Wir haben genug. Tatsächlich haben wir mehr als genug, von allem. Und dabei denke ich eigentlich nicht in erster Linie an materielle Dinge, sondern an die immateriellen Schätze, mit denen wir als Familie gesegnet sind: Zeit füreinander, Liebe, Gesundheit (weitgehend), einen engen Familienverbund in beiden Herkunftsfamilien, die Bereitschaft, füreinander da zu sein.

Aber es gibt Dinge im Leben, da reicht selbst all das nicht aus, um zu kompensieren. Wenn Eltern sich fragen müssen, ob sie ihren Kindern Winterschuhe kaufen können oder ob sie sich selbst eine warme Jacke leisten können, reicht Liebe nicht. Wenn Menschen statt in den Supermarkt zur Tafel gehen müssen, weil sie sonst ihre Familie nicht satt kriegen, reicht Zeit füreinander nicht. Wenn Wohnungslosigkeit droht, wenn die Kosten für Heizung und Strom in unbezahlbare Höhen steigen, reicht ein enger Familienverbund nicht, um das auszugleichen.

Genug von allem, genug zum Teilen

Wir haben auch davon genug. Genug Geld für die Nebenkosten und für ein Weihnachtsessen für unsere Freunde und uns selbst, wie wir es am vergangenen Wochenende ausgerichtet haben. Genug für Weihnachtsgeschenke und den Strom für den leuchtenden Stern in unserem Fenster. Genug für einen Weihnachtsbaum und einen großen Adventskranz, genug für Adventskalender für die Kinder und uns und noch Kleinigkeiten für die Neffen und Nichten, unsere Eltern und liebe Freund*innen. Genug, damit ein Patenkind bei endendem Mietvertrag übergangsweise spontan hier einziehen kann, ohne, dass wir irgendwie ins Schleudern geraten. Wir haben mehr als genug. Was vielen Menschen in diesem Winter (und auch in den Wintern zuvor schon) vor Sorgen den Schlaf raubt, ist für uns kein größeres Problem.

Ich möchte an dieser Stelle meiner langjährigen Leserin Gaby danken, die mir durch einen Kommentar auf einen meiner letzten Adventsposts nochmal gespiegelt hat, wie es auch sein kann, wenn man hier mitliest: nämlich schwer. Unerträglich. Selbst Sorgen zu haben, existentielle Sorgen zum Teil, und hier zu lesen, wie woanders einfach weiter Plätzchen gebacken und Cocktails gemischt, Mähler für viele gekocht und ein Wochenende ans Meer gefahren wird, ist schwer und macht es vielleicht noch schwerer, die eigenen Sorgen zu ertragen.

Ich verstehe das und nehme ihren Kommentar zum Anlass, heute hier davon zu erzählen, was wir unter anderem tun, um unser “genug” zu teilen. Dabei geht es nicht um eine Liste von Dingen, die wir ständig tun, wie zB unsere Patenschaften bei World Vision oder monatliche Unterstützung für diverse Vereine. Vielmehr geht es mir um aktuelle, ganz akute Not in diesem Winter, in dieser Vorweihnachtszeit und ein, zwei Ideen, wie man konkret helfen kann.

Vielleicht lesen andere hier mit, die ebenfalls genug haben und fühlen sich inspiriert, ebenfalls etwas zu teilen. Natürlich auch Zeit und Liebe und die Bereitschaft, für andere da zu sein. Aber in diesen Zeiten eben auch Geld für Winterschuhe, ein warmes Essen oder einen Platz zum Schlafen. Oder eben Kleinigkeiten zu Weihnachten für die Kinder, die die Eltern sich einfach nicht leisten können.

Wichtelwunder zu Weihnachten

Bei Mira und das fliegende Haus gibt es das sogenannte #wichtelwunder. Das gibt es nicht erst seit diesem Jahr, aber ich habe es erst jetzt entdeckt und möchte diese wundervolle Idee unbedingt mit euch teilen. Auf der Seite gibt es zu Weihnachten die Möglichkeit, sich als Wichtel für andere an einem kleinen Weihnachtswunder zu beteiligen. Man kann sich als Wichtel eintragen und dann mit der eigenen Postleitzahl oder auch ganz ohne räumliche Einschränkung nach Wichtelmissionen suchen. Gesammelt werden dort nämlich auch die konkreten Wünsche (und Nöte) derjenigen, die gerade jetzt Unterstützung brauchen. Und dann kann man ganz einfach über einen Klick auf die Wichtelmission seine Adresse angeben und sich so als Wichtel zur Verfügung stellen. Der Kontakt zwischen demjenigen, der einen Wunsch inseriert hat und dem Wichtel geht dann direkt per Email, und so kann man sehr unkompliziert in Verbindung gehen und jemanden unterstützen.

Wir haben beispielsweise diese Woche einer Familie hier in Berlin ein Weihnachtsessen ermöglicht und außerdem einige kleine Weihnachtswünsche für ein paar Kinder erfüllt. Wenn man liest, an was es den Menschen mangelt, könnte man platzen vor Wut, dass es in einem der reichsten Länder der Welt diese Art Bedürftigkeit überhaupt gibt. Warme Jacken für Kinder und Winterschuhe in der richtigen Größe stehen auf der Liste, elektrische Zahnbürsten und Windeln und Babynahrung. Das sind keine “Extras” zu Weihnachten, das sind existentielle Dinge, die die Menschen zum (Über)Leben brauchen.

Berliner Stadtmission

Die Berliner Stadtmission sucht händeringend Sachspenden: saubere und intakte Kleidung in allen Größen, aber vor allem für Männer, warme Jacken, Pullis, Hosen. Wir haben unsere Kleiderschränke nach guten Sachen durchsucht, die nicht mehr oder wenig getragen werden und sie konkret zur Stadtmission gebracht.

Lidl- Pfandspenden

Wer bei Lidl einkauft und dort am Automaten Pfand zurückbringt, kann ganz einfach per Knopfdruck seinen Flaschenpfand spenden. Das Geld geht direkt an die Tafel e.V. Und Kleinvieh macht auch Mist! Durch die Pfandspenden via Lidl konnten diverse Projekte der Tafel umgesetzt werden.

Natürlich nimmt die Tafel auch konkrete Geldspenden an. Mein Schwiegervater engagiert sich ehrenamtlich bei der Tafel an seinem Wohnort und fährt Lebensmittel aus bzw. sammelt welche ein. Daher ist unser Bezug zu diesem Verein besonders groß.

Rote Nasen

Der Verein, der Krankenhausclowns zu Kindern bringt,Rote Nasen, hat zu Weihnachten eine konkrete Spendenaktion ins Leben gerufen. Hier werden mit den Spenden Weihnachtswünsche für Kinder im Hospiz erfüllt. Die Spendenhöhe ist festgelegt, man kann auch monatliche*r Spender*in werden. Wir haben uns fürs Erste einmalig beteiligt.

Natürlich gibt es noch unzählige Möglichkeiten, zu helfen und zu spenden, zB bei den SOS Kinderdörfern, Unicef oder der Arche.

Eine Sache ist mir noch wichtig: als wir 2015 eine kleine Familie aus Afghanistan aufgenommen haben und ich darüber bloggte, gab es im Großen und Ganzen zwei Reaktionen: uns erreichte einerseits eine unfassbar große Welle der Hilfsbereitschaft, unter anderem hier über den Blog. Wir bekamen Gutscheine für die Familie zugeschickt, Angebote, am Telefon zu dolmetschen, Sachspenden, Angebote zur medizinischen Versorgung, sogar gekochte Mahlzeiten fanden den Weg zu uns und unseren Schützlingen.

Die andere Reaktion war (erstaunlicherweise, wie ich immer noch finde) – Verachtung uns gegenüber. Nicht, weil da Menschen aus dem “nicht-europäischen Ausland” geholfen wurde, sondern weil uns unterstellt wurde, dass ich darüber nur schreiben würde, um mich zu profilieren. Die Kritik ging vor allem an mich. Ich täte das nur, um mich in einem guten Licht darzustellen, überhaupt ging es um Selbstdarstellung. Ich habe nie versucht, mich da zu rechtfertigen oder das überhaupt nur aufzugreifen. Wenn Menschen das darin sehen wollen, kann ich es nicht ändern und habe keinen Einfluss auf das, was in deren Köpfen vor sich geht.

Was wir alles an “Charity” machen, habe ich seitdem hier nie mehr thematisiert. Aber heute nehme ich den Ball noch mal auf und möchte sagen: es geht hier nicht um mich. Im Gegenteil. Ich spreche hier über die Möglichkeiten zu helfen, weil mir sehr bewusst ist, dass nicht nur viele Menschen Unterstützung brauchen, sondern dass es auf der anderen Seite viele Menschen gibt, denen gar nicht bewusst ist, mit wie wenig Einsatz (finanziell und/oder mit ihrer Zeit zB) sie das Leben eines anderen leichter machen können. Ich wünsche mir, dass Menschen, die hier lesen, sich inspiriert fühlen und vielleicht ein bisschen abgeholt und selbst aktiv werden. Es müssen doch keine großen Taten sein. Selbst mit dem Flaschenpfand kann man helfen und anderen Erleichterung verschaffen. Und all das passiert nicht für mich oder durch mich. Ich möchte nur kurz auf den Weg dorthin leuchten, nichts weiter.

Passt auf euch auf.

9 Comments

  1. Liebe Anna, ich habe viel nachgedacht über den Kommentar von Gaby und habe mich gefragt, ob ich als langjährige Leserin darauf irgendwas Sinnvolles hätte antworten können. Denn sie hat ja recht. Andererseits finde ich, dass Du Dich nicht rechtfertigen musst für Dein “gutes Leben” und irgendwie schwingt das bei dieser Art von Kritik immer mit (obwohl sie das nicht so formuliert hat, im Gegenteil). Nun hast Du die beste Art der Antwort gegeben, das macht mich froh. Zu Deinen Tipps kann ich noch ergänzen, dass es hier in unserer kleinen ostwestfälischen Stadt etwas ähnliches gibt wie das “Wichtelwunder” von dem Du schreibst. Da werden über die Lokalzeitung Wünsche geteilt, die die verschiedenen Sozialvereine und -institutionen am Ort gesammelt haben. Das Geschenk darf einen Wert um ca 15€ haben und es kann einen zum Weinen bringen, was da gewünscht wird. Hausmannskost zum Beispiel, Tickets für den ÖPNV oder Tankgutscheine. Ich könnte mir vorstellen, dass es derartige Aktionen an mehreren Orten gibt und dass das vielleicht für den einen oder die andere eine gute Option ist, um konkret in der Nähe zu helfen.

  2. Liebe Anna,
    was für ein eindringlicher Beitrag.
    Viele können auch im kleinen Umfang etwas teilen, spenden….
    Deine Beispiele sind wirklich gut.
    Bei uns wird im Kollegium zum Geburtstag gesammelt.
    Mein Geburtstagswunsch: eine Spende für die Tafel.
    Herzlichen Dank für deine Arbeit.
    Viele Grüße

  3. Liebe Ingrid, danke dafür. Ich habe mich wirklich bemüht, das, was mich beim Lesen befremdet hat, sachlich zu formulieren. Ich verstehe, dass da immer leicht durchkommt, es sei einfach der Sozialneid. Und reiche Menschen müssten sich für ihren Reichtum rechtfertigen. Das denke ich nicht (dass sie das müssten). Eine andere Frage ist, wie man damit umgeht. Wenn ich aktuell auf Social Media lese, wie Menschen sich Spartipps geben, wenn ich immer wieder sehe, wie dort die Leute versuchen, mit ihrem Budget über den Monat zu kommen und was das bedeutet, auch bei denjenigen etwa, die bislang gut hinkamen, dann geht mir das einfach sehr nahe.
    Man kann sagen “gerade jetzt möchte ich schöne Dinge zeigen”. Das finde ich legitim und nachvollziehbar. Aber man kann trotzdem sagen, dass man persönlich das aktuell nicht in diesem Maße lesen will. Social Media lebt auch vom Austausch. Nicht nur davon, dass alle ständig in Begeisterungsstürme ausbrechen und alles immer wunderbar finden.
    Beruflich habe ich hauptsächlich mit dem Ukraine-Krieg zu tun. Wenn ich nach einem langen Arbeitstag nach Hause komme und versuche, an etwas anderes zu denken – dann fühlt es sich für mich aktuell einfach absurd und falsch an, zu schreiben, wie schön man es gerade hat, wie glücklich und zufrieden alle sind und all so etwas. Dabei weiß ich natürlich genau, dass keine Rakete weniger abgeschossen wird, nur weil ich meine Plätzchen dieses Jahr nicht auf Instagram poste. Ich kann es trotzdem nicht. Das ist mein persönliches Problem. Für andere aktuell vielleicht ein näherliegendes Beispiel: in unserem Land brechen Krankenhäuser zusammen, kämpfen Eltern um Krankenhausplätze und den letzten Fiebersaft, Schulen um die letzten gesunden Lehrer. Mir erscheint es schräg, in solch einer Zeit nur davon zu berichten, wie gut man es selber trotz allem hat. Mir erscheint das – ja, irgendwie taktlos und unpassend. Mir geht es auch gut, ich muss mir aktuell noch keine Sorgen um meine Wohnung oder unser Weihnachtsessen machen. Ich will auch niemanden verurteilen, der harmonischer drauf ist als ich. Ich hatte mich aber schon ein bisschen auf diese Adventsbloggerei hier gefreut. Und war dann von der Seichtheit der Texte etwas betroffen. Und auch das: es ist ja nicht so, dass alle, die hier lesen, automatisch wohlhabend sind und nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Diesen Menschen jetzt zu sagen: “schaut, hier könnt ihr armen Leuten helfen” – das zeigt mir einfach, dass ich auf diesem Blog, den ich viele Jahre lang gelesen haben, gerade nichts mehr verloren habe. Mehr nicht.

    • Liebe Gaby, danke für Deine Antwort. Deine Perspektive hilft mir, Du hast recht und Du hast das gut beschrieben. Es ist nicht “nur” die Armut und auch das bisschen helfen ändert kaum etwas und nützt am Ende mir mindestens so viel wie denen, denen ich helfen will. Die Welt ist im Moment nicht gut, ganz viel von dem, was schon lange im Argen lag, wird jetzt so sichtbar. Und wie wir damit umgehen, ist höchst individuell. Halten wir uns an das was schön ist, ziehen wir uns auf unseren kleinen sicheren Kreis zurück, wie viel Schlimmes können wir ansehen und aushalten? Den Einen hilft dabei die Weihnachtsromantik, die Anderen halten genau das nicht aus. Beides legitime Vorgehensweisen und wie Du schon geschrieben hast: wie harmonisch man so drauf ist, ist ganz verschieden und muss nicht beurteilt werden. Ich danke Dir für Deine offenen Worte und schicke unbekannterweise warme Grüße. Auch an Anna, die diesen Raum hier aufmacht.

      • Hallo, Ja – ich kann es durchaus nachvollziehen und jeder geht anders damit um… Der eine will Glitzer, der andere oder die andere erträgt es dann nicht. Es ist begrenzt, was wir tun können, aber ist nichts tun die Lösung? Jeder hilft wie er kann und auch möchte und dem einzelnen, dem geholfen wird, geht es gut. Ich fühle da keine Verpflichtungen, lese auch nicht, dass sich jemand profiliert. Ich sehe, dass in Deutschland der Neus groß ist, wenn man jemand was hat, was kann. Spenden ja, aber schweigend.. Warum? Ein Freund hat auf den Spendenaufruf reagiert, gespendet und es unter den Post bei LinkedIn geschrieben, was einige seiner Kontakte daraufhin auch getan haben. Lass uns andere inspirieren und nicht verurteilen.

    • Hallo Gaby,
      ich lese nun seit etwa 3 Jahren ab und an auf Annas Blog mit. Bis heute habe ich darauf noch nie mit einem Kommentar reagiert. Aber deine geteilten Gedanken haben in mir viel ausgelöst. Darum schreibe ich nun hier.

      Warum jemand Blogger*innen folgt, liegt individuell begründet. Ich z. B. bin zufällig hier gelandet, war und bin von Annas Art zu schreiben fasziniert und fühlte mich in einigen Themen gespiegelt. Genügend Gründe, um immer mal wieder vorbeizukommen, durch das Fenster zu schauen, das sie öffnet, und dem zu folgen, was ich sehe. Mit meinen Augen, meinen Gedanken, meinen Gefühlen. Für diese Ausflüge bin ich ihr dankbar, auch wenn sie davon nichts weiß und diese Fenster auch nicht explizit für mich öffnet. Manches trifft mich ins Mark, anderes berührt mein Leben weniger.
      Ich mag diese Art von Begegnung mit dem Überraschenden darin.

      Warum sich in das „Schreiben im Advent“ nun eine finanzielle Betrachtung einschleichen musste, mag ich nicht verstehen. Die von dir benannte Seichtheit der Texte kann ich nicht entdecken. Ich habe in all den Beiträgen der letzten Tage nichts gesehen, was nicht schon zuvor da war. Anna hat über ihre Familie geschrieben. Aus ihrem Leben. Aus ihrer Sicht. So, wie sie es schon so oft vorher getan hat.
      All das ist legitim. Denn es ist ihr Blog. Ihr Journal. Es ist ihr Leben, das sie freiwillig in Auszügen teilt. Wem stünde zu, das zu bewerten? Wer gäbe hier überhaupt welche Wertmaßstäbe vor?
      Es gibt glücklicherweise keinen Zwang zur Themenfindung auf Blogs. Das würde sie auch ad absurdum führen. Gleich, in welchen Zeiten wir leben.

      Du benennst „dieses absolute Glück von Menschen, denen es an nichts fehlt, nichts mangelt und wo alles irgendwie einfach weiter geht mit Reisen, Essen, Wohnen, Reisen und Glücklichsein“. Das ist deine eigene Einschätzung – und für mich persönlich eine Unterstellung. Ich selbst würde mir nicht anmaßen, das Glücksgefühl der Bloginhaberin messen zu können. Denn wir können hier lediglich einen kleinen Einblick in das Leben eines Menschen gewinnen. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

      Jede*r hat das Recht auf den eigenen Weg durch diese Zeiten. Das Recht auf die eigenen Instrumente zur Bewältigung der darin liegenden Herausforderungen. Wenn diese nun Familienzusammenhalt, Freundschaft, Traditionspflege, Rücklagen, Harmonie, Hilfsbereitschaft, Rückzugsmöglichkeiten, Liebe und Erinnerung heißen – was wäre daran falsch? Deine Instrumente mögen anders aussehen. Dann ist das so. Hauptsache, du kennst sie und kannst sie für dich nutzen.

      Wir alle schaffen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten unser Leben.
      Du schriebst: „(…) es ist ja nicht so, dass alle, die hier lesen, automatisch wohlhabend sind und nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Diesen Menschen jetzt zu sagen: “schaut, hier könnt ihr armen Leuten helfen” – das zeigt mir einfach, dass ich auf diesem Blog, den ich viele Jahre lang gelesen haben, gerade nichts mehr verloren habe.“
      Meine (nicht immer großen) Möglichkeiten haben mich zu keinem Zeitpunkt davon abgehalten, etwas für andere zu tun. Das mache ich aus eigenem Antrieb und ohne Lesen dieses Blogs nun schon seit vielen Jahren. Und doch hat mich gerade ein Link von Anna gefreut, hinter dem sich so viel mehr als pure Charity verbirgt.
      Auch hier gilt für mich: Es ist ein Angebot zur Information. Ich kann es annehmen oder eben auch nicht. Darin sehe ich nichts Verwerfliches.

      Es tut mir leid, dass du dir von der „Adventsbloggerei“ wohl etwas anderes erwartet hast. Eine Enttäuschung ist nie angenehm. Aber sie ist genau das: eine Ent-Täuschung. Ich glaube, dass nicht Anna diejenige ist, die (etwas vor-)getäuscht hat. Und es ist auch nicht ihre Aufgabe, unsere Erwartungen mit ihren Blogbeiträgen zu erfüllen. Es ist IHR Blog. Sie kann und sollte schreiben, was sie möchte. Was sie beschäftigt. Was sie teilen mag. Ob du und ich es lesen, das ist dann DEINE wie auch MEINE Entscheidung.

      Ich wünschen allen eine schöne Adventszeit, frohe Weihnachten und dass jede*r von uns den eigenen Weg findet, um gesund und munter durch diese Zeiten zu kommen. Welche Farbe(n) auch immer er haben mag.

      • Ich finde das berührend einerseits, wie sehr sich Menschen hier von – wie ich finde, sehr höflich formulierter Kritik angegangen fühlen. Ich bin dabei sehr bei mir geblieben, habe sehr bewusst formuliert, wie es mir persönlich dabei geht. Nicht mehr. Ich hoffe, ich habe keinerlei verletzende Formulierungen gewählt, nichts “unter der Gürtellinie”. Ich habe keine Neiddebatte angefangen. Nichts dergleichen. Und doch sind die Leserinnen hier empört und beginnen Verteidigungen. Oder unterstellen Neid. Oder Nestbeschmutzung. Oder sprechen mir meine persönlichen Empfindungen ab.

        Und das ist das “andererseits”. Darf man Blogs nicht kritisieren? Darf man das nicht? Jede/r, der/die öffentlich schreibt, ist damit konfrontiert, dass diese Texte nicht allen gefallen. Das ist doch ganz normal. Darum gibt es Buchrezensionen, Film- und Theaterkritiken etc. Den einen gefällt etwas, den anderen nicht. Alle (hoffentlich) begründen ihre Ansichten. Niemandem würde einfallen, dass man bei einer Filmkritik die Schauspielerin beneidet und einem deshalb der Film nicht gefällt. Niemand würde auf die Idee kommen zu behaupten, man sei einfach neidisch auf eine erfolgreiche Romanautorin. Und man “müsse das ja nicht lesen, wenn es einem nicht gefällt”.
        Warum soll das im Internet anders sein? Warum ist man Nestbeschmutzer, Neider, Miesmacher – wenn man etwas höflich kritisiert? Wenn man schreibt “Ich hatte mich gefreut, und war dann ein bisschen enttäuscht”?
        Heißt das “Du darfst das nicht schreiben?” Betritt man sozusagen einen safer space des Bloggers, in dem man nichts verloren hat? In dem man nur zugelassen ist, wenn man immer applaudiert?

        Ist es das, was wir wollen?
        Ich lese diesen Blog seit 8 Jahren. Und in diesem Jahr hat mich etwas gestört. That’ s it.

        Beruflich schreibe ich für eine Zeitung. Wenn wir allen unseren Lesern und Leserinnen, die an unserer Berichterstattung etwas kritisieren würden, ein “Unsere Zeitung, unsere Regeln” entgegenschleudern würden, wenn wir sie nicht ernst nehmen würden mit ihrer Kritik, ihren Nachfrage (und natürlich auch mit ihrem Lob), dann würden wir uns auch selber nicht mehr ernst nehmen. Wenn wir nur noch Lobeshymnen und Zuspruch in Kommentaren und Leserbriefen zulassen würden, würden wir vermutlich einfach ausgelacht.

  4. Liebe Anna, ihr Lieben Alle,

    ich möchte Dir, Anna danken für deinen Blog, für dein Teilen von Erfahrungen, Gefühlen und auch von Freuden deines Lebens. Ich komme aus Koblenz und freu mich immer über dein Erzählen über meine Heimat!!
    Dort gibt es den Spruch: Man muss auch gönnen können! Und ich freue mich über Dich, über deinen Schreibstil, deine Tipps!
    Dennoch weiß ich, wie wir alle ,um die große Not in der Welt, nicht nur in Deutschland, aber auch in Deutschland.
    Und ich verstehe, dass diese Not noch größer werden kann, wenn man die Fülle sieht.
    Ich habe erlebt als ich so arm war und nichts hatte, wie mich die Weihnachtsgeschichte so unendlich getröstet hat.
    JESUS ist arm, bettelarm geboren und es war und ist mein größter Trost damals und heute, das er trotzdem der Heiland der Retter dieser Welt ist. Dies fiel mir zu deinem Post heute ein und ich mußte weinen, weil diese Erfahrung so ein Geschenk für mich ist.

    Seid behütet, ihr Lieben alle,
    UTE

    • Ich glaube es gibt den Punkt, dass man entweder dabei sein will od. nicht mehr will. Das ist “social media” aber das wahre Leben ist echte Verbindung. Ich erinnere mich, dass ich während Corona Annas Blog gelesen hab, vom Trampolin-Springen im Garten… U. ich hab mir gedacht, Moment mal ich will das nicht lesen sondern dabei sein u nicht ohne Familie vereinsamen hier. Aber Anna erzählt mir das, sie sieht mich als Einzelperson nicht, sie wird mich nicht zum Trampolin-Springen in ihren Garten einladen. Ich bin hier Zuschauerin ihres Lebens, ich kann nen Kommentar bei ihr hinterlassen, sie wird vielleicht drauf antworten… aber es ist nicht “ausgeglichen”. Ob u wie viel man das will, wenn man gezeigt bekommt was man nicht hat u. es Schmerzmittel, ist wirklich die Frage…

      Ich habe auch außerhalb der virtuellen Welt viel über Ungleichheit nachgedacht. Ungleichheit führt zu Problemen- im Großen in der Welt aber auch in der Familie. Ich habe einen Bruder der sehr erfolgreich ist u. so vieles hat, was ich nicht erreicht habe. Ich hätte das Ganze nie für möglich gehalten. Aber irgendwann hab ich gemerkt, ich kann gerne zuschauen aber es ist “OK”, dass er das alles hat u ich nicht. Es hat mir das Herz gebrochen u. ich wollte nur noch weg von ihm. U. das habe ich auch gemacht. Eine meiner Nichten hat dieses Jahr gefragt, wer ich bin, man kann wahrscheinlich an einer Hand abzählen kann, wie oft ich sie gesehen habe. Ich schreibe das so direkt, weil eine Erkenntnis von mir auch ist, dass viele Menschen aus Verletzung, Scham etc. nicht wahrhaftig spricht u. man sich in Folge nicht erreicht. Wie viele Familienkonflikte zeigen sich gerade auch in der Weihnachtszeit. Ich bin dieses Jahr der “Lösung” einen großen Schritt näher gekommen- connection over comparison. Ich habe verstanden, dass ich in diesem Leben nicht mehr erreichen kann, was er hat u. eine neue Ebene aufgemacht- schauen, was trotzdem gemeinsam geht. Eins darf man hier aber auch nicht vergessen u. ich wünsche niemandem was schlechtes. Das Leben ist zerbrechlich für jeden, es kann sich alles krass wenden u alle sind sterblich. Von daher will ich mich wirklich auf das Positive konzentrieren, um nicht mehr wertvolle Lebenszeit zu vergeuden.

      Eine schöne Adventszeit!

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