Es ist Freitag, und auch wenn es ein Feiertag ist und hier statt Homeschooling gerade ein Rollerrennen auf der Straße stattfindet, kommen die Freitagslieblinge wie geplant. Wie die Woche so gelaufen ist, habe ich ja in meinem Corona-Alltagscheck schon geschrieben, aber ich habe natürlich dennoch gelesen und Inspirationen gesammelt.

Mein Lieblingsbuch der Woche ist ein echtes Ausnahmestück. Selten habe ich in meinem Erwachsenenleben ein Buch gelesen, das mich zum Weinen gebracht hat, aber bei dieser Lektüre kommen mir regelmäßig die Tränen. Ich lese gerade „Alles still auf einmal“ (Amazon Partnerlink) von Rhiannon Navin, ein Buch, das es in sich hat, in vielerlei Hinsicht.

Es erzählt die Geschichte von Zach, einem sechsjährigen Erstklässler, der versteckt in einem Wandschrank gemeinsam mit seiner Lehrerin und seinen Klassenkameradinnen einen Amoklauf in seiner Schule überlebt. Wenn schon die Story an sich schwere Kost ist, so fügt die Erzählperspektive ihr Übriges hinzu, die Geschichte wird nämlich in der Ichform erzählt – und die Stimme, der wir als Leserinnen folgen, ist die von Zach.

Freitagslieblinge: Alles still auf einmal | berlinmittemom.com

Das ist zu meiner Überraschung sehr gelungen und führt dazu, dass das kindliche Erleben des Jungen sich beim Lesen unmittelbar mitteilt. Und so sitze ich mit Zach im Wandschrank, erlebe mit ihm die Beendigung des Amoklaufs durch die Polizei, gehe mit ihm an den Leichen seiner Lehrer*innen und anderer Schüler*innen der Schule vorbei und erfahre mit ihm gemeinsam, dass sein älterer Bruder Andy unter den Opfern ist.  Damit wird es erst richtig heftig, denn die Auswirkungen dieses Traumas auf Zach und seine Familie sind eigentlich unfassbar. Nicht in Worte zu fassen. Aber Zach findet welche.

Ich finde es schwer, die Geschichte an sich zu empfehlen: sie ist schrecklich und triggert gerade für Eltern die schlimmsten Ängste. Aber das Buch ist ein Leseerlebnis, es ist berührend und unwahrscheinlich gut geschrieben. Ich habe es selten erlebt, dass es einer erwachsenen Autorin so gut gelingt, die Stimme eines Kindes so authentisch erklingen zu lassen und das auch noch in derselben Intensität und Qualität einen ganzen Roman hindurch durchzuhalten. Deshalb weine ich ab und zu und bin erschüttert und kann doch dieses ganz besondere Buch nicht aus der Hand legen.

Meine Lieblingsserie der Woche ist eigentlich nur ein Update zu letzter Woche, wo ich schon „The Widow“ empfohlen habe. Ich habe die Serie zu Ende geschaut und nichts Neues angefangen. Sie ist tatsächlich spannend geblieben und auch wenn die Auflösungen mir zum Teil ein wenig unwahrscheinlich erschienen sind, mochte ich die düstere Geschichte um die junge und ziemlich unerschrockene Witwe, die ihr Ziel verfolgt und es am Ende auch erreicht – wenn auch nicht mit dem Ergebnis, das sie sich vielleicht gewünscht hätte.

Mein Lieblingsessen der Woche war Pasta mit selbst gemachtem Pesto Genovese. Die einfachen Dinge sind eben oft die besten, oder etwa nicht?

Für das Pesto nehme ich:

  • zwei große Hände voll Basilikumblätter, gewaschen und trockengeschüttelt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • Saft 1/2 kleinen Zitrone
  • 100g Pinienkerne
  • 180g Parmesan, gerieben
  • 250ml gutes Olivenöl
  • Meersalz und Pfeffer aus der Mühle

Pasta mit Pesto | berlinmittemom.com

Alle Zutaten werden mit dem Stabmixer zu einer sämigen Paste verarbeitet und werden auf den Tellern mit möglichst heißer Pasta (Sorte nach Laune und Geschmack, hier meistens Spaghetti oder Tagliatelle) gemischt und sofort gegessen. Dazu gibt es hier immer frischen Tomatensalat mit Frühlingszwiebeln und einer Vinaigrette. Köstlich!

Mein Lieblingsmoment der Woche war ein ungeplanter Kirschblütenmoment mit dem großen Mädchen. Wir haben eine kleine Radtour durch den Kiez und den Park gemacht, ein Eis im Lieblingseisladen gegessen und sind dann durch eine der schönsten Kirschblütenstraßen im Prenzlauer Berg spaziert. Ein wunderschöner, rosafarbener Augenblick, der uns so gut getan hat!

Kirschblüten Hanami Berlin | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche ist meiner neuen „Erfindung“ vom Distance Drinking geschuldet. Tatsächlich haben wir mit Freunden letztes Wochenende ein sehr schönes Date per Facetime abgehalten, uns vorher auf einen Drink geeinigt und diesen dann gemeinsam getrunken – wir hier und sie bei sich. Während wir im Vorfeld überlegt haben, welcher Drink es werden soll, habe ich diese Seite gefunden: sie heißt make me a cocktail. Dort kann man alle möglichen Zutaten, die man zu Hause hat auflisten, also Alkoholika, aber auch Obst, Sirup und Säfte, einfach alles, was man so da hat – und die Seite spuckt einem dann diverse Rezepte für Cocktails und Longdrinks aus. Sehr lustig und auch wirklich nützlich.

Wir hatten Tiefkühl-Erdbeeren und Tequila eingegeben und kriegten als Cocktail eine Frozen Strawberry Margarita ausgespuckt. Das war sehr gelungen und hat allen perfekt gemundet!

Mein Lerneffekt der Woche in wenigen Worten: die Menschheit ist auch in der Krise genauso schlimm oder genauso gut wie vorher. Niemand wird wirklich besser durch eine Pandemie, niemand wird plötzlich zum Menschenfreund, wenn er es nicht vorher schon war und niemand spürt plötzlich mehr Verantwortung für andere, wenn er sich dieser Verantwortung nicht ganz grundsätzlich in seinem Leben schon bewusst ist. Das ist ernüchternd. Aber es hilft mir auch, realistischere Erwartungen an andere zu haben und mir nicht dauernd etwas anderes zu wünschen, um dann enttäuscht zu werden. Meine Antwort: ich bin so gut, wie ich sein kann. Das ist das Einzige, auf das ich wirklich Einfluss habe. Alle anderen sind sie selbst.

FRAGESTUNDE…

Noch eine weitere Woche sammele ich die Fragen und beantworte sie dann nächsten Freitag. Jetzt hole ich mal meinen Rhabarberstreusel aus dem Backofen und spiele Feiertag auf dem Balkon mit der Familie.

Passt auf euch afu!

3 Kommentare

  1. Liebe Anna,
    ich habe erst heute deine Freitagslieblinge gelesen – die Buchempfehlung ist glaube ich was für mich – ich habe es mir direkt bestellt! Wie findest du diese Bücher? Empfehlungen anderer? Stöbern auf Amazon?

    Hab einen schönen Sonntag und DANKE für die Freitagslieblinge :-)

    LG Romy

  2. Vielen lieben Dank für deine Lieblinge. Den Buchtipp finde ich super..Das Buch möchte ich auch lesen und die Idee mit den Cocktails ist auch klasse. Muss ich auch ausprobieren. Liebe Grüße, Tanja

  3. Pingback: Day to night to morning | Freitagslieblinge am 08. Mai 2020 | berlinmittemom

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