Schon wieder sind die Freitagslieblinge dran – wo ist die Woche hin? Immerhin habe ich noch meinen anderen Text über Freundschaft veröffentlicht und natürlich das Pupusa-Rezept, vielleicht komme ich also wirklich wieder in einen kleinen, feinen Blogrhythmus.

Freitag. Kaum zu glauben, dass #hanau gerade eine Woche her ist und die öffentlichen Reflexe von Beschwichtigung, Verharmlosung und inhaltlosen Phrasen schon wieder bestens funktionieren. Ich weiß wirklich nicht, wie das zu ertragen ist. Es braucht einfach endlich ein wirksames, glaubwürdiges offizielles Vorgehen gegen rechten Terror und rassistische Gewalt in diesem Land. Und ich habe keine Ahnung, wie wir unseren Alltag weiterleben können/sollen, ohne uns jeden Tag und immer wieder vor Augen zu führen, womit wir es hier zu tun haben: gezielte Mordanschläge auf Menschen mit dunkler Haut. Das spricht für sich, da muss man nichts mehr interpretieren.

Die Woche war ereignisreich in jeder Hinsicht. Es gab Termine in der Schule, Erkältungsrückschläge, Unruhe wegen Corona und jede Menge intensives Familienleben – also eigentlich alles wie immer.

Die Lieblingsserie und damit Serientipp der Woche habe ich gerade bei Netflix entdeckt. Ich habe erst drei Folgen geschaut und weiß noch nicht so richtig, wohin der Erzählfaden führt, aber die Stimmung gefällt mir supergut und ich werde die Staffel mit Sicherheit zu Ende schauen. Die Serie ist eine Netflix-Produktion, also ein Netflix Original und heißt Gentefied.

Was mich zuerst bewogen hat, die Serie einzuschalten, ist das Setup: drei Cousin*en mexikanischer Herkunft versuchen, in ihrem Viertel, geprägt von Latino-Einwanderern verschiedener Generationen und aus verschiedenen Ländern, ihre jeweiligen persönlichen Träume zu verfolgen, während sie gleichzeitig versuchen, das Taco-Restaurant ihres Großvaters zu retten. Ich schaue die Serie im Original und stelle begeistert fest, dass sie eigentlich bilingual ist. Der Abuelo, der das Taco-Restaurant betreibt, spricht fast ausschließlich spanisch, und zwar sowohl mit den drei Enkel*innen als auch mit seiner Kundschaft, was in der Serie dann untertitelt wird.

Die drei jungen Erwachsenen ehren alle drei ihre mexikanischen Wurzeln sehr und sind der Familie und dem Familienrestaurant von Herzen verbunden, aber sie versuchen auch, jede*r auf seine/ihre Art, den amerikanischen Traum zu leben. Währenddessen kämpft nicht nur der Tacoladen der Familie ums Überleben, sondern das ganze Viertel muss mit  Gentrifizierung umgehen. Hierbei ist die Community von Einwanderern bedroht, eine Subkultur für sich, die mehrere Generationen mit ihrer Herkunft verbindet. Hier wird die Muttersprache gesprochen, das Essen aus der Heimat zubereitet und die alten Traditionen und Rituale gepflegt. Das Spannungsfeld, in dem die drei Cousin*en leben, geht es letztlich immer um die Identität zwischen den eigenen Wurzeln und dem Wunsch, in einer Gesellschaft zu bestehen und einen Platz zu finden, in der Einwanderer*innen nach wie vor Außenseiter sind – auch noch in der dritten oder vierten Generation.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht!

Gentefied | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsbuch der Woche für die Freitagslieblinge habe ich gerade angefangen. Es heißt „Unfollow“*, ist von Nena Schenk und befasst sich mit dem (negativen) Effekt von Instagram auf unser Leben. Zugegeben, ich liebe Instagram. Seit ich mich dort 2012 registriert habe, ist das eigentlich neben meinem Blog mein regelmäßigster und liebster Ort im Netz. Ich habe dort wunderbare Menschen getroffen, finde oft Inspiration bei den Profilen, denen ich folge und bin immer wieder von Herzen dankbar für den Austausch mit meinen Leser*innen (ich hasse das Wort Follower*innen übrigens, das klingt so nach… Einbahnstraße?).

Freitagslieblinge: Unfollow | berlinmittemom.com

Aber ich hadere auch sehr oft mit der Plattform. Mit der furchtbaren Oberflächlichkeit, mit der Schnelllebigkeit, mit der die Dinge genau 24 Stunden relevant sind, bevor neuer Content alles wieder verschwinden lässt. Mit der schönen Scheinwelt, die vor allem von großen und „erfolgreichen“ Profilen dort aufgebaut und als Projektionsfläche für alle möglichen vermeintlichen Lebensträume bereitgestellt wird, während eigentlich hinter jedem gezeigten Sofakissen, hinter jeder Yogapose und jeder Smoothiebowl ein Werbedeal versteckt ist. Und das ist wieder ein Punkt, der mich Instagram-müde macht: dass Kooperationspartner und Agenturen immer noch nicht auf die authentischen Profile setzen, die wirklich mit ihren Leser*innen s p r e c h e n, wo es wirklich um Inhalte geht und die dadurch alleine eine berechtigte und nachweisliche Glaubwürdigkeit besitzen, sondern immer noch lieber mit den reichweitenstärkeren Accounts zusammenarbeiten, ganz egal, ob da nur gebullshittet wird, ob regelmäßig Follower und Likes gekauft werden und jeden Tag neue Rabattcodes und Produkte durch den Feed gejagt werden, die sich teilweise sogar widersprechen. Ich empfinde vieles auf Instagram oft als unethisch, verantwortungslos und unmoralisch und damit meine ich nicht nackte Haut oder Kinderfotos, sondern den Umgang mit Follower*innen und den Ausverkauf der eigenen Integrität. Ich schrieb schon mehrfach darüber.

Insofern trifft das Buch „Unfollow“ bei mir voll ins Schwarze mit der Themensetzung und ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich werde berichten.

Mein Lieblingsessen der Woche war ein Getränk, genauer gesagt eine frische Limonade. Mein Herzensmädchen und ich waren nämlich neulich spontan außerhalb unseres Kiezes in einem Café und haben selbstgemachte Limonade getrunken: Ingwer-Limette mit Minze war das und hat uns für fünfzehn Minuten ganz und gar glücklich gemacht. Ich werde das demnächst mal nachmachen, wenn es wieder wärmer wird und falls es gelingt, werde ich das Rezept für die Mischung hier posten.

Selbstgemachte Limonade | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche teile ich mit Sicherheit mit vielen von euch, denn dieser Clip ging viral in der letzten Woche. In dem Text, den Cynthia Nixon hier einspricht, geht es darum, welchen Druck es bedeutet, eine Frau zu sein. Mit welchen Rollenzuschreibungen wir uns herumschlagen müssen. Es zeigt die vielen problematischen Facetten von Frausein heutzutage, und es zeigt, wie schwer es ist, unsere Töchter vor diesen allgegenwärtigen Zuschreibungen zu schützen. Wer sich noch fragt, warum wir Feminismus brauchen, der schaue genau hin: Be a lady they said.

Be a Lady They Said from Paul McLean on Vimeo.

Meinen Lerneffekt der Woche habe ich diese Woche in einem Instagrampost zu formulieren versucht und gestern in meinem Text über Freundinnen in anderer Form in zusammengefasst. Es geht um Liebe. Um das einzige wirksame Gegengift gegen Hass, Hetze und Verletzung, das ich kenne. Um Liebe, an der ich mich festhalte und die mich trägt. Liebe, die mein Kompass ist, um mich in meiner Welt zurechtzufinden, wenn sie in Unordnung gerät, im Großen wie im Kleinen. Und das ist es: Liebe ist mein Kompass.

In der nächsten Edition der Freitagslieblinge beantworte ich die bisher eingegangenen Fragen von letzter Woche – falls ihr noch mehr Fragen und Anregungen habt, könnt ihr sie mir gerne unter diesem Post hinterlassen. Ich freue mich darauf.

Kommt gut ins Wochenende und atmet tief durch, immer wenn ihr könnt.

 

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