Kennt ihr das? Ihr öffnet Instagram und scrollt. Ihr seht ein schönes Bild vom Sonntagsfrühstückstisch, eins von buntem Herbstlaub an Kinderschuhen und dann… geht es schon los. Geglätte Gesichter, befilterte Landschaften, reinweiße minimalistisch leere Wohnräume, Traumstrände, gephotoshoppte  Körper, lauter beste Freunde und wunderschöne Kinder, lauter innige Partnerschaften – und nirgends eine einzige echte Person.

Ich schaue mir die Profile an und frage mich: wer sind wir? Wer sind diese Menschen mit den instagramablen Leben? Was macht uns alle eigentlich aus und wofür wollen wir stehen? Warum bekommen und gewähren wir überall Einblicke in vermeintlich perfekte Leben, während wir mehr und mehr an Profil verlieren? Warum stellen wir unser Echtsein aufs Spiel

Wir müssen damit aufhören

Wir müssen damit aufhören, unsere Leben zu befiltern und aufzuhübschen, um irgendwelchen Ansprüchen in Social Media zu genügen. Wir müssen damit aufhören, uns als Expertinnen aufzuführen, wenn wir in Wirklichkeit einfach nur unser Leben leben, so gut wir können. Wir müssen damit aufhören, Wahrheiten auszugeben wie irgendwelche Sprüchekalender, denn das geht auf Kosten unserer Identität. Integrität. Authentizität. Wenn wir immer so tun, als sei alles ein Schnappschuss aus dem großen Fotoalbum Instagram, als sei das Leben pastellig-weichgezeichnet oder naturverbunden-erdig, nur weil das gerade angesagt ist, wenn wir unsere Leben mit allen Höhen und Tiefen als ein instagrammablen Schnappschuss maskieren, dann nehmen wir uns auch die Möglichkeit, echt zu sein.

Und nein, ich meine nicht die unordentlichen Ecken im Kinderzimmer oder die dreckige Müslischale in der Spüle, die wir hier ab und zu unter dem Hashtag #fürmehrrealitätaufinstagram sehen. Ich meine das echte Leben. Ich meine die echten Themen. Die Dinge, die uns bewegen. Denn darum geht es eigentlich: darum, wer wir sind, im Leben 1.0 und in diesem Netz. Es geht ums Echtsein im Internet.

Echtsein im Internet: Wer sind wir und wenn ja wie  viele?

Das, was im Leben eines Menschen wirklich interessant ist, ist sein Wachstum. Seine Entwicklung. Sein Werden. Seine Zweifel und Ängste, seine Wege, die er nimmt, um sie zu bezwingen, manchmal erfolgreich, manchmal nicht. Das Spannende ist doch, WER wir sind, nicht WIE wir sind oder noch platter: wie unser Leben von außen aussieht. Und Social Media kann das widerspiegeln, ich weiß es und sehe es hier zum Glück auch immer wieder. Menschen, die mit ihren echten, wirklichen Themen hierherkommen und sie unverblümt teilen. Die mutig sind und ihre Geschichten erzählen. Wirkliche Geschichten, kein „Storytelling“, das ein Image aufrechterhalten oder etwas vermeintlich nicht Perfektes, nicht Vorzeigbares überdecken soll.

Vor vielen Jahren habe ich auf einer der wunderbaren Blogst Konferenzen einen Vortrag gehalten, den ich „MUTBLOGGEN“ genannt habe. Ich habe darüber gesprochen, wie wichtig es ist, man selbst zu sein, wenn man Texte ins Internet schreibt. Wie sehr es darauf ankommt, sich mit den ureigenen Themen zu befassen und auch damit rauszugehen, selbst wenn alle Welt uns was von „Nische“ predigt, die wir besetzen und bitte auch nicht verlassen sollen. Ja, das Besetzen einer Nische, in der wir uns einrichten, in der wir konkrete Adressaten anpeilen und für die wir dann stehen, ist ein sinnvolles Konzept, wenn es um das Generieren von Likes und Followern und damit dann um den Aufbau einer Zielgruppe geht, der wir im Zweifel etwas verkaufen können, weil alles so schön passt.

Aber wofür wollen wir denn stehen? Hier? Auf unseren Blogs? In Social Media? Für Armbanduhren, Smoothiebowls, Yogaeinheiten mit Blick auf brandenburgische Seen, für vegane Rezepte oder Städtereisen mit Kindern, für das beste Waffelrezept oder den abgefahrensten Lifehack für Eltern, für die Bauchwegstrumpfhose oder den Adventskalender von XYZ oder oder oder?

Social Media ist social: teilen wir (auch) die wichtigen Dinge

Ich will nicht alles und alle über einen Kamm scheren, es gibt so viel Gutes und Sinnvolles, das wir teilen und dem wir zu mehr Bekanntheit verhelfen können, angefangen von so nachhaltigen Produkten wie period proof underwear bis hin zu wichtigen Fragen wie der nach dem Umgang mit dem drohenden Klimawandel, allgegenwärtigem Rassismus oder der Herausforderung, Mädchen im Zeitalter des scheinbar nie versiegenden Sexismus heil großzuziehen. Es g i b t hier wichtige und richtige und spannende Themen, die es verdient haben, dass wir Geschichten über sie schreiben, damit sie gehört werden und damit über sie nachgedacht wird.

Ich sehe auch den Punkt, dass wir als Blogger*innen unsere Reichweite dafür nutzen können, für andere Leuchttürme zu sein, Orientierungspunkte zum Abgleich, vielleicht sogar Vorbilder bis zu einem gewissen Grad. Aber da komme ich schon wieder zu meinem Ausgangspunkt: das können wir eigentlich nur dann wirklich sein, wenn wir echt sind. Wenn wir unsere Themen nicht ständig irgendwelchen Marketingstrategien unterordnen oder uns dauernd wie Reichweite-Nutten (pardon my french) aufführen, nur damit Company X oder Agentur Y uns bitte buchen sollen.

Ja, es ist absolut legitim, sein Geld mit Bloggen und in Social Media zu verdienen und ja, dafür braucht es gute Strategien, das diskutieren wir in der Blogosphäre seit 2012 und länger. Seit es Formate wie beispielsweise Blogst gibt, die die Leute in dieser Bubble zusammenbringt und Themen aufs Panel holt, die es wert sind, angeschaut und diskutiert zu werden. Wie wir das alles machen können. Wie wir unseren Wert einschätzen lernen und entsprechend verhandeln. Wie wir unsere Stimme finden.

Wer sind wir in Social Media | berlinmittemom.com

Der Ausverkauf unserer Integrität – und Identität

Aber Leute, unsere Stimmen sind unsere Seelen, das sind WIR! Wenn wir sie verbraten für die Daniel Wellingtons und Rosenquarzroller dieser Welt, sind wir nicht mehr wir selbst. Wenn wir an den Punkt kommen, wo wir unsere eigentlichen Themen nicht mehr verbloggen können, weil sie zwischen Produkt X und Marke Y keinen Platz mehr finden, dann haben wir etwas ganz Grundsätzliches verloren, mit dem das alles mal angefangen hat: unsere Identität als Kreative in diesem Netz.

Ich nehme mich in keiner Weise aus davon. Ich habe jahrelang gut und gerne Geld mit meinem Blog verdient und auch wenn ich viele Kooperationen abgesagt habe, weil sie mir zu platt, zu unpassend, zu beliebig und willkürlich oder manchmal auch unmoralisch vorkamen, gab es immer noch genügend Themen, die ich bei mir einbauen konnte. Viele Themen waren wichtig und richtig, viele Kooperationen waren Herzensprojekte oder wenigstens ging es um Produkte, die wir wirklich selbst nutzen und gut finden – aber das trifft eben längst nicht auf alles zu. Es gab auch belangloses Zeug, irrelevante Themen. Und ja, man kann nicht immer nur mit Tiefgang bloggen, das ist unglaublich anstrengend und schwierig. Ich kämpfe selbst immer wieder mit meinen Themen und frage mich, ob dieses und jenes wirklich passt und ob ich das tatsächlich so schreiben kann.

Aber ich kann ihn nicht mehr ertragen, den Ausverkauf der Integrität und Authentizität auf Instagram. Den Neid unter den „lieben Kolleg*innen“, die sich eher ein Bein abhacken würden, als einen Kontakt zu teilen oder einen wirklich wichtigen Beitrag zu pushen, wenn sie nichts dafür bekommen. Die Missgunst, die manche dazu bringt, über andere bei Agenturen oder Kunden schlecht zu reden, damit sie nicht mehr gebucht werden. Die pseudo-solidarischen Verschwesterungsevents der einzelnen Nischen, auf denen es vor allem darum geht, neue Kontakte abzugreifen und sich als Platzhirschin aufzuführen, damit bloß keine andere Kollegin zu viel Aufmerksamkeit bekommt. Das peinliche Gerangel um die Goodiebags, wenn diese auf einem Firmenevent mal wieder besonders üppig ausgestattet wurden. Ist es das, was die Monetarisierung unserer Blogs und Social Media-Kanäle aus uns gemacht hat?

Tatsächlich bringt es mich inzwischen mehr und mehr an die Grenzen meiner Großzügigkeit, wenn ich meine Instagram-App auf dem Handy öffne und wieder hauptsächlich „blabla“ sehe. Tolle Kosmetik hier, supercleane Deko da, überall dieselben Dinge, überall glückliche Kinder und strahlende Teints, überall perfekte Körper und aufgeräumte Wohnungen, wo es „joy sparkelt“, dass Marie Kondo ihre Freude daran hätte, überall innige Beziehungen und beste Freundinnen und Beach Hair und Pumpkin Spiced Latte… aber kaum jemand zeigt mehr, wer er ist. Echtsein im Internet? Ist nicht angesagt.

Zeigen wir, wer wir wirklich sind – all inclusive

Kaum jemand schreibt über seine Ängste oder Depressionen, kaum jemand sagt mal, hier, mein Kind ist übrigens in Therapie, kaum jemand sagt in dieser schönen, makellosen Welt Wörter wie „Panikattacke“ oder „Magersucht“ oder „Vergewaltigung“. Aber es gibt sie, die Accounts, die diese Dinge hochholen und die glatte Oberfläche durchstoßen, unter der es bei uns allen etwas gibt, das wir hier nicht zeigen. Es gibt die mit den Transkindern und die mit der Angststörung, die mit dem Krebs und die mit dem depressiven Mann, die, die im Rollstuhl sitzt und die mit Asperger, die, deren Kind ein Systemsprenger ist und die, der ihr Familienleben einfach zu viel wird. Da sind die, die von Rassismus betroffen sind und die, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Es gibt die in bitterer Armut und die, die sich ganz allein fühlen auf der Welt. Es gibt die, die trauern und die, die gerade kämpfen, die chronisch Kranken und die, die dem Tod geweiht sind. Und es gibt auch ganz einfach die, die aus irgendwelchen Gründen nicht der (Insta)Norm entsprechen und einfach ihr Leben zeigen, ganz ohne Minimalismus, Clean Eating und Morgenmeditationen.

Das alles sind die, die sich trauen zu zeigen, wer sie sind. Was sie ausmacht. Und wie ihr Weg bis hierher war. Viele teilen ihre Erfahrungen und sind dadurch anderen in ähnlichen Situationen eine Orientierung, eine Hilfe, ein Beispiel. Aber auch wenn ich vielen solchen Accounts und Blogs folge und mir damit meinen Feed natürlich „relevanter“ gestalten kann, stehen dem gegenüber immer noch unzählige Accounts von sogenannten Influencer*innen und angeblichen Blogger*innen, die die Plattform mit Nichtigkeiten fluten.  (An der Stelle noch mal für alle: ein*e Blogger*in ist jemand, der einen Blog schreibt, nicht jemand, der Kalendersprüche auf Instagram raushaut wie nix Gutes, selbst wenn dem Account 100K andere Accounts folgen)

Ich will so nicht werden. Ich will so nicht sein. Ich will damit nicht konkurrieren. Und ich will auch nicht, dass Firmen und Agenturen tonnenweise Geld verbrennen, um mit solchen Profilen zusammen zu arbeiten, statt mit denen, die wirklich eine Botschaft haben und sich wagen, zu zeigen, wer sie sind. Aber daran kann ich nichts ändern.

Ich kann lediglich mich selber ändern. Daher gibt es hier wirklich nur noch die ausgewählten und handverlesenen Kooperationen, hinter denen ich voll und ganz stehen kann und/oder von denen ich denke, dass sie euch, meinen Leser*innen, wirklich etwas bringen: Information, ein leichteres Leben oder eben Freude, wenn es beispielsweise um eine Verlosung geht. Außerdem werde ich jetzt auf Instagram und hier verstärkt Profile teilen, die meiner Meinung nach wirklich relevant sind, egal, wie klein sie sein mögen. Das ist nämlich unter anderem der Sinn und Zweck des Wörtchens „social“ in Social Media. Die Verbindung untereinander, die uns alle stärker machen kann.

Wir können das auslegen und ausleben, wie wir wollen und neben allen Rosenquarzrollern dieser Welt etwas wirklich Gutes damit bewirken. Uns vernetzen, wichtige Stimmen hörbar machen, auch wenn sie unbequem und schwer auszuhalten sind.

Das war’s. Das musste raus. Over and out.

PS: Ein wunderbarer Artikel über das Leben im Internet und wie wir dort miteinander umgehen, der in ganz vielen Aspekten meine Gedanken wiedergibt und sich mit meinem  Post hier überschneidet, lest ihr gerade bei meiner lieben Jette, der MeSupermom. Sie ist eine von den Echten. Danke, liebe Jette.

13 Kommentare

  1. Ein ganz wunderbar geschriebener Artikel. Ich denke, keiner wird Dir widersprechen. Ich mache mir darüber häufig Gedanken. Mich beeinflusst das glattgebügelte Leben anderer selten. Manchmal piekst hier und da was, aber letztendlich stehe ich persönlich da drüber und weiß das einzuordnen. Wie Du sagst, es gibt diese anderen Accounts. Viele davon. Aber das sind eben nicht die, mit vielen Followern. Aber die Frage ist ja auch: warum? Obwohl das jeder hier sicher genauso sieht wie Du, folgen am Ende des Tages dann doch alle diesen einheitlichen Formaten. Da, wo es eine organisierte Bildsprache gibt. Weil es einfach schön anzusehen ist. Die Frage ist also, ob so viele diese Realität gar nicht sehen wollen? Oder woran hängt es?
    Und es ist natürlich auch einfach leichter, glattes zu teilen. Ich habe nun keinen großen Account und muss mich mit negativen Kommentaren nicht weiter auseinandersetzen. Aber man bekommt immer wieder mit, wie bei anderen jedes Wort auf dir Goldwaage gelegt wird. Es wird kritisiert und angegriffen, sodass ich nachvollziehen kann, wenn einem die Lust vergeht, auch mal Kante zu zeigen.
    Was ich sagen möchte: auch als Konsument sollten wir uns kritisch hinterfragen.
    Ich selbst versuche immer wieder unser Leben zu zeigen, wie es ist. Da unsere 2. Tochter ein pflegebedürftiges Kind ist, bringt mir persönlich der Austausch viel und ich merke, dass es anderen auch etwas gibt, wenn ich unseren Weg zeige. Manchmal würde ich auch gerne noch mehr sagen und zeigen. Am Ende des Tages muss ich aber natürlich auch meine Familie schützen und lasse manche Realität außen vor. Da sind ggfs andere offener. Damit soll aber nichts meinerseits beschönigt werden, sondern ich sehe da meine persönliche Grenze des Schutzes erreicht. Ein schwieriges und wirklich umfangreiches Thema Danke aber für den Denkanstoß nicht nur für die bloggende Zunft, sondern auch die Konsumenten.
    Liebe Grüße Nina

  2. Ein so toller und wichtiger Artikel , liebe Anna. Auch wenn ich much einfach an schönen Fotos im Netz freue, sie sind für mich ästhetische Augenweide. Ich habe jedoch auch nie jemals gedacht, das Leben dieser anderen sei zu 100% toll. Bei jedem wackelt ab und an ein Stuhlbein des Lebens.
    Schlimm finde ich die von dir auch beschriebenen accounts, die hier und da mal pseudomässig droppen, ihr leben sei auch so imperfekt (durch das zeigen von wäschebergen oder spielzeug im wohnzimmer, huch ein krümel auf dem boden) garniert mit einem rührigen text für mehr realität, nur um hierfür lob abzufischen. Es ist so durchschaubar.
    Danke für deine Anregungen, vielleicht macht es auch die Mischung an accounts.
    Lg
    Maja

  3. Hach Anna,
    wie wunderbar, wie wahr!
    Ich konnte beim Lesen nur nicken und tatsächlich entfolge ich sofort Leuten, wenn es mir nicht echt vorkommt. So habe ich noch nie eine DW-Uhr gesehen, eine Smoothie-Bowl nur einmal.
    Jedoch ist es gerade das, was ich suche: Authentizität, persönliche Gedanken.
    Und immer wenn ich anderen Profilen fast neidvoll hinterschaue und den einheitlichen Feed und deren Swipes betrachte, obwohl mein Blog wohl in den Top 3 der ältesten Mamablogs ist besinne ich mich genau auf die Gedanken: das bin ich nicht. Unser Alltag ist nicht nur Wald, Kinderzimmer oder Beschäftigung. Unser Alltag ist bunt und mal ist keine Zeit für Instagram.
    Mich nervt es, dass Facebook Reichweiten dämmt und mich immer wieder zu den Überlegungen führt: warum klappt das nur so schleppend.
    Aber nein: so nicht, ich bin ich.
    Danke dir für den Text. <3
    Liebe Grüße
    Sarah

  4. Danke für deine Worte!
    Ich blogge nicht, sondern bin nur auf insta und nähe. Hier ist es oft dasselbe. Viele schöne Dinge werden geteilt, alle makellos, passen, alles schön und toll… ich folge einigen, picke mir aber die authentischen sehr gerne immer raus…. oder zumindest die für mich vermeintlich authentischen….
    schön, diesen Text hier zu lesen!!
    Lieber Gruss Sabine

  5. Liebe Anna, wunderbar geschrieben. Ich blogge selber und bin auf Instagram. Ich fotografiere gern und mag schöne Fotos aber ich bin Insta-müde. Ich kann diesen ewig und immer gleichen Filter nicht mehr sehen. Die blonden Frauen mit top Figur, leicht gebräunter Haut und Hut unterscheiden sich kaum noch voneinander. ABER DIE LEUTE WOLLEN DAS SEHEN. Warum, weiß ich nicht. Wer meinen Blog liest und mir auf Insta folgt, der weiß, wie es bei uns zugeht. Unsere Familie ist kunterbunt, mit der wechseljahresgeplagten Mutter, einer großen Tochter, die bald heiratet, einem kleinen Rabauken und einem Asperger. Ich versuche, abgesehen von den Kooperationen, bei denen man sich manchmal etwas verbiegen muss, unser Leben so zu zeigen, wie es ist. Leider gibt es immer weniger authentische und ehrliche Accounts. Ich finde es schade… Liebe Grüße Kerstin

    • Liebe Kerstin, das erlebe ich ganz ähnlich wie du. Und ich finde es wirklich schwierig, dass die Masse diesen Einheitsprofilen recht gibt, zumal es ja auch dazu führt, dass uns in unserem Business tatsächlich Nachteile entstehen und wir weniger gebucht werden, weil eben die anderen so hohe Followerzahlen haben. Aber ich weigere mich ein für alle Mal, dieses Spiel des schönen Scheins mitzuspielen, auf allen Ebenen. Und ich hoffe, das machen andere genauso. So wie du. Liebe Grüße!

  6. Rosenquarzroller? Die sind definitiv an mir vorbei gegangen. Aber ich bin auch nicht auf Instagram. Und auch wenn ich mal im Online Marketing gearbeitet habe, waren mir Plattformen wie Facebook immer ein Graus.

    Ich bin relativ immun gegen Hochglanz und lese nur eine Handvoll Blogs regelmäßig, u. a. Berlinmittemom, aber kommentiere normalerweise nicht. Vielleicht sollten gerade die stillen LeserInnen, die Authentizität zu schätzen wissen, öfter mal die Stimme erheben.

    Daher mal auf diesem Wege DANKE Anna für dein Herzblut. Ich weiß wie viel Arbeit ein Blog macht und weiß es umso mehr zu schätzen, wenn Blogger wie du nicht den leichten Weg gehen und sich für Kooperationen verbiegen.

  7. Hallo Anna,

    es ist halt alles eine Frage der persönlichen Entscheidung, wie man seine Social Media Präsenz nutzen möchte.

    Blog eins (ich nehme mal Dich): bunter Strauß an Themen, auch mal politisch, gelegentliche Kooperationen.
    Bloggerin verheiratet, 3 Kinder, Haus zentral in Berlin, viele tolle Reisen, Geld dafür nicht über den Blog erwirtschaftet.

    Blog zwei: Akademikerin, Ü50, alleinerziehend, Vater zahlt und kümmert sich nicht, drei Kinder. Mutter engagiert sich in Kommunalpolitik, keine Festanstellung,Sozialwohnung, kein Urlaub, Transferleistungen, keine Kooperationen, obwohl der Lebensstandard damit sicherlich verbessert werden könnte. Politische /Soziale Themen neben Familie im Blog immer präsent.

    Blog 3: Einzelhandelskauffrau, Ende 20, verheiratet, 4 kleine Kinder, Ehemann hat im Einzelhandel gearbeitet. Beide leben nun vom Influencing der Frau, grosse Mietwohnung, Haus ist in Planung. Urlaube in Mauritius, Südafrika, Italien usw.

    Bloggerin 2 ist authentisch und verzichtet darauf, aus dem Blog Kapital zu schlagen und eine Verbesserung der Lebensumstände zu ermöglichen und der drohenden Altersarmut entgegenzuwirken.

    Bloggerin 3 hält alles in die Kamera, wofür es Geld gibt und ermöglicht sich und ihrer Familie ein Leben, was sie im Rahmen ihrer klassischen Ausbildung mit Ende 20 so niemals hätte haben können.

    Viele Grüße
    Karin

  8. Ja, sicher, es gibt diese Hochglanzprofile in den sozialen Netzwerken. Aber es gibt auch sehr viele andere und jede*r kann selbst entscheiden, was er/sie im Feed zu sehen bekommen will. Zu meinen eigenen Entscheidungen, was ich poste und was nicht, gebe ich zu bedenken, dass für mich mein Instagram-Account auch sowas wie ein „Erinnerungsbuch“ ist – und da ist es nur natürlich, dass man sich lieber an die schönen, herausragenden Dinge erinnern möchte, als an die weniger guten. Außerdem gehört es für mich auch zur Privatsphäre meiner Kinder, dass ich zB nicht lang und breit über ihre Schwierigkeiten, Schwächen oder Probleme berichte. Immerhin ist so ein Feed öffentlich. All das sollte man bedenken, bevor man über das ‚zu glatt polierte“ Profil anderer Menschen urteilt.

  9. Amen und aber – ich persönlich genieße bei Instagram das Schöne, Kreative und Inspirierende… Vielleicht liegt es an den Accounts, denen ich folge, aber mir gefällt dort sehr der wertschätzende Ton und die Abwesenheit von hate speech im Gegensatz zu Facebook und Twitter. Für mich ist Instagram tatsächlich in erster Linie etwas für die Augen, ein Schatzkästchen voller spannender KünstlerInnen, KeramikerInnen, WeberInnen, DesignerInnen etc und ein Ort, wo Menschen das teilen, was sie an der Welt um sie herum schön finden und was sie glücklich macht. Das tut mir, ehrlich gesagt, richtig gut. Mir ist völlig klar, dass dabei eine ganze Menge unschöner Dinge unter den Tisch fallen. So sehr ich deinen Blog für die Offenheit schätze, so gut kann ich aber auch alle die verstehen, die sich das nicht trauen… Zwischen „nur einen Ausschnitt meiner Lebenswelt teilen“ (in meinem Fall den 0,5%igen Ausschnitt, der schön aussah oder lecker war ;)) und „eine heile Welt vortäuschen“ ist da für mich noch ein großer Unterschied… Einige Accounts, denen ich folge, sind wie deine, wo die Bilder eher an zweiter Stelle stehen und Gedanken illustrieren, die in eine Richtung weisen, in die es mich auch zieht. Diese Gedanken lese ich dann auch gerne ausführlich im Blog, da dient Instagram mir eher zur Info, dass es überhaupt einen Blogbeitrag gibt. Ich finde, Instagram verbindet Menschen nochmal über andere Ebenen als über die der Meinungs- oder Gedanken-Ebene, weil diese so nachrangig ist dort.. Das ganze Selbstdarsteller- und Followerbrimborium wirkt auf mich wie eine Parallelwelt, mit der ich kaum bis gar keine Berührungen haben muss, wenn ich nicht will, oder?

  10. Ein spannender Artikel, der aktueller ist, denn je. Ich glaube, dass grade Instagram zur Zeit in der Breite am gehyptesten ist, aber auch seinen Zenit erreicht hat.

    Ich persönlich blogge & flankiere unser Blog, genau um unsere reale Familienwelt zu zeigen, getreu unserem Motto: Das Leben mit Kind aus der Papa-Perspektive.

    LG, Richard & Hugo vom https://www.vatersohn.blog

  11. Vielen Dank für die beflügelnden Worte! Du hast mir gerade einen wichtigen Denkanstoß, den ich gerade brauchte!

    Viele Grüße
    Lia

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