Es ist wieder Freitag, die Sonne scheint durchs Fenster und der Frühling kündigt sich an – ich kann es kaum erwarten. Das hier sind also die ersten Freitagslieblinge im März und sie werden hier begleitet von Vogelgezwitscher und Hyazinthenduft.

Ich habe diese Woche nicht viel gelesen, außer in Unfollow*, was ich euch letzte Woche hier vorgestellt habe. Aber ich habe mir vor kurzem aus gegebenem Anlass ein Buch angeschafft, das ich euch heute zeigen will,  auch wenn ich noch nicht viel darin gelesen habe.

Das Lieblingsbuch der Woche für diese Edition der Freitagslieblinge ist von Franzi von Kempis und heißt „Anleitung zum Widerspruch. Klare Antworten auf populistische Parolen, Vorurteile und Verschwörungstheorien“*.

Anleitung zum Widerstand | berlinmittemom.com

Das Buch befasst sich mit der scheinbaren Logik von populistischen Argumentationen zu den großen Themen unserer Zeit: Klimawandel, Flüchtlings-  und Migrationsbewegungen, Rassismus und Sexismus. Dabei gibt es uns nicht so sehr Argumente sondern Argumentationsstrategien an die Hand und zeigt auf, wie man Verschwörungstheroetikern, Antisemiten und Klimawandelleugnern entgegentreten kann. Ich finde den Ansatz wichtig und gut und bin gespannt, ob die „Anleitung zum Widerstand“ auch praktikabel ist.

Die Lieblingsserie der Woche ist (mal wieder) Sex Education auf Netflix. Ich habe über die erste Staffel ja hier schon mal geschrieben, als ich die besten Netflix-Serien für Teenager vorgestellt habe. Jetzt haben wir (der Teenie und ich), seit Erscheinen der zweiten Staffel Mitte Januar glücklich Folge um Folge geschaut, wenn wir Zeit hatten und haben diese Woche das Staffelfinale gesehen.

Beste Netflixserien für Teenager | berlinmittemom.com

Was soll ich sagen? Eine zweite Staffel einer Serie, die man sehr mochte, ist ja immer nicht ganz unkompliziert, besteht doch zumindest theoretisch die Gefahr, dass sie gegenüber der vorhergegangenen Staffel abschmiert. Ist hier nicht der Fall. Wir mögen die Figuren immer noch, wir feiern das Schräge gleichermaßen wie die Offenheit, mit der bei Sex Education mit Sexualität umgegangen und sie auch gezeigt wird. Und wir lieben es, wie sich die (Liebes-)Geschichten entwickeln: tragisch, verwirrend, falsch und doch wieder richtig, dramatisch, erfüllend, herzzerreißend und wunderbar. Wir mögen die lesbischen und schwulen Pärchen die entstehen und wieder auseinandergehen und wir sind froh um die Emanzipation der Schulleitersgattin, die sich endlich ihren verklemmten und durchaus gemeinen Ehemann vom Halse schafft. Und deshalb sind wir auch umso glücklicher, dass es eine dritte Staffel geben wird: Gottseidank!

Das Lieblingsessen der Woche ist japanisch, denn gestern waren der Mann und ich seit gefühlten Monaten das erste Mal wieder allein zu zweit zum Essen aus. Eigentlich war es egal, was wir aßen, aber zum Glück für uns war es köstlich.

Sushidate | berlinmittemom.com

Die Inspiration der Woche war  für mich ein Video aus dem Bielefelder Theater, das ich in den letzten Tagen im Netz  gefunden habe. Die Schauspielerin Christina Huckle wendet sich nach dem Ende der Vorstellung ans Publikum und ruft zu „hemmungsloser Freundlichkeit“ auf. Als Aktion des Bielefelder Theaters wird das jetzt am Ende jeder Vorstellung stattfinden und soll die Menschen daran erinnern, dass sie MITMenschen sind. Dass Freundlichkeit, Zugewandtheit und gegenseitiger Respekt im täglichen Umgang dazu führen können, dass wir alle besser leben. Dass Hass keine Chance hat in einem Klima von Wohlwollen und Anstand im Umgang miteinander. Dass jeder Einzelne dazu beitragen kann, ob Hass und Hetze auf einen dankbaren Nährboden treffen, auf dem sie gedeihen und sich ausbreiten können oder nicht.

Ich kann das Video leider nicht hier einbinden, daher findet ihr es hinter dem Link oben im Text.

Der Lerneffekt der Woche ist kurz und knapp diesmal: ich werde meinen Blick noch bewusster auf die guten Sachen richten, seien sie auch noch so „klein“. Es kommt nicht darauf an, ob ein Tag gut gelaufen ist, ob alle Erwartungen sich erfüllen, ob wir von Glück und Liebe eingewoben sind von morgens bis abends. Das ist unrealistisch, so ist das Leben nicht. Ich übe mich wie immer in Dankbarkeit, das ist kein neuer Lerneffekt für mich.  Aber: wenn ich jeden Tag am Abend bewusst feiere, weil er einfach ruhig war, weil er nur normalen Alltag mit allen Höhen und Tiefen beinhaltet hat und keine Katastrophen, keine Krankheiten, Todesfälle, echte Not – dann geht es mir besser. Es rückt Dinge ins Verhältnis. Dankbarkeit und der Blick aufs Kleine. Meine tägliche Praxis.

FRAGESTUNDE – eure Fragen aus den letzten zwei Wochen

Ich habe das vermisst! Ich mag die Freitagslieblinge ja sowieso aus vielen Gründen, aber eure Fragen und euer Input ist dabei meine Lieblingskategorie. Dass das hier, mein Blog, immer noch ein Ort ist, an dem wir uns begegnen, uns austauschen, miteinander sprechen, das ist für mich das Beste an der ganzen Bloggerei. Danke dafür an dieser Stelle.

Anne hadert mit Instagram und Social Media, sie hat sich selbst eine Art Instagram-Fasten verschrieben, um zu sortieren, was sie dort eigentlich wirklich will. In diesem Kontext fragt sie mich: „Was bedeutet z. B. Instagram für Dich?“

Ich  kann persönlich die Ambivalenz absolut nachvollziehen, denn Insta ist einerseits meine liebste App seit Jahren. Andererseits sehe ich schon seit längerer Zeit, wohin dort die Reise geht. Ich schrieb ja schon mal über den Ausverkauf der Integrität in Social Media und das Echtsein im Internet. In dem Artikel versuche ich zu beschreiben, was mein Problem mit Instagram ist: all die Filter, all die farblich abgestimmten Feeds, in denen alle Kinder gleich angezogen sind, alle dasselbe essen und mit denselben Rabattcodes um sich schmeißen – das ist  nicht der Ort, an dem ich mich aufhalten möchte. Aber  die Plattform, auf der sich wirklich ausgetauscht wird, der Ort, wo Menschen einander begegnen, sich unterstützen, einander helfen – das ist das Instagram, das ich wirklich liebe und wo ich immer wieder hingehe.

Arbeiten im Internet | berlinmittemom.com

Ich kenne so viele Profile, die wirklich wichtige Inhalte teilen, Menschen dahinter, die sich wirklich für Dinge einsetzen und ihren Followern (ich mag das Wort immer noch nicht, das werde ich nie) mehr bieten als Unboxing, Hauls und Rabattcodes. Ich gebe zu, man muss  die Profile suchen, aber sie sind da. Und weil ich gerne die guten Inhalte teile, hier ein paar Beispiele: Charlotte Kuhrt (Body  Positivity), Louisa Dellert (Politik und Nachhaltigkeit), Pattiegonia (LGTBQ Advocate/Drag), Mum and still me (Politik, Familie, Nachhaltigkeit), Mareicares (Inklusion/Feminismus), Wortkonfetti (Vereinbarkeit), dasnuf (Mental Load/Medienkompetenz), Charonstochter (Umgang mit Tod), badassmotherbirhter (selbstbestimmte Geburt), Autistic Wellbeing (Autismus), Aminata Belli (Rassismus) und Fräulein Tessa (Feminismus), um nur ein paar zu nennen. Da finde ich immer wieder echte Denkanstöße, respektvolle Kommunikation und auch respektvollen Diskurs, echte Begegnung und echte Anliegen. Auch das kann Social Media.

Außerdem gibt es gerade auf Instagram für mich sehr viele Kontakte, die ich als Internetfreundschaften definieren würde. Das ist wie – mal schnell zum (virtuellen) Kaffee bei jemandem reinhuschen, den ich sehr mag und der mir den Tag erhellt. Ladies, you know who you are.

Christina verfolgt meine Lesegewohnheiten und will wissen: „Was fasziniert dich so an Krimis bzw. warum liest du sie gern?“ Ich habe im Teenageralter angefangen, psychologische Krimis zu lesen, vor allem die von Barbara Vine und Patricia Highsmith und war richtig angefixt. Da fing meine Krimiliebe an. Dann habe ich mich durch die klassische englische Krimiliteratur gefräst und bin bei Elizabeth George, Deborah Crombie und Martha Grimes gelandet. Und von da war der Weg nicht mehr weit zu meinen Lieblingsserien um verschrobene Komissare und ihre teilweise schrägen Fälle wie beispielsweise Komissar Adamsberg aus der Feder von Fred Vargas oder natürlich Commissario Brunetti von Donna Leon. Ich mag es, dass die Figuren immer wiederkehren und ich mag, dass es dennoch in sich abgeschlossene Geschichten sind. Immer, wenn ich neuen Krimistoff finde, der meinen Geschmack trifft, bin ich hingerissen! Allerdings mag ich nichts, was zu gruselig oder blutrünstig ist. Mo Hayder beispielsweise hat mir schlaflose Nächte bereitet. Bei sowas bin ich raus. Und historische Krimis sind auch nicht so meins.

Krimitipp für die Sommerferien | berlinmittemom.com

Tanja möchte wissen, wie es Archie inzwischen geht: prima, danke der Nachfrage. Er ist inzwischen 7 Monate alt und frisch kastriert, er ist verfressen, frech und absolut furchtlos. Wir lieben ihn sehr! Außerdem fragt sie: „Hat die Fastenzeit eine Bedeutung?“ und „Habt ihr schon Urlaubspläne für die nächsten Ferien?“ Tatsächlich nutzen wir die Fastenzeit immer, um Alkohol zu fasten (der Mann fastet außerdem Kaffee), aber das hat keine religiöse Bedeutung. Wir nehmen einfach den Zeitraum, weil sich das zwischen Karneval und  Ostern sehr gut anbietet.

Archie Love | berlinmittemom.com

Für die Ferien haben wir bisher vor allem Prerow eingeplant. Tatsächlich gibt es da auch Neuigkeiten: wir hatten uns vor zwei Jahren entschieden, dort ein Haus zu kaufen und als Ferienhaus zu vermieten. Diesen Traum haben wir uns seitdem erfüllt und das Haus wird tatsächlich ab diesen Sommer vermietet. Dazu gibt es hier aber bald noch mehr Infos.

Damit sind die Freitagslieblinge für diese Woche komplett und ihr könnt neue Fragen stellen, neue Anmerkungen machen oder einfach einen Kommentar dalassen.

Kommt gut ins Wochenende, passt auf euch auf und immer schön in die Armbeuge husten.

4 Kommentare

  1. Hallo und danke für diesen schönen Post. Was das Bielefelder Theater da umsetzt, finde ich ganz großartig! Und Deine Krimi Auswahl ähnelt der meinen beinah 1:1 – und Mo Hayder habe ich auch noch in zu schauriger Erinnerung. Gerade lese ich Louise Penny und finde ihre Charaktere und das wunderbare Kanada drumherum echt gut. Liebe Grüße, Simone

  2. Liebste Anna,

    Danke, dass du dir Zeit nimmst, für uns da draussen. Es war schön, von dir zu lesen!

    Wie gerne wäre ich Gast in eurem Haus auf dem Darss! Wer weiss! Vielleicht klappt es ja

    Instagram ist für mich nach wie vor toll, in erster Linie, weil ich ganz frei entscheiden kann, wem ich folge.
    Es sind nicht nur die Blabla accounts, die sehr gerne für Instamüdigkeit vorgeschoben werden. Nee nee, da ist viel mehr!

    Es könnte so einfach sein, keiner muss instamüde sein, wenn er seinem Herzen folgt.

    Instamüde wird man von Leuten, die einfach ihr Herz verkauft haben – bzw sich verraten haben.

    Kinder gross, gerade keine reise zu verweben, fürden kater gibts auch nicht mehr her… da werden auf teufel komm raus Rezepte rausgeschmissen und man hofft, es geht so weiter.

    Du bleibst und ich vertraue irgendwie in
    Dich

    Liebste grüsse
    Romy

  3. Liebe Anna,

    schön von Dir zu lesen und wie spannend, dass ihr ein Häusschen an der Ostsee habt. Wir werden dieses Jahr auch zum ersten Mal Urlaub an der Ostsee machen. Meine Eltern haben jahrelang Urlaub in Zingst gemacht und jetzt haben wir ein Ferienhaus im Nachbarort mit Ihnen zusammen . Ich freue mich schon so sehr.
    Die Romy in Ihrem Kommentar und Du habt natürlich total recht damit, dass man bei Instagram frei wählen kann, was man sich ansieht bzw. liest und was nicht und es gibt wirklich ganz wunderbare Accounts und es bietet eine prima Möglichkeit, sich auszutauschen. Aber ich schaffe das für mich nicht. Ich fange dann an, z. B. Kommentare unter verschiedenen politischen Nachrichten zu lesen und ärgere mich über so manches oder ich schaffe es nicht, der Mutti aus dem Kindergarten meines Sohnes zu “entfolgen“, um ihre gestellten, mit Filtern versehenen, inhaltslosen Zara-Shopping-Bilder nicht mehr zu sehen oder ich verfolge den Werdegang Schwererkrankter , deren Schicksale mich so tief berühren, dass sie mich bis in meine Träume verfolgen, obwohl ich sie gar nicht kenne. Und das ist mir alles zu viel und ich für mich schaffe das nicht, das alles besser zu filtern und manche Sachen nicht so an mich ranzulassen.
    Ganz liebe Grüße, Anne

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