Freitag, Zeit für die Freitagslieblinge – und in Berlin ist es ein besonderer Tag, denn es jährt sich die Kapitulation der Wehrmacht zum 75. Mal und damit haben die Berliner einen einmaligen Feiertag in diesem Jahr. Nicht, dass es einen großen Unterschied machen würde, denn aktuell sind wir noch immer alle zu Hause und sowohl der Mann als auch ich arbeiten immer so vor uns hin. Aber zumindest die Kinder können an diesem Feiertagsfreitag ausschlafen und müssen nicht ins Homeschooling-Klassenzimmer einchecken.

Was war diese Woche so los? Was sind die Lieblingsmomente, Inspirationen der Woche und was haben wir gelesen, gesehen und gegessen?

Käpten Knitterbart und seine Bande, Cornelia Funke, Oetinger VerlagMein Lieblingsbuch der Woche für die Freitagslieblinge ist wieder ein Kinderbuch. Da ich gerade erst  „Alles still auf einmal“ (Amazon Partnerlink) ausgelesen habe (Rezension findet ihr in den Freitagslieblingen von letzter Woche) und davon so bewegt und beeindruckt war, fiel es mir schwer, etwas Neues anzufangen. Aber ich habe gerade einer Freundin einen Stapel Bücher für ihre Vierjährige Enkelin ausgeliehen und dabei fielen mir ein paar Lieblingsbücher von früher in die Hand, unter anderem Käptn Knitterbart und seine Bande (Amazon Partnerlink). Und weil es ein absolutes Lieblingsbuch meiner Kinder war und ist und ich es immer und immer mit demselben durchschlagenden Erfolg an andere Kinder verliehen und verschenkt habe, lege ich es euch hier noch mal ans Herz.

Eine ausführliche Rezension von Käptn Knitterbart findet ihr hier. Für mich ist es nicht nur ein Titel für die Freitagslieblinge sondern ein Must Have in jedem schön bestückten Kinderbuchregal. Bilderbuchliebe!

Meine Lieblingsserie der Woche habe ich nach kurzen Anlaufschwierigkeiten weggesuchtet. Relativ neu bei Netflix ist die Serie „The Valhalla Murders“, eine Krimiserie, die in der isländischen Hauptstadt Reykjavik spielt. Zwei Ermittler versuchen, eine grausige Mordserie aufzuklären, die offenbar in Verbindung mit einem Missbrauchsskandal in einem seit Jahrzehnten geschlossenen  Jungeninternat steht. Aber bis dieser Zusammenhang hergestellt wird vergeht einige Zeit, in der die beiden Hauptermittler*innen nicht nur mit den Morden sondern jede*r auch mit ihren privaten Themen beschäftigt sind.

Valhalla Murders | berlinmittemom.com

Die Serie ist superspannend, düster und teilweise auch brutal, aber wahnsinnig gut erzählt. Ich habe ja schon mehrfach berichtet, dass ich „Nordic Noir“-Serien liebe und diese passt genau in mein Schema. Große Empfehlung für alle, die es gern aufregend und spannend und manchmal ein bisschen „böse“ mögen.

Mein Lieblingsessen der Woche habe ich erst gestern Abend gemacht: Minestrone mit Pesto und Cabanossi (für die Veggies in der Familie habe ich die Suppe geteilt und dann nur eine Hälfte mit der Cabanossi weitergekocht.) Das Rezept für die Sommerminestrone findet ihr hier, ein Rezept für Bärlauchpesto habe ich hier schon mal verbloggt. Es schmeckt aber auch saugut mit fertigem Pesto aus dem Glas.

Minestrone | berlinmittemom.com

Meine Inspiration der Woche habe ich für die Freitagslieblinge bei Syl Gervais gefunden, der ich bei Instagram schon lange gerne folge. Sie ist eine Expertin im Fermentieren und Einmachen/-kochen, und ich lasse mich gerne von ihren Themen inspirieren, auch wenn ich selbst weit weg bin vom Selbstversorgen aus dem eigenen Garten oder so. Da ich aber letzte Woche wieder mal Rhabarberstreusel vom Blech gebacken habe und die Kinder nach Rhabarberschorle oder -limonade jaulten, habe ich ein Rezept gesucht für Rhabarbersirup und da fiel Syl mir ein. Erst heute habe ich nach  Rhabarberrezepten gesucht bei ihr und dieses brandneue Rezept gefunden:Rhabarbersirup im Eigensaft. Das mach ich nächste Woche!

Freitagslieblinge: Rhabarbersiruo, Syl Gervais | berlinmittemom.com

Meinen Lerneffekt der Woche habe ich in meinem letzten Blogpost diese Woche beschrieben: wir müssen genau hinschauen. Alles, was uns jetzt an Informationen über Corona, die Infektionswege, die tatsächliche Gefahr, die vom Virus ausgeht und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen erreicht, ist immer nur ein Zwischenstand. Denn die Faktenlage ändert sich zur Zeit regelmäßig und schnell. Aber die vermeintlich einfachen Antworten, nach denen wir uns sehnen, sind trügerisch. Die Überbringer der absoluten Wahrheit sind oft die Botschafter derer, die noch vor kurzem gegen Geflüchtete, gegen Klimaaktivist*innen, gegen Politiker*innen und Journalist*innen gehetzt haben. Seien wir vorsichtig, lassen wir uns nicht von der Angst treiben.

Coronakrise: Appell an die Geduld | berlinnmittemom.com

Mein Lieblingsmoment der Woche war ein entspannter Abenddrink auf der Treppe vor dem Haus. In der Nachbarschaft verkaufen viele Bars, Cafés und Restaurants ihre Ware außer Haus, und so haben wir uns einen Cocktail-to-Go geholt und gemeinsam genossen, während die Kinder auf den Skateboards um uns rum fuhren. Einfach nur ein schöner Moment.

FRAGESTUNDE…

Romy fragt, wie ich neue Bücher finde. Tatsächlich stöbere ich gerne und ausführlich in meiner liebsten Kiezbuchhandlung, der Buchbox. Außerdem lasse ich mir gern von anderen Bücher empfehlen und lese gerne Buchblogs und Rezensionen im Internet. Da findet man den ein oder anderen guten Titel. Meine aktuelle Lieblingskrimiautorin Sharon Bolton habe ich per gezielter Recherche im Netz gefunden, weil ich nach „britische Krimiserien“ gesucht habe.

Tanja fragt, wie ich zu der Schulöffnung stehe. Ich muss sagen, dass ich da sehr ambivalent bin. Einerseits sehe ich, wie sehr die Kinder sich zurück in die Schule sehnen, vor allem, weil sie ihre Freund*innen vermissen. Aber ich sehe zumindest hier in Berlin, dass die Schulen mit dem WIE der Rückkehr zum Präsenzunterricht sehr alleine gelassen werden. Hygienekonzepte? Genügend Platz für kleine Gruppen? Genügend Lehrer*innen? Fehlanzeige. Wie sollen die Lehrer*innen und Erzieher*innen gewährleisten, dass die Rückkehr in die Schule für alle weitgehend sicher ist? Auch für sie selbst?

Ich finde das schwierig. Es ist alles nicht zu Ende gedacht. Und ich finde, es sollte einfach mehr Zeit und mehr Ressourcen investiert werden, um langfristige Pläne und Konzepte für eine neue Art von Präsenzunterricht zu erstellen. Denn Corona wird bleiben. Und wir werden uns überlegen müssen, wie es nach den Sommerferien weitergehen soll. Mich ärgert im Moment der Aktionismus, mit dem hier vorgeprescht wird. Ich würde mir mehr Bedacht wünschen bei der Rückkehr in die Schulen und dem Austesten einer neuen Normalität. Und ich hoffe, das fällt uns nicht alles auf die Füße.

Ab jetzt sammele ich wieder eure Fragen und freue mich drauf.

Damit sind die Freitagslieblinge für diese Woche komplett und ich schicke euch ins Wochenende.

Passt auf euch auf.

 

5 Kommentare

  1. Deinen Kommentar zur Schulöffnung würde ich jetzt mal zu hundert Prozent unterschreiben. Da sollen Kinder „noch mindestens einmal vor den Ferien“ in die Schule. Konzepte werden mit heißer Nadel gestrickt und ständig überarbeitet. Nur, damit jeder einmal da war. Es geht nicht ums Lernen, nicht um Prüfungen, es geht um einmalige Anwesenheit. Mit viel zu vielen Kindern in viel zu kleinen Räumen. Was die an dem Tag dann tun („Hauptfächer“), wer ihnen da gegenübersteht, wenn die eigenen Lehrer alle über 60 sind und die Klasse in drei Gruppen geteilt wird – egal.
    Und über Ansteckung wird gar nicht mehr gesprochen außer „wir sorgen dafür, dass Ihre Kinder sich regelmäßig die Hände waschen und an den Fahrradständern keine Gruppenbildung entsteht“.

    Und ich fürchte, das wird uns in ein paar Wochen wirklich auf dei Füße fallen. Es macht mir Angst.

    Wochenlang war Zeit, sich zu überlegen, wo man noch Schule machen kann außer in kleinen Klassenräumen. Nach zwei Monaten schlechtem online-Lernen (bei uns), ohne nennenswerte Rückmeldugen der Lehrer („Du hast Aufgabe 2 b übersehen, Du kannst das noch nachreichen“) kommt jetzt so was. Man sieht sehr gut, was in unserem Land zählt. Bildung gehört nicht dazu. Familien sowieso nicht.

    • Mit Blick auf die Gesamtsituation würde ich das auch so unterschreiben. Aber hier bei uns geht es schon auch darum, dass die Kinder was lernen,ich hab hier einen Viertklässler der jetzt sehr davon profitiert, die fehlenden Themen in Deutsch und Mathe in einer Kleingruppe erlernen zu können, auch wenn es nur einmal die Woche ist, wir sind mit der Umsetzung an unserer Schule sehr zufrieden, auch was das Hygienekonzept betrifft, aber es kommt natürlich immer auf die Gegebenheiten an.

  2. Hallo Maya, Du hast natürlich total Recht, es kommt sehr auf die Gegebenheiten und auch auf das Alter der Kinder an. Mein Sohn ist 14 und in der 8. Klasse. Da geht es nicht mehr um lesen, schreiben und rechnen. Und 14jährige lassen sich auch nicht mehr so problemlos zu Hause einsperren, denn wenn sie vormittags mit ihren Freunden in der Schule sein dürfen – war um sollen sie sich dann nicht auch nachmittags treffen? Und an den anderen Tagen? In Berlin beginnen m 25. Juni die Sommerferien. Dazwischen gibt es hier noch Feiertage. Es geht bei dieser Schulöffnung jetzt um vielleicht drei, maximal vielleicht fünf bis sechs Tage Präsenzunterricht. So genau weiß das keiner. Ich denke, vielen von uns wäre mehr geholfen, wenn man das Gefühl hätte, es gäbe so etwas wie eine längerfristige Planung. Wir haben gestern die Bücherliste für das kommende Schuljahr erhalten. DAS ist die Planung. In den letzten acht Wochen habe ich gesehen, wie diese Bücher zum Einsatz kommen: zu gefühlt 10 Prozent. Würde man mit und nach diesen Büchern lernen, gäbe es vielleicht irgendeine Kontinuität, nach der man sich richten könnte: das ist das aktuelle Thema, das kommt als nächstes dran. Aber hier kommen Bläter und Dateien – und eben immer nur pro Woche. Man weiß nicht, was noch dran kommt, was man hätte lernen sollen, bis „wohin“ man Wissen vermitteln hätte sollen oder wollen. Deshalb ist auch so unklar, wie viel die Kinder real „nicht gelernt haben“. Was wirklich „fehlt“. Fast nichts von dem, was ich hier in acht Wochen gesehen habe, hatte irgendeine Kontinuität, irgendeinen Zusammenhang. So drastisch war mir das vorher nicht klar. Es macht mich wahnsinnig wütend. Und hilflos. Und traurig. Es fühlt sich an wie eine Quiz-Sendung: Frage/Aufgabe – Antwort. Neues Themengebiet – Frage/Aufgabe- Antwort. Eine absolut irre Beschäftigungstherapie. Nein, keine Brennpunktschule, sondern angesehenes Gymnasium mitten in Berlin.

  3. Liebe Anna,
    seit 2015 (und damit seit der Geburt meines ersten von drei Kindern) lese ich deinen Blog und lasse mich davon inspirieren – insbesondere von deinen tiefgründigen Texten, aber auch gern von deinen Alltagserzählungen und von deinen Rezepten… VIELEN VIELEN DANK!
    Was ich schon lange fragen wollte – und jetzt komme ich endlich dazu – sind 2 Dinge, und zwar völlig fernab von Corona, in der Hoffnung, dass dies auch okay sei:
    1. Sehr eine pragmatische Frage, aber magst du mal erzählen, wie ihr in eurer Familie das mit Taschengeld handhabt oder gehandhabt habt und wie das so läuft mit den Kindern?
    2. Eine persönlichere Frage: In deinen Texten kommt zwischen den Zeilen immer mal wieder heraus, dass ihr lange auf euren Lieblingsbuben warten musstet, dass aber euer Goldkind dann überraschend schnell zu euch gestossen ist. Da ich gerade viele Freundinnen mit (teilweise unerfülltem) Kinderwunsch habe und da es auch gerade 2 Freundinnen in meinem Umfeld gibt, die kürzlich eine Fehlgeburt erleiden mussten (ich übrigens anno 2016 auch einmal), wollte ich dich fragen, wie das bei dir vor dem Lieblingsbuben war? Wurdest du einfach lange nicht schwanger? Oder hast du ein Kind verloren?
    Ganz herzliche Grüsse nach Berlin aus Bern in der Schweiz und nochmals vielen Dank, Simone

  4. Liebe Anna, das mit den überhasteten Schulöffnungen sehe ich auch kritisch und bin hin- und hergerissen. – Ansonsten würde mich interessieren, ob Du mit Deinen Kindern im Alltag Englisch sprichst? Bei Deinem Podcast hattest Du mal einen Satz zitiert, den Deine große Tochter zu Dir gesagt hat, und der war auf Englisch. Herzliche Grüße, Jana

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