Es ist schwierig. Diese Zeiten sind schwierig. Und dennoch sind sie die einzigen Zeiten, die wir haben. Wir leben jetzt. Ich lebe jetzt, in diesem Land, mit meiner Geschichte, mit meiner Herkunft, mit meinem Hintergrund. Ich kann nichts anderes simulieren, weder für mich, noch für meine Kinder.

Das bedeutet auch, dass ich einfach nur ich bin. Keine Institution mit Bildungsauftrag, keine Expertin für brisante politische Themen, keine Aktivistin. Hier bin nur ich und meine Plattform. Und die befülle ich.

Wenn ich in der letzten Zeit immer wieder versuche, hier über die Situation in diesem Land zu schreiben, über Politik und über meine Haltung zu der sich zuspitzenden Situation, dann ist es genau das: ein Versuch. Immer wieder.

Es kommt mir unmöglich vor, die Komplexität der Situation hier adäquat wiederzugeben. Und es kommt mir auch immer schwieriger vor, mich dazu zu positionieren. Nicht weil ich unsicher wäre in meiner Haltung oder sie nicht in Worte fassen könnte. Sondern weil ich die Erfahrung mache, die wahrscheinlich viele von euch machen: nur zu sagen, was wir denken, reicht nicht (mehr) aus. Eine Leserin fragte in den Kommentaren gerade berechtigterweise: zu wem sagen wir das, was wir denken, wenn wir ins Netz schreiben? Bleiben wir nicht ohnehin ständig in derselben Filterbubble und hat damit das Gesagte nicht wenig Effekt, weil wir die „anderen“ ohnehin nicht erreichen? Das ist sicher richtig. Aber die Antwort auf diese Erkenntnis kann deshalb für mich dennoch nicht sein, nichts mehr zu sagen.

Für mich ist mein Blog die einzige Möglichkeit, ein paar mehr Leute zu erreichen, als die, mit denen ich ohnehin spreche. Ich habe im Monat zwischen 60.000 und 70.000 Unique Followers, und auch wenn viele davon hierher kommen, weil sie ein Rezept suchen oder einen Artikel über Medienkompetenz lesen möchten, hoffe ich doch, dass auch einige dabei sind, die genau diese Artikel auch lesen. Soll ich jetzt verstummen, weil der „leichte“ Content nicht zu den ernsten Zeiten passt? Oder soll ich die schwierigeren Themen auslassen, weil sie nicht zum Rest passen und ich keine Lösungen für die Probleme unserer Zeit habe? Für mich ist die Antwort darauf wieder eindeutig: ich schreibe weiter und zwar über alles.

Dabei hoffe ich, dass sich das alles irgendwie vereinbaren lässt. Meinen Blog weiter zu betreiben und auch damit Geld zu verdienen, ohne über aktuelle Entwicklungen schweigen zu müssen. Aber auch: meine Meinung sagen zu können, ohne dabei beim nächsten Kinderbuchpost unglaubwürdig zu erscheinen, weil ich hier zum Alltag zurückkehre. Ich weiß nicht, ob mir das gelingen kann.

Was die Kinder angeht… natürlich sprechen wir hier ständig über die Dinge, die passieren und nicht nur zu einem geschichtsträchtigen Datum, wie es an diesem Wochenende war. Aber ich schreibe nicht jeden Tag darüber. Wir lesen Zeitung und diskutieren, wir sprechen über Ängste der Kinder ihre Zukunft betreffend und schauen uns Nachrichtensendungen an. Wir recherchieren gemeinsam im Internet zu Fragen, die sie (oder wir) haben. Wir gehen auf Demonstrationen. Aber es muss klar sein, dass ich darüber nicht ständig und minutiös berichte, so wie ich über viele Dinge hier und in Social Media nicht berichte, die dennoch passieren. Zum Teil hat das damit zu tun, dass die Kinder einfach nicht wollen, dass ich darüber schreibe. Zum anderen ist es durchaus schwierig, thematisch alles immer unter einen Hut zu bekommen und dann noch zu versuchen, den Blick aufs große Ganze zu halten und wiederzugeben.

Dieser Blog wird kein Diskussionsforum über aktuelle politische Geschehnisse sein können, dennoch soll er auch widerspiegeln, wie unsere Welt beschaffen ist und soll Platz haben für eine klare Haltung – meine Haltung und die meiner Familie. Meine Texte sind daher zu lesen wie Kommentare. Mit denen kann man einverstanden sein oder nicht, aber es sind persönliche Ansichten und eben lediglich Ausschnitte aus einem größeren Zusammenhang, den ich hier niemals werde komplett abbilden können. Und das möchte ich auch gar nicht. Das ist nicht mein Anspruch.

Ich habe keine Patentrezepte, für nichts außerhalb meiner Familienstruktur und auch da gibt es keine Garantien für den guten, richtigen Ausgang. Ich sehe viele Probleme, ohne sie gänzlich zu verstehen oder zu durchdringen, auch wenn ich noch so viel dazu lese. Ich sehe viele Ansätze, damit umzugehen, weiß aber längst nicht, welcher für mich richtig ist oder gut funktionieren könnte, daher kann und werde ich dazu auch hier keine Aussage treffen. Was ich tun kann ist, die Aufmerksamkeit derer, die hier lesen oder mir auf Social Media folgen, immer wieder darauf zu lenken, darüber zu schreiben, was ich denke, wie wir mit den Kindern sprechen und auf was wir ein besonderes Augenmerk legen. Es ist unmöglich für mich, auch nur annähernd alle Probleme unserer Gesellschaft hier zu besprechen oder gar Lösungsansätze dafür vorzuschlagen. Es gibt Projekte, die ich unterstütze, aber auch da weiß ich nicht: sind es die richtigen? Ist der Effekt der, den ich mir wünschen würde? Ich kann es (noch) nicht wissen, wir sind quasi im Testmodus.

Also ist es so: ich versuche es. Ich versuche Dinge, ich versuche, die Spur zu halten und immer wieder zu berichten, was und wie wir über die Dinge denken, die um uns herum passieren. Vielleicht wird sich an meiner Art, darüber zu schreiben, ja in Zukunft auch wieder etwas ändern. Aber zur Zeit ist es so, wie es gerade ist.

Es ist schwierig. Ich gebe mir Mühe. Und ich weiß, das ist vielleicht nicht genug.

13 Kommentare

  1. Genau diese Mischung aus allem – dem Ernsten und dem Alltäglichen, dem Mikro- und Makrokosmos – macht Deinen Blog für mich so wertvoll, authentisch und fruchtbar. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der die (empfunden) düstere Weltlage immer Thema war, überlebensgroß, in der die kleinen Dinge immer an den großen gemessen wurden. Unmöglich, unerlaubt, angesichts so einer Welt Glück oder Leichtigkeit erleben zu wollen… Als Mutter fühle ich, dass das nicht die ganze Wahrheit sein kann – gerade, wenn sie so unglücklich macht. Alles hat seine Berechtigung und wir finden meiner Meinung nach in den alltäglichen, schönen, kleinen und scheinbar unbedeutenden Dingen nicht nur die Kraft, die wir für die gesellschaftlichen Fragen dringend nötig haben, sondern vielleicht auch Antworten, die Hoffnung geben… Dein letzter Satz macht mich traurig angesichts dessen, was du bereits tust durch das unermüdliche, ehrliche Teilen deiner reichen Gedanken und Überlegungen. Das bewegt so viele! Persönlich ist es mein Wunsch, einen Weg zu finden, mit allem da draußen im Frieden zu sein, und gleichzeitig alles klar zu sehen, ohne mir Augen und Ohren zuhalten zu müssen, weil ich erlebt habe, dass dieses innere ankämpfen gegen etwas oft die Quelle einer langen Kette von Leid ist, das sich ganz zuletzt in eben jenen politischen Überzeugungen äußert, die wir heute mit Sorge beobachten..

  2. Liebe Anna, DAS meinte ich u.a.: Du hast hier die Möglichkeit, eine größere Menge Leute zu erreichen und ich finde es gut, dass Du damit angefangen hast! Man sollte jede Möglichkeit nutzen, die man hat. Und ob die Mischung dann so klappt, wird die Zeit zeigen. Aber dass Du es versuchst und dass Du es jetzt tust, zeigt mir, dass ich Gründe habe, Deinen Blog gerne zu lesen – auch, wenn er mir oft zu harmonisch ist :-)
    Herzlichen Gruß
    Gaby

    • Liebe Anna,

      ich finde es persönlich überhaupt nicht „zu harmonisch“ auf Deinem Blog und finde es anmaßend, von Dir zu verlangen, dass Du bestimmte Themen mehr behandeln müsstest, weil Du die Möglichkeit hast, eine größere Menge Leute zu erreichen. Das ist doch Dein persönlicher Blog, auf dem Du schreiben kannst, worüber Du möchtest. Ich liebe Deine bunte Mischung, Deine Anregungen, Deine Gedanken zu so vielfältigen Themen, die immer Tiefgang haben.
      Im Übrigen ist das auch ein großer Faktor, der mich in der Klimadebatte so unendlich stört – diese Vorwurfshaltung von vielen. Auch dieses Thema hat so unendlich viele Facetten und es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, sich einzubringen. Man sollte immer zuerst bei sich schauen und nicht von anderen fordern bzw. gehe ich immer erstmal davon aus, dass jeder in seinem Bereich des Möglichen schaut, was er tun kann. Und das kann bei jedem anders sein.
      Danke für Deinen Blog, der mich schon unzählige Mal in ganz vielfältiger Weise angeregt und inspiriert hat.
      Liebste Grüße,
      Anne

      • Ich möchte mich meiner Vorrednerin Anne einfach nur anschließend!!!

        Mir ist hier auch nichts zu harmonisch und mich irritiert oft dieser Erwartungshaltung die Bloggern entgegen gebracht wird. Auch manchmal die Distanzlosigkeit…

        Mach, ie du denkst. Denn du machst das gut.

        Alles Liebe, Nic

      • Liebe Nic, danke dir für deine Worte. Wie gut, dass wir in dieses Internet irgendwie immer „Seite an Seite“ schreiben. Das macht so vieles so viel besser. Danke, dass du da bist und auch niemals aufhörst, es so zu machen, wie du denkst. Liebste Grüße!

      • Liebe Anne, danke dir für deine Worte. Über die Anspruchshaltung bzgl der Klimadebatte wollte ich auch längst geschrieben haben, denn das irritiert mich auch immer wieder. Wenn ich öffentlich mache, was ich pro Klima tue, bin ich gleichzeitig die Zielscheibe für Angriffe auf meine (vermeintliche und tatsächliche) Fehlbarkeit. Als ob ich sofort perfekt sein müsste, nur weil ich das Thema anspreche. Das macht mich manchmal einfach nur müde. Umso mehr freu ich mich darüber, dass du es hier magst und gerne wiederkommst. Danke dafür und für deine Wertschätzung. Liebste Grüße zurück!

  3. Da ist sie wieder, diese merkwürdige Debatte über das, was man sagen darf und was nicht. Hier schreibt ein Mensch öffentlich und hat – zum Glück – LeserInnen, findet also Gehör. Super. Aber es gibt auch eine Kommentarfunktion, die ich hin und wieder nutze. Aber sobald ich hier eine Meinung habe, die nicht alle teilen, ist das „anmaßend“. Oder ich habe eine „Erwartungshaltung“. Nicht wirklich, oder? Leute, jede Zeitung bekommt jeden Tag jede Menge LeserInnenpost. Die ist gemischt. Und das ist gut so. Es zeigt, dass es noch eine Interaktion gibt zwischen Schreibenden und Lesenden. Wenn es die nicht mehr gibt bzw. geben darf, wenn jede angehaucht kritische Anmerkung so runtergemacht wird – dann kommen wir ganz schnell zu dem, wozu gerade die beiden großen Wochenzeitungen Zeit und Spiegel ihre Aufmacher hatten. Verdammt noch mal – politische Themen sind was anderes als Kochrezepte. Zu Kochrezepten muss man sich nicht verhalten. Die kann man nachkochen oder es lassen. Diskussionen kann man natürlich auch generell lassen. Konstruktive Kritik – lieber nicht. Nachfragen, Anregungen, alles, was Konfliktpotenzial hat? Meint ihr – besser: meine Sie wirklich, dass so etwas nicht sein darf? Finden Sie einen Satz wie „dass ich Gründe habe, Deinen Blog gerne zu lesen – auch, wenn er mir oft zu harmonisch ist :-)“ anmaßend? Nicht im Ernst, oder? Vielleicht ist es auch mein Fehler, dass ich einen öffentlichen Blog im Internet als Teil der Medienlandschaft ansehen und mich dazu verhalte. Ich verhalte mich hier nicht mehr. Ihr seid alle großartig!

    • Liebe Gaby, wir können uns doch hier darauf einigen, dass wir uns nicht in allem einig sein müssen, oder? Ich kenne dich als sorgfältige Leserin mit vielen Kommentaren hier bei mir und hoffe, das bleibt auch so. Aber so wie du es hier manchmal zu harmonisch finden darfst, dürfen andere das anders sehen. Ich freue mich über jede Stimme hier und bin immer für Diversität. Und daher hoffe ich, du bleibst. Oder kommst wieder und schaust nach, wie die Dinge hier stehen. Liebe Grüße!

  4. Warum glaubst du, dass es ggf. merkwürdig wirkt, wenn du zwischen Politik und Alltagsthemen hin- und herspringst? Wenn es das ist, was dich bewegt, dann ist es genau richtig. Ich jedenfalls klicke eher auf einen Artikel, wie diesen, als auf das nächste Rezept, weil ich es wichtig finde die Situation in unserem Land zu benennen und Stellung zu beziehen. Mir persönlich fehlen immer noch die richtigen Worte… Umso wichtiger, dass Menschen, wie du, schreiben, was sie denken und fühlen!
    Sylvi

    • Danke dir, liebe Sylvi. Für deine Worte, fürs Lesen und Schreiben und für deinen Blog. Wir brauchen gute Orte – und zwar im echten Leben genau wie im Internet. Liebe Grüße!

  5. Liebe Anna,
    ein wunderbarer Text über deine Gedanken zu einem schwierigen Thema. Aber hey, dein letzter Satz?
    Du bemühst dich nicht nur! Du machst genug! Du machst die Welt ständig zu einer besseren!
    Liebe Grüße

  6. Liebe Anna,
    genau das ist es, was ich an Deinem Blog so schätze und liebe. Er ist mal ein großer, mal ein kleiner Ausschnitt Deines Lebens – Eures Lebens – Deines Alltages, Deiner Gedanken, Deiner Erlebnisse,… Ich lese gerne Deine Kinderbuch-Vorstellungen und Rezepte, schätze aber ganz besonders Deine Kommentare zu unserer Gesellschaft und deren Entwicklung.
    Unglaubwürdig? Dieses Wort ist sowas von weit entfernt von Dir!
    Mach weiter so!
    Liebe Grüße, Bine

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