Es ist Wochenende. Der Regen ist vorbei, es steht nichts Großes auf dem Zettel. Aber es ist Freitag. (Also es war Freitag. Gestern.)

Das Haus füllt sich, wie meistens freitags, zuverlässig mit Teenies in allen Größen und Altersstufen. Die Freundin der Minions aus Leipzig kommt für eine Nacht (frisch getestet, trotz Impfung), der Mann kommt von zwei Tagen Workshop zurück, die Große sammelt ihre Freundinnen vor dem Ausgehen hier, es wummert eine Box in der Küche und eine im ersten Stock und alle quasseln über ihre Abendpläne. Mittendrin der Hund. Was ein Glück ist der so ein buddhistischer Charakter, dem so gut wie kein Getöse hier was ausmacht. Hauptsache, alle seine Leute sind da, dann ist er froh. Und wenn es ein paar mehr sind – auch gut!

Ich beobachte das Getümmel und den chillenden Hund mittendrin und frage mich, warum ich nicht ein bisschen mehr so sein kann, wie er. Mich im Auge des Sturms zufrieden zusammenrollen und pennen, in dem Wissen, dass meine Liebsten alle okay sind, wir gerade hier zusammen und alle gesund sind. Und es stimmt, ich liebe das Chaos, das sie verbreiten. Ich liebe all ihre lauten, vitalen, basslastigen Lebensäußerungen. Diese großen Kinder sind die wahre Freude und ich fühle, was der Hund fühlt, wenn ich sie anschaue: wenn wir zusammen sind und alle offenbar okay sind, ist automatisch meine ganze Welt okay.

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Aber ich kann mich darin nicht zusammenrollen und chillen, jedenfalls nicht nachhaltig. Es ist das Auge des Sturms, und ich habe immer das Gefühl, ich muss alles noch ein bisschen ordnen, alles im Blick haben, mich um alle kümmern und darauf achten, dass alle immer ihren persönlichen Rahmen kennen und einhalten. Und natürlich auf mich selber achten. Was des öfteren als letztes auf der Prioliste steht.

Bis ich mich also zusammenrolle und schlafe, vergehen noch viele Stunden, in denen ich Abendessen für alle organisiere (danke allen Lieferdiensten dieser Welt!), zwei Betten für Besuchskinder beziehe, allen Schnelltests verteile, die noch nicht getestet waren, die Essensplanung fürs Wochenende mache, zwei Tiere füttere, mit dem Hund eine kleine Runde drehe, Wäsche falte, verteile, aufhänge, aus dem Trockner nehme und in die Waschmaschine lade, die Küche aufräume, die Einkaufsliste für Samstag schreibe undsoweiterundsofort. Als endlich alle Kinder und Besuchskinder in den Betten liegen und der Mann schon fast schläft vor Erschöpfung nach einer langen Woche, nehme ich mir meinen Krimi vor. Dann, klickklack, geht der Haustürschlüssel: die Große nebst Freundin und der großen Patentochter (die zurzeit hier wohnt) erscheinen auf der Bildfläche und wollen hier noch ein bisschen abhängen. Die nächste Box wummert, wenn auch in gebührendem Abstand und zwei Stockwerke über mir auf dem Dach…

Der Hund hat alle schwanzwedelnd begrüßt und ihnen die Hände geleckt, dann hat er sich in sein Bett gelegt und weitergeschlafen. Der Mann, Herr Morgen, schläft ebenfalls. Aber ich bin nicht wie der Hund. Mit Schwanzwedeln ist es für mich nicht getan. Also liege ich da und lese Krimi (immerhin, ein neues Highlight schon nach wenigen Seiten), müde wie die Sau, aber im Wachsamkeitsmodus, bis sich das Haus wirklich schlafen legt. Dann erst kann ich es auch. Im Auge des Sturms.

Das mit dem Atmen muss ich definitiv wieder vertiefen.

 

2 Kommentare

  1. So ähnlich geht es mir auch. Jahrelang hab ich nachts der kleinen Kinder wegen nicht geschlafen. Dann gab es eine kurze Phase, wo es abends tatsächlich so etwas wie meinen Feierabend gab. Jetzt schlafe ich nicht, weil die Kinder größer sind und teilweise auch noch einen ganz anderen Rhythmus haben als ich. Da kommt auch mal noch jemand, wenn ich abends im Bett liege und will reden, kuscheln oder Französisch abgefragt werden. Zwischenzeitlich habe ich mir dadurch und diese ganz Habachtstellung eine ausgewachsene Schlafstörung herangezüchtet.
    Als ich Deinen Blogbeitrag gelesen habe, ist mir das auch nochmal deutlich geworden. Wo ist die Grenze? Wie viel sicherer Hafen, offenes Haus, sich kümmernde Mutter und nächtlich wummernde Boxen sind eigentlich gut? Für die anderen, und auch für einen selbst?
    Ein schönes Wochenende und müde Grüße von Anni

    • Genauso ist es! Die Phase, in der man denkt, man hätte das Gröbste geschafft und hätte wieder ungestörte Nächte sind im Grunde nur ein Wimpernschlag, bevor der neue Teil mit den Teeniekindern losgeht, die die Nacht zum Tage machen. Uff. Liebe Grüße!

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