Typisch ich. Ich schiebe die letzte Folge der Morgenseiten hinaus und hinaus, schreibe lieber gar nichts mehr, weil ich denke, sie müssen etwas Besonderes sein. Das letzte Mal Morgenseiten schreiben, das braucht einen Tusch! Oder wenigstens einen Plan. Stattdessen schiebe ich die 34/34 vor mir her, weil ich nicht will, dass es endet. Und weil ich nicht weiß, wie ich dieses schöne Experiment irgendwie in meinen Alltag retten soll. Als Ergebnis davon: Schweigen. Wie doof das ist!

Vierunddreißíg mal Morgenseiten (oder jedenfalls fast), nicht alle gleich gehaltvoll, aber viele doch. Vierunddreißig mal meine Gedanken und Ideen, ohne Filter, unperfekt, einfach so. Das hat sich wunderbar angefühlt. Ich mochte es, mich dafür extra zu sammeln, mir die Zeit zu nehmen und dann die Gedanken fließen zu lassen. Ich mochte es, nicht vorher zu planen, was ich schreiben würde, mich nicht zu zensieren, nicht ständig zu beachten, ob mein Thema auch gerade irgendwie passend kommt.

Morgenseiten schreiben | berlinmittemom.com

Jetzt muss ich das loslassen und das fällt mir schwer. Und ich habe bisher keine gute oder ausgereifte Idee, wie ich das, was ich hier in den letzte Wochen so genossen habe (und ihr auch, wie meine Statistiken, eure Nachrichten und Kommentare mir sagen!), in meinen Blog-Alltag mitnehmen kann.

Vielleicht sollte ich einfach den täglichen Blogmodus beibehalten? Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich das schaffe. Und ich kenne mich, wenn ich es nicht hinkriege, kommt als Nächstes wieder das große Schweigen. Das will ich unbedingt vermeiden.

Also was tun? Ich denke über kurze (noch kürzere) Schnipsel nach, mit denen ich täglich auf dem Blog ins Schreiben starte. Oder Morgenseiten im Wochenwechsel: eine Woche mit, eine Woche ohne. Aber beide dieser Ideen hauen mich nicht richtig um.

Morgenseiten im Alltag

Während ich über den Blog nachdenke, merke ich gleichzeitig, wie die Zeit, die ich mir fürs Morgenseiten Schreiben genommen habe, sich in Nichts aufgelöst hat. Obwohl hier zwei von drei Kindern noch Ferien haben und der Mann hier wie dort im Homeoffice ist (jedenfalls die meisten Tage), ist meine Zeit plötzlich weniger.

Der Alltag greift nach mir. Obschon ich auch im Haus am Meer Wäsche und Einkauf, Mealplanning und Familienorga zu bestreiten hatte, so wie hier, ist das Gefühl ein komplett anderes. Hier fühle ich ständig, dass ich etwas machen, etwas Richtiges tun muss. Der Gedanke, ich würde mich einfach hinsetzen, einen Kaffee vor mir abstellen und los schreiben, ist gefühlt unendlich weit weg. Wie kommt das?

Morgenseiten schreiben | berlinmittemom.com

Dieses Gefühl, dass der Alltag mich verschlingen will und mit mir jeden möglichen kreativen Impuls, macht mich fast schon  hoffnungslos. Auf jeden Fall macht es mich traurig. Morgenseiten schreiben war schön. Es war das Schönste, was ich seit Jahren hier auf dem Blog gemacht habe, jedenfalls was meine Seite des Bloggens angeht – die schreibende Seite.

Morgenseiten schreiben hatte wieder ursächlich mit mir zu tun, nicht mit einem Redaktionsplan (der sehr sinnvoll sein kann, keine Frage) oder einem SEO Tool. Es hat das Innere nach Außen transportiert; ich konnte wieder meiner eigenen Stimme folgen, die immer da war, aber so oft verborgen unter anderen Aspekten des Schreibens für den Blog. Und einfach so habe ich dabei auch den Zugang zu meinen ganz eigenen Themen wieder gefunden. Im Ergebnis sind sowohl Schnipsel entstanden, wie ich es erwartet hatte, als auch längere Texte, was mich tatsächlich überrascht hat. Denn das hatte ich mir bewusst nicht zum Ziel gesetzt, sondern alles so offen wie möglich gehalten.

Wie ich das freie Morgenseiten schreiben in den Alltag mitnehmen soll, muss ich noch herausfinden. Nach einigen Wochen voller glücklich geschriebener Texte eine neue Aufgabe für den Blog.

Was mochtet ihr am Projekt Morgenseiten besonders?

8 Kommentare

  1. Liebe Anna,

    Am tollsten an den Morgenseiten fand ich, so oft so viel von dir lesen zu können. Und dieses Gefühl, im Alltag nur etwas „Richtiges“ tun zu können/dürfen, kenne ich nur zu gut. Ich weiß, so denke ich, was du mit „Richtigem“ meinst. Trotzdem versuche ich für mich selbst, diesen Begriff umzuformen. Denn wie kann etwas, dass dir so viel Freude gemacht hat und dir so gut getan hat, nicht etwas Richtiges sein? Bei mir Zuhause ist es vor allem mein Kopf und meine innere Einstellung, die diese Definition festlegt. Ist es bei dir auch so? Ich wünsche dir, dass du für dich eine gute, richtige Lösung findest :-)

  2. Liebe Anna,
    Du hast hier über Jahre sehr, sehr viele tolle Artikel produziert. Ich könnte mir vorstellen, dass es wirklich schwierig ist, ständig neue Themen zu finden, über die man schreiben kann (und will). Vermutlich ist es einfacher, sich dann für eine Art ‚Tagebuchbloggen‘ zu entscheiden und Alltägliches festzuhalten, wenn man daran Spaß hat (sowas lese ich zB sehr gerne). Das nimmt einem vielleicht auch den Anspruch, ‚bedeutungsvolle‘ Artikel schreiben zu müssen… Genauso wie deine Morgenseiten mochte ich auch die Freitagslieblinge oder das Wochenende in Bildern. Warum nicht dazu zurückkehren? Oder ganz einfach als Vorsatz: ein Artikel pro Woche, egal wann, egal was?
    Liebe Grüße!

  3. Ich habe deine ungefilterten Gedanken über deine Familie genossen und mit den stimmungsvollen Fotos selbst ein bisschen Urlaubsstimmung gehabt. Danke dafür.

    • Ich finde es schön, deine kleinen und großen Gedanken zu lesen, was Familie im weitesten Sinn betrifft – auch gerade weil deine Kinder älter sind als meine. Ich mag das, über verschiedene Themen nachdenken und auch kurz vor Augen, wie man ein Thema denn eigentlich für sich sieht. Und es ist dir mich, vielleicht ähnlich wie beim Schreiben für dich, ein Mini-Innehalten oder wie eine kurze Meditation.

  4. PS: Sorry, einiges hat die Autokorrektur verhunzt („sich kurz vor Augen halten“, „es ist für mich“…)

    Danke dir!

  5. „Dieses Gefühl, dass der Alltag mich verschlingen will und mit mir jeden möglichen kreativen Impuls, macht mich fast schon hoffnungslos. Auf jeden Fall macht es mich traurig.“

    Dieser Satz gehört zu den besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Mich treibt das auch um: warum ist man in den Ferien so frei und hat 1000 Ideen und warum ist dem Alltag dann gestattet, jede einzelne zu pulverisieren?

    Ich schliesse mich meiner Vorschreiberin Anna an: Was richtig im Alltag ist, das kann jede selbst entscheiden. Perfektionismus und zu viel Zeit bei der Arbeit soll für mich weniger wichtig werden, ich möchte mehr mit den Händen machen und das unmittelbare Ergebnis meines Tuns öfter sehen. Ich möchte einen Garten – hoffentlich wird er zu meinen „Morgenseiten“!

  6. Das Leichte, auch wenn es nicht immer um leichte Themen ging. Das Sich-Treiben-lassen in einen Gedanken, ihm folgen, neugierig, wohin er führt. Der kurze Moment des Innehaltens.

    Vielleicht einmal in der Woche, eine Dienstags-, Mittwochs- oder auch einfach Wochen-Morgenseite?
    Ich freue mich immer, von Dir zu lesen. Weil mich Deine Worte berühren. Sie ruhig und wahrhaftig sind in einer unruhigen und lauten Welt. Ein herzliches Danke dafür. Das tut gut!

  7. Ich ahne, was du meinst, aber ich hoffe inständig, dass du wieder einen regelmäßigen Zugang zum Bloggen findest. Ich habe die Morgenseiten sooo genossen, ich mag deine Sicht auf die Dinge und ich nehme auch immer wieder Impulse daraus mit.
    Mein Blogleseliste umfasst ca. 50 Blogs der unterschiedlichsten Art, aber am allerallerliebsten sind mir die Blogs, die Alltägliches berichten. Das muss noch nicht mal täglich sein, aber ich lese so gerne wie andere ihren Alltag meistern, das es bei jedem nicht immer nur Eitel Sonnenschein gibt (ohne, dass man das Private komplett im Öffentlichen ausbreitet) und nehme daraus jede Menge Impulse für mich mit.

    Alles Liebe,
    Nadine

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