Es hat mir so gefehlt, Menschen um mich zu haben! Mir war das gar nicht so bewusst. Also ja, dass ich meine Familie vermisst habe, meine Geschwister und ihre Familien, meinen Vater und seine Frau – selbstverständlich. Dass ich traurig war (und bin!), weil ich viele der Herzensfreundinnen so lange nicht sehen konnte – natürlich. Das war mir sehr bewusst.

Aber wie sehr es mir gefehlt hat, die Horden um mich zu haben, wird mir hier erst richtig klar. Ich bin ein geselliger Mensch. So sehr, wie ich den Rückzug brauche, so sehr genieße ich es, meine Lieben um mich zu scharen. Dass Corona in den letzten eineinhalb Jahren verhindert hat, dass wir Freunde zum Essen einladen, uns übers Wochenende mit anderen Familien irgendwo treffen, die Kinder ihre üblichen Wochenendrudel bilden können und wir ständig das Haus voller Gäste haben, das hat mir sehr gefehlt.

Lasagne für alle | berlinmittemom.com

Hier im Haus am Meer und in diesem Sommer habe ich das ein bisschen wieder gefunden. Wir konnten an meinem Geburtstag die liebsten Freunde aus Zingst hier zum Übernachten haben. Wir haben mit den Freunden vom Stall gegrillt, Lasagne gemacht und zum Abschluss des Sommers gestern an einer langen Tafel Tacos bzw Fajitas gemacht. Wir konnten in unserem Lieblingscafé sitzen und Waffeln essen und in der Beachbar mit der Schwagerfamilie am Abend Cocktails trinken. Wir hatten viele Übernachtungsgäste, die jeweils der Besuch einzelner Familienmitglieder waren und an unserem letzten Abend am Freitag werden wir noch mal Freunde aus Frankfurt begrüßen, die für ihre Sommerferien hier ankommen, wenn wir abfahren. Wenigstens einen Abend werden wir gemeinsam verbringen.

Haus am Meer - Geburtstag | berlinmittemom.comGäste im Haus am Meer | berlinmittemom.com

Und ich habe mich den ganzen Sommer über gefreut, Waffeln zu backen für viele hungrige Teenies, meinen Tisch mit Gläsern und Flaschen und Schüsseln und Platten voller gutem Essen zu füllen für unsere Freunde. Auf die Frage „Kann XYZ mit zum Essen kommen nach dem Reiten?“ mit einem „JA!“ aus voller Brust zu antworten. Sogar abends noch die Reiterfreundinnen samt ihren Pferden an unserem Gartenzaun zu begrüßen und sie mit einem Radler und Möhrchen für die Pferde zu versorgen.

Ich habe es genossen, meine größte Auflaufform mit Lasagne zu füllen und viele Menschen damit zu bewirten. Und die Tiefkühltruhe voller Eis für alle Kinder zu haben, den Kühlschrank voller Wein und den Vorratsschrank immer gut gefüllt, damit es für alle reicht. Auch wenn es wieder mehr sind, als eigentlich geplant.

Wie hab ich das vermisst! Und wie sehr hoffe ich, dass ich das wieder mitnehmen darf, zurück nach Berlin. Dass die Zeiten der Isolation und der Vorsicht zumindest soweit vorbei sind, dass wir Strategien finden, wie wir zusammenkommen können. Ich möchte meine Freundinnen wieder bekochen können, ich möchte den Kindern wieder Übernachtungen erlauben und Sommerkino im Garten. Und ich möchte mir und den Meinen, wenn die Tage wieder kürzer werden, schöne Dinge in Aussicht stellen können, zum Trost für den Abschied vom Sommer: Zwiebelkuchenessen mit vielen. Halloweenkürbisse schnitzen und dann Kürbissuppe gemeinsam essen. Ein Adventsplätzchenbackevent mit so vielen Kids, wie in die Küche passen. Ein ausführliches Essen mit Freunden in der Vorweihnachtszeit. Geburtstag vom Mann feiern, drinnen und draußen. Wintergrillen und Glühwein im Garten mit den Nachbarn.

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Nicht das Kino habe ich vermisst und auch nur ein bisschen das Theater. Nicht das Museum hat mir gefehlt und auf keinen Fall der Langstreckenflug. Nicht nach dem unbeschwerten Shoppen und dem Schwimmbadbesuch hab ich mich gesehnt und schon gar nicht nach dem Gedrängel von Märkten, Parks und Festivals. Aber dass ich mein Haus nicht wie gewohnt mit meinen Lieben füllen, das hat mir das Herz schwer und schwerer gemacht, je länger es dauerte.

Ich wünsche uns allen, dass wir von Beta nicht überrollt werden, wie schon von den drei Vorgängervarianten. Sondern dass uns neue Strategien dabei helfen werden, zusammenzukommen. Ich möchte auch im Winter wieder sagen können: „Kommt vorbei, wir haben genug für alle da.“

Last Updated on 5. August 2021 by Anna Luz de León

4 Kommentare

  1. Hast Du wundervoll geschrieben! Ja, genau das will ich auch. Unsere Familie Kinder 18, 15 und 8 sind bis auf die 8jährige voll geimpft. Ich hoffe einfach, das noch viele Menschen auch an alle denken, die sich nicht impfen lassen können… Ich will wieder regelmäßig mein offenes Haus haben!

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