Letzten Freitag sind die Freitagslieblinge familienbedingt ausgefallen, dafür sind sie heute wieder am Start und ich habe mich schon die ganze Woche drauf gefreut.

Tatsächlich habe ich diese Woche gar nichts gebloggt, außer dem Taufwochenende und das hat sich komisch und richtig angefühlt. Aber dazu mehr bei meinem Lerneffekt der Woche.

Mein Lieblingsbuch der Woche für die Freitagslieblinge ist seit langem mal wieder ein Gedichtband. „Einmal einfach“ von Michael Krüger* liegt hier schon länger, aber ich lese immer nur gelegentlich darin und finde unglaublich viele kluge Ideen und Gedanken – manche auch zum (poetischen) Zustand der Welt. Eine enge Freundin meiner Mutter, die, die sie sich damals ausgesucht hatte, damit sie bei ihr wäre, als sie im August 2011 starb, verbindet mich mit diesem Buch, den Gedichten, dem Autor. Inzwischen ist diese Freundin selbst schon über ein Jahr tot und ich vermisse auch sie für immer.

Michael Krüger: Einmal einfach | berlinmittemom.com

Mein Lieblingsessen der Woche habe ich gestern Mittag mit meiner lieben Jette von Supermom Berlin gegessen. Wir hatten uns wirklich ewig nicht gesehen und beim letzten Mal hatte sie noch drei Kinder. Jetzt sind es vier und mit eben diesem Neuzugang, dem vierten Supermom-Baby, kam sie mich besuchen. Und ich bekochte sie. Also uns. Es gab eine Variation dieser Pasta mit gegrilltem Gemüse und Limo und süßes Babygeknötter und ganz viel Geschnatter und dann noch Latte und noch mehr Geschnatter, kurz: es war herrlich und ich habe mich so über dieses Treffen gefreut, dass das Essen gleich doppelt lecker war. Bald wieder, meine liebe Jette, ja?

Pasta mit Grillgemüse und Rucola | berlinmittemom.com

Meine Lieblingsserie der Woche habe ich kürzlich auf Amazon Prime gesehen. Irgendwie finde ich da in letzter Zeit mehr als auf Netflix. Ich habe mir aufgrund der Empfehlung eines völlig Fremden dort Casual angeschaut und war sehr begeistert.

Die frisch geschiedene Therapeutin Valerie zieht mit ihrer einzelgängerischen und leicht frühreifen sechzehnjährigen Tochter Laura bei ihrem Bruder Alex ein, zu dem sie eine sehr enge Bindung hat. Alex ist nicht nur der Erfinder einer sehr erfolgreichen Dating-App, er nutzt sie auch dauernd selbst, um Frauen für unverbindliche Treffen und gelegentlichem Sex ohne Verpflichtungen zu finden und zu treffen – „casual“ eben. In vier Staffeln wird erzählt, wie die drei einander verlieren, wiederfinden, sich entwickeln und letztlich doch immer sie selbst bleiben.

Freitagslieblinge: Casual | berlinmittemom.com

Ich mochte diese Mischung aus skurrilen menschlichen Begegnungen und Familiendrama, ich mochte die Hauptfiguren, ich mochte die Entwicklungs- und Rückschritte und ich mochte, dass die Charaktere echten Tiefgang hatten. Man mag längst nicht alles, was Valerie, Alex und Laura so tun und fragt sich manches Mal, wie man mit so einem Hang zur Selbstsabotage und destruktiven Verhaltensweisen eigentlich durchs Leben gehen kann und doch wird das ganze nie platt. Es gibt ganz wenig Pathos oder Familienideale wie in „This Is Us“, dafür fühlt es sich unterm Strich auch sehr viel authentischer an. Menschen sind nun mal oft selbstsüchtige Idioten, die ihre Beziehungen torpedieren oder Dinge tun, obwohl sie wissen, dass das schlecht für alle ist. So sind auch Alex, Valerie und Laura. Und ich habe ihre krummen und unperfekten Wege gerne mitverfolgt. Große Casual-Liebe!

Mein Lerneffekt der Woche hat wieder ganz viel mit dieser Plattform und meiner Verwendung derselben zu tun. Ich merke zur Zeit, wie wenig ich tatsächlich bereit bin, über Dinge zu schreiben, die nicht „dran“ sind – und damit meine ich nicht, dass sie saisonal nicht dran wären, sondern dass sie bei mir nicht dran sind. Ich schreibe lieber nichts, als mich zu zwingen. Was ich vor kurzem noch für eine kreative Krise gehalten hätte (und auch habe), ist aber in Wirklichkeit auch ein bisschen sowas wie das Zurückfinden zum Echten. Die Verbindung zum Anfang von all dem hier und dem Grund, warum ich überhaupt angefangen habe, zu bloggen: ich wollte Geschichten erzählen.

Und das will ich heute mehr als in all den Jahren „erfolgreichen“ Bloggens.

Meine Inspiration der Woche für die Freitagslieblinge habe ich bei Vanessa aka Frau Piepenkötter gefunden. Sie hat nämlich ihre persönlichen Schmonzetten-Tipps geteilt, eine Buchkategorie also, in der ich so gar nicht zu Hause bin – aber vielleicht viele von euch? Ich bin ja eher so der Typ Krimi oder ganz manchmal Drama, gerne Tiefgang und immer Poesie, aber Schmonzetten lasse ich immer liegen. Dabei kenne ich so viele, die drauf schwören, die es lieben, die sich mit nichts lieber vor dem Kamin zusammenrollen, als mit einer Schmonzette. Und wie ich so las, was die Frau Piepenkötter da zusammengestellt hat, dachte ich, vielleicht, ganz vielleicht, versuche sogar ich es mal mit einer von diesen Romantikträndendrüsentriggergeschichten. Wie steht ihr zu Schmonzetten?

Frau Piepenkötter: Schmonzettentipps | berlinmittemom.com

FRAGT MICH WAS! DIE ANTWORTEN AUS DER LETZTEN RUNDE FREITAGSLIEBLINGE-FRAGESTUNDE

Vorletzte Woche sind bei den Freitagslieblinge mal wieder einige sehr schöne Fragen aufgekommen und ich gebe mir Mühe, sie alle zu beantworten.

Lisa fragte nach dem Freund der Großen, der schon auf den Fotos aus den Sommerferien manchmal zu sehen war. Ja, es gibt einen Freund, aber ich werde darüber hier keine Details berichten. Das ist das Privatleben meiner Großen, das ich respektiere.

Aber die Fragen rund um die Regeln kann ich natürlich beantworten. Für mich ist ein Grundsatz dabei entscheidend: ich muss meinem Kind vertrauen können und es muss umgekehrt dasselbe Vertrauen in uns als Eltern haben. Das heißt, es funktioniert alles über Absprachen und auch über Verhandlungen. Natürlich gibt es Regeln; diese beziehen sich vor allem darauf, dass wir für unser minderjähriges Kind eine Verantwortung haben, die auch nicht endet, nur weil das Kind sich plötzlich „erwachsen“ verhält bzw sich so fühlt. Wir sprechen also schon Ver- oder Gebote aus, wie zum Beispiel:

  • Unter der Woche gibt es keinen Übernachtungsbesuch, weil am nächsten Tag Schule ist. Das gilt natürlich für Freund*innen der Kleinen ebenso wie für die Große.
  • Unter der Woche ist hier abends um 21:30 Schluss mit Besuch, weil: vorherige Regel. Natürlich gibt es von dieser Regel auch mal Ausnahmen.
  • Wer hier übernachten will, muss allen Familienmitglieder ausreichend bekannt sein (das ist natürlich Auslegungssache), damit sich alle damit wohlfühlen. Schließlich sind wir zu Fünft.
  • Wer hier übernachtet, nimmt am Familienfrühstück am nächsten Morgen teil. Das ist unser Wochenendritual und das ist (bisher) hier unumgänglich.
  • Auch wenn Eltern peinlich sind: es wird mit uns geredet. Ich lege wirklich Wert auf ein paar Grundverhaltensnormen im zwischenmenschlichen Miteinander. Dass man sich grüßt und ein bisschen plaudert, gehört dazu. Außerdem sind regelmäßige Gespräch der beste Weg, sich kennenzulernen und je besser wir uns alle kennen, umso leichter wird der Umgang miteinander.

Regeln für Teenager | berlinmittemom.com

Natürlich sprechen wir auch über Alkoholkonsum und die Frage danach, wie man sich des Nächtens auf den Straßen Berlins verhält,  wenn man als sechzehneinhalbjähriges Mensch da unterwegs ist. Aber das könnte ich vielleicht mal in einem Blogpost beantworten? Wär das was?

Silke regt an, ich könnte mal über Mode schreiben. Ich gebe zu, da bin ich zurückhaltend. Aber vielleicht könnte ich hier ab und zu mal was über ein Lieblingsoutfit oder so teilen? Meistens kleide ich mich aber ziemlich „gleich“, ich fürchte also, da gäbe es wenig Abwechslung. Sorry. Aber das Schlangenkleid aus den letzten Freitagslieblingen ist von Anna Scholz. Soviel kann ich ja schon mal sagen.

Melanie schreibt, dass sie es so mag wie ich schreibe. Tausend Dank dafür, das ist so lieb und freut mich sehr. Und sie fragt, ob ich mal darüber nachgedacht hätte ein Buch zu schreiben. Tatsächlich habe ich das, schon sehr oft und ich habe mich auch schon mit den Gedanken an die verschiedensten Genres befasst. Es gibt da im Moment (noch) nichts Konkretes. Aber ich habe eine Gegenfrage: was würdet ihr denn gerne lesen?

Vanessa fragt, ob ich keine Familienbloggerin mehr sein möchte und ich muss sagen, mit der Antwort tue ich mich schwer. Einerseits hängt mein Herz daran und viele der Themen sind mir nach wie vor sehr wichtig, aber die ganze „Szene“ hat sich seit meinen Anfängen sehr verändert. Ging es früher viel ums Teilen, um den Austausch auch unter den Blogger*innen und um die persönlichen Geschichten, ist das heutzutage alles sehr anders. Die meisten der jüngeren Blogger*innen verstehen sich als Influencer, vermarkten sich perfekt und sind vor allem an der Monetarisierung ihrer Inhalte interessiert. Ich finde das auch sehr legitim, aber ich  merke, dass ich mich darin kaum bis gar nicht wiederfinde. Und da bin ich dann schon mitten im schönsten Dilemma.

Sagen wir so: es wird diesen Blog weitergeben und ich werde auch weiter über Elternthemen schreiben. Aber der Schwerpunkt wird sich wohlmöglich verlagern.

Jana fragt, ob wir die Kinder bilingual erziehen oder woher das Bilinguale kommt. Tatsächlich kommt es aus der Schule, die sie alle drei besuchen. Wir sind mehr oder weniger zufällig in der Kitazeit der Großen dort gelandet, weil sie keinen Kitaplatz (mehr) hatte und fanden es toll – und sind geblieben. Und da sie also jeweils seit sie drei Jahre alt waren 8 Stunden am Tag allen Unterricht etc auf Englisch haben und auch die Betriebssprache englisch ist, sind sie perfekt bilingual.

Berlinliebe: Rosenthaler Platz | berlinmittemom.com

Simone möchte mehr über das Leben in der Großstadt wissen. Tja, das ist pauschal nicht so zu beantworten, finde ich. Wir lieben Berlin und wir finden es gleichermaßen anstrengend – und dabei leben wir noch verhältnismäßig ruhig. Die Kinder können sich (inzwischen) sehr gut alleine frei in der Stadt bewegen, natürlich im Rahmen. Aber es ist eben immer voll, immer laut, nie ganz still. Es gibt zwar viele Grünflächen und Ruheoasen, aber auch dort ist man eben nie alleine und nie ist es leise. Das kann schon sehr anstrengend sein. Auf der anderen Seite ist die Stadt so lebendig, so divers, hat so viele Gesichter und ist bunt wie keine andere Stadt. Das ist es, was wir hier lieben. Trotz aller Probleme, die Berlin als Stadt hat (Bildungssystem, einen nicht benutzbaren Flughafen seit 13 Jahren, Verkehrschaos), ist es eben der Ort in diesem Land, wo es alles gibt und wo in den einzelnen Kiezen und auch Straßenzügen kleine eigene Universen entstehen können. Hier gibt es Platz für alle, egal, wie sie sind, wo sie herkommen, an was sie glauben und wen sie lieben. Das ist für mich die Weltoffenheit, auf die ich nicht verzichten möchte. Und da sehe ich auch sehr große Vorteile beim Aufwachsen, weil die Kinder eben alles sehen und viel über den Tellerrand blicken können.

Und Michi fragt nach dem Umgang mit den allseits präsenten Kindern in jedem Alter, die einen nie wirklich in Ruhe lassen und danach, wie ich Grenzen setze. Tja, darüber habe ich ja inzwischen gebloggt: Kinder zu Besuch. Zwischen Irrenhaus und glücklicher Kindheit. Hast du’s gelesen?

Damit sind erstmal alle Fragen soweit beantwortet und ich freue mich auf mehr davon. Was wollt ihr noch wissen? Worüber wollen wir sprechen?

Eine Durchsage habe ich noch, bevor ich euch ins Wochenende schicke: seit Wochen stehen sie aus, die Gewinnerinnen von drei Doppelbänden Wunschbuchladen und heute kann ich sie endlich mal verkünden. Herzlichen Glückwunsch, Maren, Miri und Franka! Ihr habt schon eine Email und werdet hoffentlich bald in den schönen Geschichten aus dem Zauberhaften Wunschbuchladen schwelgen können.

Jetzt wünsch ich euch allen ein schönes Wochenende – genießt die Zeit mit euren Liebsten!

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5 Kommentare

  1. Danke für deine Antwort liebe Anna! Ich bin gespannt, wo deine Reise hingeht und freue mich, dass du uns ein Stück mit nimmst :)

  2. Pingback: Unsere Freitagslieblinge im August 2019 - rosaundlimonerosaundlimone

  3. Liebe Anna, so schön endlich einmal wieder bei deinen Freitagslieblingen mitmachen zu können. Und wir teilen absolut deine Meinung und aktuelle Gedanken zum Thema bloggen und sind gespannt, wohin deine Reise noch hingehen wird. Wir sind gerade ebenfalls am Überlegen, was geändert werden muss, damit wir wieder Motivation und Spass finden können. Wir werden dich auf jeden Fall begleiten, Du bist stets eine grosse Inspiration…
    Schönen Sonntag und ganz liebe Grüße aus dem Süden.
    Tanja & Daniela

    • Ihr Lieben, tausend Dank fürs Mitmachen und eure lieben Worte! Wie schön zu wissen, dass wir noch da sind und einander virtuell begleiten, oder? Liebste Grüße!

  4. Also ich mag auch wirklich alles was Du schreibst. Das ist wie bei einer guten Freundin am Küchentisch sitzen und die Welt bequatschen… auf einem guten Niveau… danke dafür… ich fühle mich da immer so gut aufgehoben.
    Auch die Regeln zu Freund und Freundin in diesem Alter kann ich unterschreiben…. wenn ich da auch echt noch dran arbeite, dass ein Teil meiner Kinder wirklich schon so groß ist, dass das Thema ist(älter als Deine)
    liebste Grüße,
    Elisabeth

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