Eltern sein bedeutet, dranzubleiben. Nicht loszulassen. Auch wenn die Zeiten unweigerlich vergehen, in denen wir mit einer langen Umarmung alles wieder gut machen können in der Welt unserer Kinder. Auch wenn stattdessen die Zeiten kommen, in denen wir uns wünschen, in Ruhe gelassen zu werden mit all dem, was das Leben mit großen Kindern uns so vor die Füße wirft. Ich glaube nicht, dass es so etwas gibt wie das gesammelte Elternwissen Pubertät. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir als Eltern viel richtig machen können, wenn unsere Kinder groß werden, wenn sie Teenager sind, wenn sie in die Pubertät kommen.

Leben mit Teenagern: Was wir sein können

Ich frage mich immer, ob das eins dieser großen Geheimnisse der Elternschaft ist, von dem alle wissen, welches aber niemals jemand klar benennt: dass in einem durchschnittlichen Elternzyklus von der Geburt eines Kindes bis zu seiner Volljährigkeit die Herausforderungen nur größer werden. Und ich ahne, dass sie mit dem 18. Geburtstag nicht enden.

Das „Elternwissen Pubertät“, zu dem wir durch Bücher, Experteninterviews und andere Medien Zugang haben, beschränkt sich allerdings tatsächlich meist auf das Abstempeln unserer Teenager als eine Art Aliens, die unter Bergen von Schmutzwäsche und Pizzakartons hausen, jahrelang nicht mit uns reden und ihr eigenes (nächtliches) Leben führen, von dem wir keine Ahnung haben. Die stereotypen Elternsprüche und Witzchen darüber habe ich alle schon gehört. Was ich aber nicht höre, sind Antworten auf die echten Fragen, die sich mir stellen. Wie rede ich mit meinem Teenager? Wie bleiben wir im Gespräch? Was sind die echten Nöte und Sorgen meiner großen Kinder und was ist meine Rolle, wenn sie sich mit ernsten Themen herumschlagen?

Neulich habe ich eine Serie gesehen, in der ein meistens harmonisches Elternpaar neben seinen jeweils sehr zeit- und energieraubenden Jobs mit gigantischer Verantwortung gemeinsam drei Teenagerkinder aufzieht. Ein Kind im letzten Highschooljahr, eins gerade am College, das dritte mit abgebrochenem Studium ein Praktikum absolvierend und alle drei mehr oder weniger immer wieder zu Hause wohnend. Und obwohl die Kinder Probleme haben, ersten Liebeskummer, Panikattacken, Versagensängste, obwohl es um die Verarbeitung von Selbstmord in der Familie geht oder um Mobbing in der Schule, um Stalking, Betrug und verletzte Gefühle, um Drogensucht und ungeschützten Sex, um alles, was Eltern von großen Kindern eigentlich den Angstschweiß auf die Stirn treibt, lösen diese Eltern die Probleme ihrer Kinder mit einem Gespräch beim Abendessen oder mit einer intensiveren Auseinandersetzung zwischen dem ersten Morgenkaffee und dem ersten Meeting. Sie finden zwischen der Rettung der Welt und einem natürlich erfüllten Leben als Paar offenbar die Zeit und die emotionalen Kapazitäten, sich mit den Kindern in deren Herausforderungen so zu vertiefen, dass diese den Rest dann irgendwie alleine schaffen. So als wären 15jährige bereits erwachsen und es würde ein „ernstes Gespräch“ ausreichen, um sie zur Einsicht zu bringen oder ihnen die nötige Unterstützung zu geben, die sie brauchen, um ihre Probleme selbst zu lösen.

So ist es aber nicht. Ganz und gar nicht.

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Ich schaue diese Serie und natürlich identifiziere ich mich mit der Mutter dieser drei Teenager und frage mich immer: „Wieso bricht sie nicht zusammen? Wieso hat sie keine schlaflosen Nächte vor Beunruhigung über das, was gerade mit ihren Kindern passiert? Wie kann sie glauben, dass ein gemeinsames Abendessen in der Woche ausreicht, um die Basis aller so zu stärken, dass die Probleme und Herausforderungen an ihnen abprallen?“ Und dahinter stecken natürlich meine Fragen an mich selbst: wieso bin ich als Mutter nicht so? Wieso sind meine Gefühle diesbezüglich offensichtlich so anders? Oder hat diese Mutter dieselben Gefühle und Impulse wie ich, gibt ihnen aber nicht nach? Und wenn ja – warum?

Der Rhythmus der kleinen Jahre: Regelmäßigkeit, Nähe und Rituale

Nach 17 Jahren Mamasein verstehe ich meine Oma, die früher immer sagte, die Kleinkinderjahre mit ihren Kindern seien für sie die schönsten Jahre ihrer Mutterschaft gewesen, weil alles so leicht war. Versteht mich nicht falsch, wir alle wissen, das durchwachte Nächte, zahnende Babys, zerstörte Schlafrhythmen und die scheinbar unendlichen Erkältungswellen im Winter nicht „leicht“ sind. Aber ich weiß, was meine Oma meinte. Ich denke an die „kleinen Tage“ und ihre kleinen unbestechlichen Gesetze ebenfalls mit Wehmut zurück, denn ich erinnere mich zwar an die anstrengenden Aspekte, aber ich weiß auch noch genau, wie leicht es sich für mich anfühlte, mit dem Flow der Kinder zu gehen. Regelmäßige Mahlzeiten in einem kleinen Spektrum dessen, was die Kinder in der jeweiligen Lebensphase gerne zu sich nahmen, verlässliche Bettgehrituale, Lieder und Geschichten, die Rückversicherung aller kleinen und großen Herzen in ständigem innigem Körperkontakt und letztlich die Gewissheit, dass genau das die Faktoren sind, die zum Wohlbefinden aller in der Familie gebraucht werden. Nicht mehr und nicht weniger. Das war für mich einfach. Ich musste da sein, ich musste in die kleinen Gesichter schauen und sehen, was gerade dran war: Hunger, Langeweile, Müdigkeit, Schmerz, Wissbegier, Nähebedürfnis, Neugier, Frustration. Und das jeweils zu beantworten war in den frühen Jahren für mich leicht. Die meisten dieser Bedürfnisse konnte ich stillen: ich war die Adressatin der Fragen und Bedürfnisse und ich war zugleich die Antwort. Und wenn ich da war und verstand, was die kleinen Geister brauchten, waren wir in unserem Flow geborgen, alles war selbstverständlich. Wir waren aufeinander abgestimmt und alles regulierte sich innerhalb unseres kleinen Lebens ganz natürlich. Wir waren in Balance.

Und jetzt? Jetzt sind fast alle diese Faktoren außer Kraft gesetzt. Natürlich gibt es noch Schlaf- und Essenszeiten, aber damit hören die Gemeinsamkeiten zu den „kleinen Tagen“ auch schon auf. Ich bin schon lange nicht mehr die Antwort auf all die Bedürfnisse meiner Kinder, im Gegenteil, ich scheine oft ein Hindernis auf dem Weg zu der jeweiligen Antwort zu sein.

Ich plädiere immer fürs Dranbleiben. Dafür, dass wir uns als Eltern immer weiter mit unseren sich verändernden Kindern auseinandersetzen, dass wir nicht loslassen, dass wir in Kontakt bleiben. Aber ich muss auch immer wieder feststellen, wie schwer das sein kann.

Im Auge des Sturms: Die Unordnung der großen Jahre

Denn was jetzt unser Familienleben bestimmt ist eine schier unendliche Bandbreite widersprüchlicher Gefühle, Bedürfnisse und Erfahrungen, die uns alle mitreißen in die Unordnung der Pubertät. Und das ist eine sehr knappe Zusammenfassung dessen, was sich abspielt, wenn die Gehirne der ehemals kleinen Kinder umgebaut werden in die von ungefähr Erwachsenen.

Statt der Balance der kleinen Jahre sind wir gefühlt alle mitten in einem Wirbelsturm angekommen, der jeden einzelnen von uns, aber auch uns alle als Familie immer wieder herumschleudert und auf den Kopf stellt.  Viele Dinge, die uns sicher erschienen, sind es nicht mehr (oder noch nicht wieder?), viele Selbstverständlichkeiten drehen sich auf links, und während wir noch erstaunt zuschauen, ist nichts in unserem Leben so wie zuvor.

Das sind oft Kleinigkeiten im Alltag, die zunächst belanglos erscheinen. So ist an die Stelle der zuverlässigen Schlaf- und Bettgehrhtyhmen der Kinder ein plötzlicher Schlafbedarf von vielen Stunden getreten, zu Zeiten, zu denen hier eigentlich schon der Alltag läuft. So dehnt sich der pubertäre Schlafbedarf am Wochenende gerne bis weit in den Tag hinein aus und führt unter der Woche dazu, dass niemand mehr morgens einfach so aus dem Bett kommt – oder abends hinein. Und statt der Verlässlichkeit der ritualisierten Abfolge von erprobten Familienessen, setzen wir uns nicht nur mit den verschiedenen Spektren der Kinder auseinander, die sich weit auseinander entwickeln (ungefähr von „blutiges Steak“ am einen bis „vegan“ am anderen Ende der Skala), sondern auch die Anzahl und Auswahl der Essensgäste der Kinder und deren unangekündigtes Erscheinen zu jeder Tageszeit. Und das ist auch alles sehr schön und in Ordnung so. Ich mag mein offenes Haus und ich mag, dass die Kinder es für sich gestalten, wie sie es möchten. Es ist schließlich ihr Zuhause, sie leben hier und sollen sich frei fühlen, Besuch mitzubringen oder einzuladen.  So war es bei uns zu Hause, als ich ein Teenager war und so halte ich es hier auch.

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Aber es verändert die Dynamik zu Hause trotzdem erheblich, wenn plötzlich immer mehr als nur wir Fünf am Essenstisch sitzen (mal ganz abgesehen von den Mengen, die hungrige halbgroße Menschen in Wachstumsphasen so vertilgen). Oder wenn ein Kind ständig weg ist, weil die Verabredungen außerhalb der Familie plötzlich so unendlich wichtig werden und Mahlzeiten, Unternehmungen, Nächte, Tage…  lieber woanders und mit anderen Menschen geteilt werden.

Und es ist für mich durchaus schwer und herausfordernd, wie oft ich als Mutter einfach nur aushalten muss, wenn es einem meiner großen Kinder nicht gutgeht. Wie ich mit dem bisherigen Repertoire an die Grenzen dessen stoße, was ich für sie tun kann, nicht nur, um sie zu trösten oder aufzubauen, sondern um ein Problem mit ihnen zu lösen. Denn natürlich bin ich der sichere Hafen, zu dem sie immer zurückkehren können und bestimmt auch oft noch der Leuchtturm, der das Licht in der Nacht immer wieder aufleuchten lässt, damit sie den sicheren Weg finden, den sie nehmen wollen. Aber ich bin längst nicht mehr immer diejenige, die ihre Kämpfe gemeinsam mit ihnen ausficht. Was sagt das kollektive „Elternwissen Pubertät“ darüber?

Der Ankerplatz im Chaos

Es ist nämlich so, dass sich der Mittelpunkt des Lebens meiner Kinder wegbewegt von mir. Während ich immer noch genau da bin, wo ich es seit Jahren bin, während mein Schwerpunkt im Leben nach wie vor bei den Kindern liegt, nimmt meine Bedeutung in ihrem Leben ab. Ich sage das ohne jede Bitterkeit, denn so ist der Lauf der Dinge und das ist richtig und natürlich so. Die Kinder entwickeln sich von uns weg, das ist von Anfang an so. Aber wenn sie groß sind, wenn sie Teenager sind, die sich beständig damit befassen, wer und wie und wieso sie eigentlich (da) sind, muss sich ihr Schwerpunkt verschieben. Es ist ihre Entwicklungsaufgabe in dieser Lebensphase, sich zu entfernen und ihren eigenen Schwerpunkt auszuloten und ihren eigenen Weg ins Leben zu finden. Denn die Antwort auf ihre dringendsten Fragen, die nach ihrem „warum“ und ihrem „wie“, die nach ihrer Identität, liegt in ihnen selbst. Sie liegt in ihrer Zukunft – und die bin nicht ich.

Ich habe schon oft darüber geschrieben, wie ich es empfinde, dass die Kinder sich von mir fort entwickeln und wie es sich anfühlt, zurückzubleiben in dem Leben, das ich für uns als Familie und um sie herum aufgebaut habe. Wie es ist, ihnen nachzuschauen und mich zu fühlen wie ein Bild, das beim Blick in den Rückspiegel immer kleiner wird. Und es ist so: ich sehe meine Bedeutung, sie ist nach wie vor da. Aber es gehört dazu, dass ich zurückbleibe. Mein Leben ist nach wie vor hier, das ihre entsteht woanders neu. Im Moment erstmal nur in ihren Köpfen, aber immer mehr auch ganz konkret: an anderen Orten, in der Beschäftigung mit anderen Dingen und vor allem bei und mit anderen Menschen. Menschen, die ganz allein sie sich erwählen, die ich gar nicht kenne, von denen ich nicht einmal eine Ahnung habe.

Noch ist das alles unbeständig, die Bewegung weg von mir ist keine geradlinige, sondern sie verläuft in Schleifen, sie geht bergauf und wieder bergab und führt auch oft wieder auf mich zu für eine kleine Weile. Aber das ist nur der Übergangszustand. Ich weiß, ich bin für sie der Ankerplatz in einem Meer von Chaos und das werde ich auch noch einige Jahre sein. Doch das Schiff, dass jedes meiner Kinder besteigt und mit dem sie ihren eigenen Kurs aufnehmen, wird seine Anker lichten, das ist ganz unausweichlich.

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Den Rahmen halten, die Basis bleiben

Die Herausforderung für mich als Mutter, für Eltern generell, sehe ich in dieser Phase darin, das auszuhalten, ohne wegzugehen. Der Sog, dem die Kinder sich ausgesetzt sehen, die Entwicklung weg von der Basis, weg vom sicheren Ankerplatz, hat nämlich auch einen umgekehrten Effekt: wir spüren als Eltern, wie wir immer weiter aus dem Lebensmittelpunkt der Kinder herausrücken und verwechseln dieses Gefühl mit der Überzeugung, nicht mehr gebraucht zu werden. Das ist ein Irrtum. Denn wer braucht nicht gerade dann die Sicherheit eines Ankerplatzes, wenn er von Chaos umtost ist?

Ich sehe so viele Eltern um mich herum, Eltern von noch relativ jungen Teenies, die an der Schwelle zum Chaos stehen, aber noch viel häufiger Eltern von vermeintlich fast erwachsenen Kindern, die alle diesem Sog nichts entgegensetzen. Sie lassen die Kinder richtiggehend los, in der Überzeugung, ihr Job als Eltern sei jetzt zu Ende, weil das Erwachsenwerden begonnen habe. Ich halte das für absolut falsch. Wenn wir uns zurückziehen, wenn wir uns abwenden, wenn wir im übertragenen Sinn loslassen, nehmen wir den Kindern den festen Ankerplatz. Gerade jetzt aber brauchen sie ihn besonders. Nicht, weil sie noch jeden Abend händchenhaltend mit uns einschlafen wollen würden, im Gegenteil. Das wollen sie jetzt zunehmend mit anderen Menschen tun. Aber sie tun es in der Gewissheit, dass sie am nächsten Morgen an ihren Ankerplatz zurückkehren können und dass dort dann jemand ist, der sagt: „Was beschäftigt dich? Was geht dir durch den Kopf?“

Vor Jahren hatte ich mal ein Gespräch mit einer lieben Freundin, deren Sohn einige Jahre älter ist, als meine große Tochter. Er war damals vielleicht fünfzehn und machte das, was viele (wenn nicht alle!) Teenies in dem Alter tun: viel trinken, viel „draußen“ unterwegs sein, experimentieren – mit Substanzen, mit Sex, mit Beziehungen zu anderen Menschen. Ich schaute mir das aus der Ferne an und sagte irgendwann mal zu meiner Freundin: „Aber was MACHST du denn jetzt damit?!“ Ich war im Kopf noch bei dem Programm für kleinere Kinder, natürlich, denn meine Kinder waren klein. Es ging um feste Regeln, auch um Konsequenzen (nicht Strafen!), es ging um nächtliche „Bereitschaftsdienste“, um Kitaeingewöhnung und um die Balance zwischen Grenzen und Bedürfnissen. Sie sah mich ein bisschen nachsichtig an und sagte nur: „In diesem Alter kannst du nichts mehr an den Kindern „erziehen“. Alles, was du vorher gemacht hast, alles, was du an Werten, Orientierung, Regeln fürs Zusammenleben etc. vorgelebt hast, muss sich jetzt beweisen. Du kannst nur noch den Rahmen halten und im Kontakt bleiben.“ Ich fand ihre Haltung damals wagemutig und vielleicht sogar riskant, aber ich konnte seitdem sehen, dass sie recht hatte. Nicht nur, was ihren eigenen Sohne anging, sondern ganz grundsätzlich.

Und das ist genau, was ich meine: wenn die Kinder groß werden, wenn sich unsere Beziehung zu ihnen deshalb verändert, heißt das nicht, dass wir in ihrem Leben nicht mehr wichtig sind. Sie brauchen uns nicht mehr, um einzuschlafen oder sich zu ernähren oder um an unseren Lippen zu hängen, wenn wir die Elternmagie wirken lassen und ihnen die Welt erklären, wie wir sie sehen, wie wir sie verstehen.

  • Sie brauchen uns als Sparringspartner, wenn sie um ihre eigene Weltsicht ringen.
  • Sie brauchen die Rückversicherung dessen, dass sie auch jetzt in dieser chaotischen und anstrengenden Zeit (und glaubt mir, für die Teenies selbst ist sie am anstrengendsten, selbst wenn wir uns als Eltern noch so erschöpft fühlen von all den neuen Bedürfnissen) rückhaltlos und bedingungslos geliebt werden. Um ihrer selbst willen.
  • Sie brauchen uns, um sich abzugrenzen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, die sich von unseren unterscheiden.
  • Sie brauchen uns als die Bezugsgröße von Werten und Wahrheiten, anhand derer sie sich immer wieder abgleichen und orientieren.
  • Sie brauchen uns, die wir sie sehen, wie sie sind und wie sie werden möchten.
  • Sie brauchen, dass wir ihnen zuhören, dass wir anerkennen, was sie erleben und fühlen.
  • Sie brauchen uns, als den Hafen, an dem sie jederzeit anlegen können, wenn sie von der wilden Fahrt zurückkommen.

Und natürlich brauchen sie auch unseren Widerspruch, unser Nachfragen, unser Gegenhalten, wenn es um das Ausloten von neuen Grenzen geht, unser „stabil Bleiben“, wenn es um Werte und Ansichten geht und unseren einzigartigen Blick, mit dem wir sie als Eltern sehen: denn niemand kennt sie so, wie wir sie kennen. Niemand sieht sie so, wie wir sie sehen. Wir sind ihre Eltern. Und das ist vielleicht der wichtigste Teil von kollektivem Elternwissen Pubertät. Das, worauf es ankommt.

 

15 Kommentare

  1. Liebe Anna!
    Den Post werde ich vermutlich noch mindestens einmal lesen.
    Er kommt heute genau richtig. Danke!!❤️

  2. Ich danke dir sehr, für diese tollen und lehrreichen Worte. Wir stehen mit 11 ja erst am Anfang und trotzdem merke ich schon, wohin das wohl alles noch führt. Ich werde mir deinen Text irgendwo sichern und bei schweren Stürmen wieder rausholen.

    • Liebe Ivy, danke dir fürs Lesen und Kommentieren. Es ist immer alles im Wandel – und so anstrengend das ist, ist es doch immer auch die Chance darauf, alles wieder anders zu machen, uns zu entwickeln und weiterzugehen, gemeinsam mit unseren Kindern. Liebe Grüße!

  3. Danke für diesen tollen Artikel. Obwohl ich mich noch im „Kleinkindalter“ befinde habe ich gut verstehen können wovon du sprichst. Manchmal wird einem ein wenig mulmig und ich habe viele Respekt vor dem was kommt. Aber Artikel wie diese helfen einem bewusst zu leben und zu begleiten !

    • Liebe Elke, danke dir für deinen Kommentar. Mir wird auch immer noch mulmig! Gerade springt hier Kind Nr 3. mit beiden Füßen voraus in diese stürmische Phase – da gibt es immer wieder viel zu lernen. Wir schaffen das, wir müssen uns nur immer daran erinnern, dass wir verbunden sind. Dass wir alles in unseren Kindern angelegt haben und jetzt darauf vertrauen müssen, dass sie mit allem, was sie von uns gelernt und bei uns gesehen haben, gut gerüstet sind für alles, was kommt. Ganz liebe Grüße!

  4. Noch ein kleiner Nachtrag. Nachdem ich deinen Artikel gelesen hatte, habe ich meinen Sohn heute irgendwie anders wahrgenommen und ihn viel in den Arm genommen :-) . Musste tagsüber viel an deine Worte denken. Danke nochmal!

  5. Vielen Dank für den Post! Einen solchen hatte ich mir ja gewünscht! An manchen Tagen habe ich Sorgen, ob wir dem großen Kind wirklich die beste Basis mitgegeben haben, die sie stark macht für die kommende Zeit. Denn wir hatten in vielerlei Hinsicht einen schwierigen Start mit ihr und insgesamt nie ganz leichte Jahre. Umso schwerer fällt das Loslassen. Und ja, ich merke deutlich, dass sie sich fortbewegt und ich zurückbleibe. Das öffnet auch mir ganz neue Möglichkeiten. Mit denen ich aber noch gar nicht umgehen kann. Wie ist das denn bei Dir?
    VG
    Anni

    • Es ist und bleibt sehr ambivalent. Die eigene wiedergewonnene Freiheit kann man nur dann auskosten, wenn man auch mit gutem Gefühl das Kind gehen lassen kann. Und das gute Gefühl zu bekommen, das ist ein Prozess. Mir fällt es nicht immer leicht, das auszubalancieren. Zumal es eben doch passiert, dass meine Leuchtturmfunktion genau dann gebraucht wird. Ich glaube, es ist wie alles andere auch eine Entwicklung. Wir dürfen nicht zu schnell zu viel erwarten, weder von den Kindern noch von uns selbst. Wir müssen geduldig sein.

  6. Danke für diesen wunderbaren Post!
    Beim Lesen wurde mir das Herz ganz schwer vor Sehnsucht. Ein sicherer Ankerplatz ist mit leider verwehrt gewesen und sein Fehlen spüre ich heute mit über 30 mehr denn je. Ich wäre gerne zu dir an den Esstisch gekommen, damals nach einem Tag voller Chaos und Verunsicherungen oder einer durchfeierten Nacht.
    Ich werde deinen Text gut speichern, damit ich ihn mir hoffentlich wieder zur Hand nehmen kann, wenn meine Kinder selbst in dem Alter sind und mir die eigene Vorbilder fehlen.

    • Wow, was für ein besonderes Kompliment für einen Text, der mir wirklich sehr am Herzen liegt. Es tut mir leid, dass du ohne Ankerplatz warst in den Chaosjahren, die uns alle so fordern und auch prägen. Aber ich glaube fest daran, dass wir als Eltern auch aus einem stark empfundenen Mangel heraus es selbst besser machen können. Du wirst deinen Kindern bestimmt immer der Ankerplatz und der sichere Hafen sein, weil du weißt, was es bedeutet, ihn zu vermissen.

  7. Ein wahnsinnig toller, wichtiger, wunderbarer Text Anna! Er trifft gerade bei uns den Nagel auf den Kopf. Ich befinde mich bei unseren Kindern in diesem Spagat zwischen den „kleinen Tagen“ mit drei Kindergartenkindern und einem Teeniemädchen mit 14, die permanent einen Sparingpartner herausfordert. Teilweise sind die drei Kleinkinder weniger anstrengend wie die eine große. Und ich Frage mich, wie ich allem gerecht werden soll.. ich renne zwischen Spielplatz, Trösten und helfen und Auseinandersetzungen, Wertediskussion und Emotionalen Ausrastern hin und her. Ich merke, dass ich meinen Fokus jetzt langsam (wieder) mehr auf die große richten kann und muss, da die kleinen Kinder langsam weniger intensiv Aufmerksam brauchen. Vorher war es jahrelang wirklich schwierig. Nochmal danke für deinen wundervollen Text, er gibt auch mir wieder das Gefühl, nach wie vor ein Anker für die Große zu sein, gerade weil sie sich immer weiter zurückzieht.

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