Eine weitere Woche ist vorbei und die Freitagslieblinge sind dran. Was für eine krasse Woche! Ich habe das Gefühl, seit letzter Woche hat sich alles überschlagen, drei mal die Richtung gewechselt und ist im Hopserlauf in eine neue Dimension gesprungen – falls dieser Vergleich Sinn ergibt. Die Welt verändert sich gerade und so gut ich das finde, so anstrengend ist es auch. Aber dazu später mehr. Erstmal geht es um die üblichen Kategorien meiner Freitagslieblinge.

Mein Lieblingsessen der Woche hat mal wieder das große Kind gekocht. Der Herzensteenie verfolgt ja seit der Lockdownphase in diesem Frühjahr nicht nur das #backengegenbudenkoller, sondern probiert auch diverse Rezepte aus, wie zum Beispiel das Philly-Cheese-Sandwich. Und gerade hat sie angefangen, sich durch ein neues Kochbuch zu arbeiten, das jetzt schon das Potential zum Lieblingskochbuch hat, nämlich Das große Neuseeland Kochbuch (Amazon Partnerlink). Diese Woche hat sie daraus Pappardelle mit frischen und getrockneten Pilzen und Kräutern gemacht, die einfach nur köstlich waren. Pappardelle mit Pilzen | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsbuch der Woche habe ich zwar schon vor etwa einem Jahr gelesen, es aber jetzt wieder hervorgeholt, um es einer Freundin zu empfehlen. Gerade in diesen Zeiten, in denen die BLM-Bewegung zu recht vielleicht lauter und sichtbarer ist, als je zuvor, finde ich es als Mensch mit „weißen Privilegien“ unverzichtbar, sich mit dem Konstrukt von „Rasse“ und der Existenz von Rassismus überall in unserem Alltag, in unserem Leben, in unserer Kultur… auseinanderzusetzen. Wir müssen eigene Mechanismen und Sichtweisen hinterfragen, die Rassismus bewahren und weitergeben, selbst wenn diese Mechanismen uns nicht alle bewusst sind. Sonst können wir als Gesellschaft diesen (tödlichen) Kreislauf von rassistischer Gewalt, rassistisch motivierter Diskriminierung und der Reproduktion von rassistischen Stereotypen niemals durchbrechen.

Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche | berlinmittemom.com

Ich lese also diese Woche zum wiederholten Mal Reni Eddo-Lodge, Warum ich nicht länger mit Weißen über Hautfarbe spreche, ein Buch, das im März 2019 im Tropen Verlag auf deutsch erschienen ist und das sich mit genau dem befasst, worüber ich oben schreibe. Die britische Journalistin Reni Eddo-Lodge geht in ihrem Buch dem systemimmanenten Rassismus nach, der das Aufwachsen einer WoC in einer weißen Welt bestimmt. Dabei beleuchtet sie sowohl den historischen Aspekt des Kolonialismus und der Sklaverei, als auch die bis in die Gegenwart reichenden Auswirkungen eines grundsätzlich strukturell rassistischen Systems. Und sie entlarvt dabei rassistische Strukturen an Orten und in Zusammenhängen, die wir als nicht-PoC gar nicht ohne weiteres erkennen.

Das Buch ist unbequem, scharf formuliert und tatsächlich auch radikal in seiner Absolutheit. Es hält allen, die strukturellen und systemimmanenten Rassismus nicht aus eigener Erfahrung kennen, den Spiegel vor. Und es lässt uns mindestens mit der Frage zurück, ob wir wirklich alle so gefeit dagegen sind, selbst rassistische Denkmuster und Stereotype zu wiederholen, ohne es zu wollen/zu merken.

Mein Lieblingsmoment der Woche für die Freitagslieblinge habe ich gestern im nahen Park erlebt. Es hatte die ganze Nacht geregnet, die Luft war weich und sanft und mein Heuschnupfen hat mal ein bisschen Ruhe gegeben. Ich war mit Katarina zum Sport machen dort und es war nicht viel los. Das war ein Moment, eine Stunde – nur für mich. Ohne andere Menschen, die mir zu nahe hätten kommen können. Ohne kleine (geliebte) Menschen, die mich permanent fordern. Ohne das Gefühl, irgendjemandem irgendwie gerecht werden zu müssen. Nur mir.

Ententeich, Volkspark Friedrichshain | berlinmittemom.com

Mein Lerneffekt der Woche hat mit dem Zustand der Welt zu tun. Damit, dass sich alles wie in einem Wirbel immer schneller zu drehen scheint und alles in Bewegung ist. Ich muss sagen, dass ich das Leben gerade sehr anstrengend finde. Nicht so sehr wegen der Einschränkungen durch Corona o.ä., sondern eher wegen der Tatsache, dass sich alles um uns herum so tiefgreifend verändert und wir nicht mal eine Ahnung davon haben, wie die Zukunft sein wird. Und zwar nicht in dem Maß, in dem man ja niemals die Zukunft vorhersagen kann, also beispielsweise die Frage, wie lange wir leben, was unsere Kinder mal im Leben so machen oder ob wir je Großeltern sein werden. Das sind die Ungewissheiten, mit denen ich gut leben kann.

Black Lives Matter Demo Berlin | berlinmittemom.com

Aber im Augenblick habe ich das Gefühl, dass überall die Masken fallen. Dass sichtbar wird, wo wir als Gesellschaft wirklich schlecht sind. Und damit meine ich nicht nur beispielsweise das deutsche Bildungssystem, das uns jetzt in der Coronakrise all das schonungslos sehen lässt, was immer schon nicht funktioniert hat. Ich denke an größere Zusammenhänge. Ich meine die Ignoranz gegenüber dem sich zuspitzenden Klimawandel. Ich meine die gewaltvollen Versuche von Machterhalt überall auf der Welt. Ich meine die Länder und ihre Regierungen, die skrupellos die Schwächsten ihrer Gesellschaft einem Virus opfern, um sich nur ja nicht einzuschränken sondern weiterhin einem gnadenlosen Kapitalismus zu huldigen. Ich meine die schrankenlose, massenhafte Billigfleischproduktion und -fresserei, die nichts mehr mit irgendwelchen echten Bedürfnissen einer Gesellschaft zu tun hat, sondern nur mit Ausbeutung und Gewinnmaximierung. Ich meine die Wohlstandsdemonstrant*innen, die meinen, wegen einer Maskenpflicht auf die Straße gehen zu müssen oder weil sie nicht golfen dürfen oder nicht in den Puff, während anderswo Menschen. an dem Virus elendiglich verrecken müssen. Die Liste lässt sich weiterführen…

All das ist gerade so sichtbar, so spürbar. Und das macht mich hilflos, traurig und wütend. Mein Lerneffekt der Woche? Ich kann das Außen nicht stummschalten, so gerne ich es manchmal möchte. Ich kann nur im Kleinen schauen, dass die Welt um mich her besser wird. Und mich selbst nicht stummschalten. Niemals.

Meine Inspiration der Woche ist Tarik Tesfu. Ich folge ihm schon lange auf Instagram und habe auch schon oft die Geschichten über seine Rassismuserfahrungen geteilt. Aber im Moment ist sein Content besonders eindringlich, er trifft auf eine ganz unmittelbare Art und Weise die richtigen Worte und lässt noch durch die spitzeste Ironie die schmerzhafte Wahrheit durchscheinen. Folgt ihm, hört ihm zu, teilt, was er macht. Es ist eine Bereicherung für uns alle.

Hier findet ihr seinen Youtube-Channel, sein Instaaccount und seine Facebookseite.

Inspiration der Woche: Tarik Tesfu | berlinmittemom.com

FRAGESTUNDE…

Noch bis nächsten Freitag sammele ich wieder eure Fragen, bevor ich sie dann beantworte. Ich freue mich wie immer auf Anregungen, konstruktive Kritik, Ideen und natürlich Fragen von euch.

Damit schicke ich euch ins Wochenende und hoffe, ihr seid alle gesund und in Frieden mit euch selbst.

Passt auf euch auf!

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