meiner eigentlich noch „funktionieren“. Ich hadere oft mit der Monetarisierungsseite des Ganzen, weil ich manchmal denke, das alles hat den Vibe beim Bloggen letztlich gekillt. Andererseits ist es mehr als berechtigt, Geld mit unserer Arbeit zu verdienen. Und: wir sind immer noch da, trotz all der Influencer*innen. Inzwischen nutze ich meinen Blog nicht mehr für Alltagsgeschichten, sondern vielmehr als Plattform für Themen, die mir wichtig sind. Über die Kinder schreibe ich immer noch, aber nicht mehr so dicht an ihren jeweiligen Entwicklungsmomenten sondern eher etwas allgemeiner. Ich hänge an Berlinmittemom. Mal sehen, wie es hier weitergeht.

Das war die Edition der Freitagslieblinge für diese Woche. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.

Passt auf euch auf.

5 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    Heute möchte ich auch gerne mal eine Frage stellen. Sie bezieht sich auf den kürzlichen Instapost 23/30.
    Wobei es ist gar keine einzelne konkrete Frage. Sondern bezieht sich eher auf die Gesamtheit der Situation, dass Du akzeptierst stärker zu Hause/von den Kindern gebraucht zu werden, aber gleichzeitig in der Lage bist sich ergebende Freiräume für Dich zu füllen. Da das auch mein Thema ist, würde mich interessieren, ob Du einer Erwerbsarbeit nachgehst und mit wie vielen Stunden in der Woche? Müssen Deine Kinder zu Hause mithelfen? Beim Putzen beispielsweise? Oder was erwartest Du von Ihnen zu Hause?
    Und hast Du schon Pläne für Dich, wenn Deine Kinder Dich tatsächlich weniger brauchen? Sie sind ja doch schon recht groß!?
    Bei uns ist es beispielsweise so, dass ich denke, wenigstens am Wochenende wäre es schön, wenn alle mal einen Tag richtig gemütlich und üppig zusammen frühstücken. Wobei der Mann tendenziell gar nichts frühstückt, der Kleinste will immer direkt nach dem Aufstehen was essen. Der Teenie hat noch keinen Hunger; vielleicht später. Betonung auf vielleicht. Samstags brauch ich die Zeit dann auch für’s Wurschteln und Erledigung der Dinge, die unter der Woche auf der Strecke blieben und Samstagvormittag möchte ich eigentlich dann mal zum Sport.
    Und ja ich versuche zu akzeptieren, dass vieles davon meine Aufgaben sind für meine Kinder/Familie und ja, dazu gehört auch, ein Kind das Schwierigkeiten hat durch die Schulzeit zu bringen. Aber ich bin dabei wahnsinnig angespannt und unter Strom.
    Wofür nutzt Du Freiräume für Dich? Ergeben sich diese Freiräume? Kommt zu Dir mal jemand und sagt „ach bleib sitzen, heute mach ich das“ oder musst Du diese Freiräume eher aktiv schaffen??

    Viele Grüße von Anni

  2. Ich hänge auch an Berlinmittemom :)
    Ich folge nur einer handvoll Blogs: ich mag Deine Ästhetik, ich mag Deinen Stil und ich mag es, dass Du die Themen, die mich auch bewegen in die richtigen Worte packst. Dass Du Dich nicht verbiegst, um genügend Follower zu generieren. Ich schätze Deine Offenheit und lerne viel dabei :)
    Deine Beiträge, vielen Müttern wohl sehr ähnlich, helfen mir dabei, mich zu reflektieren ohne zu sehr mit meiner Fehlbarkeit zu haddern.
    DANKE dafür!

    Liebe Grüße nach Berlin
    Edi

  3. Oh, den schönen Feedback von Edi will ich mich anschließen! Das fühle ich auch so. Danke Anna, die deine Antwort. Das spürt man auch genau so durch deine Beiträge. ❤️

  4. Ich schließe mich auch an- bei dir fühle mich wohl, ein bisschen wie zu Hause.
    Ganz liebe Grüße aus Süddeutschland, Steffi

  5. Marijke Holzderber Antworten

    Ich hoffe du machst noch ganz lange weiter – ich lese hier regelmäßig und mag deine Art sehr!
    Und ich mag es, dass hier nicht jeder 2.Artikel irgendwas bewirbt…

    Liebe Grüße
    Marijke

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