Es geht los, der erste Schreibtag meiner Morgenseiten vom Darß ist angebrochen. Der Babyhund hat mich um 5:30h geweckt und wir beide sind auf der taufeuchten Wiese herumgestreunt; er, um Pipi zu machen, ich, um aufzupassen, dass er das auch macht und dass er nicht irgendwo Löcher gräbt, wo keine hingehören. Und tatsächlich auch, um selbst ein bisschen den Morgen aufzunehmen: diese noch kühle Luft, die Stille, die Morgensonne, das Vogelgezwitscher. Noch niemand wach im Haus, noch niemand wach in den Nachbarhäusern oder Gärten. Nur der Morgen, der fröhliche Babyhund und ich.

Morgen im Garten | berlinmittemom.com

Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, ich würde jetzt den Hund füttern und mich dann mit dem Laptop hinsetzen und los schreiben. Tatsächlich aber war der Kleine so schnell fertig und stand sofort wieder brav neben mir, dass ich ihn einfach wieder mit reingenommen und in seinen Kennel gesetzt habe. Er hat sich gleich eingekuschelt, also habe ich in meinem Bett dasselbe getan und wir haben beide noch mal bis kurz vor acht geschlafen.

Ein echtes Feriengefühl ist das: im Bett oder auf dem blauen Sofa liegen, obwohl der Tag schon angebrochen und im vollen Gange ist, Krimi lesen und Kaffee trinken, einfach da sein. Gestern habe ich mit den Kindern besprochen, was für sie ein richtiges Feriengefühl ist und wir sind da definitiv nicht alle derselben Meinung. Für die Große müssen es 30° sein, ein Pool, in den man sich sinken lassen kann und ein echtes, wildes Meer, wie der Atlantik. Für die Kleine ist es zumindest der tägliche Strandbesuch, auch wenn es „nur“ die Ostsee ist, hinter der Sandbank richtig schwimmen, im Strandkorb Kibblinge aus der Tüte essen und Wikingerschach im Sand spielen. Und für den Bub ist es genau das hier: ganz viel Zeit am Stall und mit den Pferden, ab und zu ein Dip in der Ostsee, alle Freund*innen hier treffen und abends den Sonnenuntergang beobachten.

Blick vom Sofa | berlinmittemom.com

Ich frage mich, ob sich die Erwartungen im Alter verändern, denn ja, ich vermisse den Atlantik und die wilden portugiesischen Algarvestrände auch sehr, zu denen wir so oft gereist sind. Und ich erinnere mich an das Sommerferiengefühl meiner Teenagerzeit, als wir immer an der französischen Atlantikküste waren, wo es Moules-Frites zum Abendessen gab, Lagerfeuer am Strand und Surfer, die noch die letzten Wellen vor Sonnenuntergang ritten.

Jetzt gerade reicht es mir, unter der Eiche zu sitzen. Mit dem Rad durch den Wald zu fahren. Die leuchtenden Gesichter der Kinder zu sehen, wenn sie auf dem Reitplatz ihre Runden drehen oder vom Ausritt zurückkehren. Morgens meinen ersten Kaffee im Bett zu trinken. Mit einem kleinen Hund, der noch so neu in der Familie ist und doch schon so fest seinen Platz in unserer Mitte gefunden hat, auf der Wiese zu stehen und zu erleben, wie der Tag beginnt. Alle paar Tage die Ostsee sehen reicht mir auch. Zu wissen, dass sie da ist, ihre Kraft irgendwie überall hier zu spüren, reicht mir gerade. Ich muss nicht jeden Tag an den Strand oder gar ins Wasser.

Natürlich will ich wieder reisen, aber es ist nicht mein dringendster Wunsch. Ich möchte Lissabon wiedersehen, meinen Lieblingsstrand an der Algarve, Paris und die Provence, Neuseeland und meine Herzensheimat El Salvador. All das wünsche ich mir natürlich, das zu leugnen, wäre Unsinn. Doch im Moment, vielleicht auch wegen der Ausnahmesituation der Pandemie, die seit eineinhalb Jahren andauert, ist das hier gerade der einzige Ort, der zählt. Dass wir alle hier sind. Dass wir gesund sind. Dass wir zusammen sind.

Ich weiß, wo ich bin. Das ist gerade das perfekte Sommerferiengefühl für mich.

Jetzt sind die heutigen Morgenseiten zu Mittagsseiten geworden, einfach, weil so viel Leben zwischen Schreiben und Veröffentlichen passiert ist. Lauter Ferienkleinigkeiten und Bedürfnisse, die erfüllt werden wollten. Nudeln mit Buttersoße und schnell noch was abholen mit dem Rad und der niedliche Hund der Nachbarn und der Rasensprenger, der doch noch funktioniert hat und die Freundin am Stall, mit der noch gequatscht werden musste. Sommerferienleben halt. Eins, das mich dankbar macht.

Morgen wieder Morgenseiten!

2 Kommentare

  1. Ich freue mich sehr auf deine Morgenseiten aus Prerow. In ein paar Tagen winke ich in Gedanken unbekannter Weise wie die letzten Sommer auch aus Ahrenshoop…
    Habt es schön.

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